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Rostiges Schloss

EU-Kulturminister: Mit DRM gegen Piraten

KONTROLLE
19.11.2008|14:33

Unter Vorsitz der französischen Kulturministerin Christine Albanel wird der EU-Ministerrat am Donnerstag einen Ratsbeschluss verabschieden, in dem kundenfreundlichere DRM-Systeme und der Kampf gegen Online-Piraterie gefordert werden. Auch Österreich wird für das Dokument stimmen.

Auf der Tagesordnung des EU-Ministerrats in Brüssel steht neben einem Beschluss zum Start der europäischen Online-Bibliothek EUROPEANA auch die Verabschiedung eines Positionspapiers zum Thema "Entwicklung legaler Online-Angebote für kulturelle und kreative Inhalte sowie die Verhinderung und Bekämpfung der Piraterie in digitalen Umgebungen".

Albanel, Parteigängerin des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, ist in ihrer Heimat derzeit damit beschäftigt, die stark umstrittene "Loi HADOPI" durch die Insitutionen zu schleusen. Dieses Gesetz sieht die Einrichtung einer Behörde vor, die auf Zuruf der Medienindustrie Nutzern nach dreimaliger Urheberrechtsverletzung den Netzzugang sperren soll - und das ohne richterliche Kontrolle. Das wiederum, so sagen Kritiker wie die französische Bürgerrechtsinitiative La Quadrature du Net, verstoße gegen elementare rechtsstaatliche Prinzipien und zwinge die Provider zur permanenten Überwachung ihres Datenverkehrs.

"Objektive Kampagnen"

Der am Donnerstag zu verabschiedende Ratsbeschluss der Kulturminister hat zwar keinen rechtlich verbindlichen Charakter, wirft aber ein Schlaglicht auf Denkweisen und Strategien der Medienindustrie und der französischen Ratspräsidentschaft. So sollten die Konsumenten durch "objektive Kampagnen" darüber aufgeklärt werden, welche Konsequenzen die Online-Piraterie für die Kreativindustrien habe.

In der Medienindustrie selbst gelten DRM-Maßnahmen mittlerweile als gescheitert. Alle großen Musiklabels bieten derzeit DRM-freie Musik im MP3-Format über Download-Portale an - allerdings nicht auf allen Märkten.

Als Beitrag zum Konsumentenschutz sehen die Kulturminister ihre Forderung, die Kopierschutzsysteme der Medienindustrie (DRM) europaweit interoperabel und transparenter zu machen. Weiterhin fordern sie, die Urheberrechte durch internationale Abkommen und Kooperationen mit Drittstaaten zu stärken - gemeint ist damit wohl unter anderem das umstrittene Anti Counterfeiting Trade Agreement (ACTA), das unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne demokratische Kontrolle derzeit zwischen der EU, den USA und anderen Industriestaaten ausgehandelt wird und auch zur Bekämpfung der Internet-Piraterie beitragen soll.

Piraterie bekämpfen

Weiterhin empfiehlt der Ministerrat der Kommission, innerhalb der kommenden 18 Monate einen Bericht darüber vorzulegen, mit welchen Maßnahmen legale Online-Medienangebote gefördert und Piraterie bekämpft werden könne. Die Mitgliedsstaaten sollten die Rahmenbedingungen für Online-Medienangebote verbessern. Etwa sollten neue Filme schnell nach dem Start auf legale Bezahldienste ins Netz gelangen.

Die österreichische Bundesregierung unterstützt die Positionen des Papiers, wie eine Anfrage von ORF.at beim Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur ergeben hat. Ministerin Claudia Schmied (SPÖ) vertritt dort die eigentlich im Bundeskanzleramt angesiedelten Positionen der Regierung in Sachen Medien. "Nach intensiven Diskussionen auf Expertenebene" werde das Dokument auch von Österreich mitgetragen, so Schmieds Sprecher Nikolaus Pelinka.

"Grundsatz der Verhältnismäßigkeit"

DRM sehe die Bundesregierung als "eine von verschiedenen Möglichkeiten zum Schutz der Rechte im digitalen Umfeld", "mangelnde Interoperabilität und Transparenz der Systeme" stellten jedoch "beachtliche Nachteile für den Verbraucher dar". Auf die französischen Pläne für Netzssperren angesprochen, schreibt Pelinka, dass Österreich sich zur Wahrung der Urheberrechte im digitalen Umfeld bekenne, dabei allerdings auch "selbstverständlich auch auf grundrechtliche Vorgaben der Europäischen Menschenrechtskonvention wie beispielsweise das Recht auf Information und dabei auch den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit" berücksichtigen wolle.

Bezüglich der Förderung konkreter lizenzierter Download-Angebote für digitale Medienprodukte fordert die Bundesregierung Kommission und Branchenvertreter dazu auf, sich "konstruktiv" am Diskussionsprozess zu beteiligen.

Kehrseite Telekompaket

So vage die Empfehlungen des Rates der Kulturminister auch sein mögen, so konkret sind die unter der französischen EU-Ratspräsidentschaft von der Medienindustrie-Lobby unternommenen Versuche, die Internet-Provider, die bisher als neutrale Träger für die von ihnen transportierten Inhalte nicht rechtlich belangt werden können, zur Kontrolle der von ihnen übermittelten Informationen zu zwingen.

Besonders stark umstritten sind entsprechende Copyright-Regelungen in den Richtlinien des so genannten Telekompakets, das den Telekommarkt in der Union neu ordnen soll. Das Telekompaket, das tief in die Strukturen der europäischen Kommunikationsindustrie eingreifen wird, wird am 27. November im Ministerrat verhandelt.

(futurezone/Günter Hack)

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Forum

 
  • Wenn ich als Konsument

    c1x111, vor 478 Tagen, 20 Minuten

    meines gesetzlich verankerten Rechts beraubt werde, zu persönlichen Zwecken eine Kopie anzufertigen, wird das natürlich Auswirkungen auf den Konsum haben.

    DRM wäre nur dann einigermaßen akzeptabel, wenn das Ausgangsprodukt eine entsprechende Qualität hat, hat es aber nicht.

    Man nehme eine Kauf-CD, kopiere sie auf den besten professionellen Rohling, den es gibt (zB. Verbatim Crystal Archive) (kriegst du nicht beim Blöd,Mann), vergleiche und staune! Man glaubt nicht, dass es sich um dasselbe Musikstück handelt! Ausprobiert sogar mit einem mehrere-1000-Euro-CD-Player.

    Also, solange Kauf-CDs derart fehlerbehaftet sind, dass nur eine fehlerkorrigierende Kopie auf einem Computer ihre Daten einigermaßen rettet, ist DRM einfach nur eine Frechheit gegenüber dem Konsumenten!

  • solala, vor 478 Tagen, 19 Stunden, 59 Minuten

    Die gesamte weltweite Musiindustrie hat einen Marktanteil, der umgerechnet nur wenige Prozentpunkte des Brutoinlandprodukts von Deutschland entspricht!

    Wenn sie solche Angst habem, sollen sie eben ihre Produkte erst gar nciht auf den Markt bringen, dann kanns auch nicht illegal verbreitet werden!

    Die Menschheit würde ohendies nicht viel verlieren, sondern im Gegenteil, verdammt viel gewinnen!

  • wie jetzt? DRM hat Piratierie verhindert?

    assholeson, vor 478 Tagen, 20 Stunden, 32 Minuten

    Entweder werden die Produkte, die DRM enthalten nicht angenommen, oder es wird umgangen, wie bisher auch.

    Was wird sich ändern? Nichts.

  • "Kundenfreundliches DRM"

    pc104, vor 479 Tagen, 4 Stunden, 3 Minuten

    Wie hab ich mir das vorzustellen? Wie die Zwangsjacke mit mehr Bewegungsfreiheit?

    Was will der Kunde? Der Kunde will seine gekauften Inhalte auf dem ihm genehmen Wiedergabegerät abspielen. Wie will man ihm das zulassen ohne dabei jemandem, der kopieren will, dies zu ermöglichen?

    Ich glaub nicht mal mehr dass es um die Kopiererei geht. Es geht vielmehr immer mehr darum, jemanden den gleichen Dreck immer und immer wieder verkaufen zu können.

    • Ja, der Grundsaetz der ...

      vergesstwahlenkauftaktien, vor 478 Tagen, 21 Stunden,

      ... "Verhaeltnismaessigkeit".

      Reden wir doch einmal ueber Verhaeltnisse und Maessigkeiten:
      es ist verhaeltnismaessig viel Muell-Content im Umlauf und mit jeder "sucht das Pseudotalent"-Show wird es mehr.

      Die Medienzuhaelter versuchen bar jeder Verhaeltnismaessigkeit an Mass und Methode unverhaeltnismaessig viel abzuzocken, damit ein verhaeltnismaessig kleiner Anteil an "Stars" mit verhaeltnismaessig wenig Talent sowie saturierte Maenetschas unverhaeltnismaessig riesige Anteile am Gesamtkuchen erhalten, waehrend alle anderen an der Gestehung Beteiligten mit verhaeltnismaessig Nichts abgespeist werden.

      Dass sich die den Zirkus finanzierenden KonsumEnten dann bei jedem neuen DRM Gebrabbel und Raubmord-Kopiergesabbel verhaeltnismaessig vergackeiert vorkommen, sollte recht einfach zu verstehen sein, wenn man den Betroffenen einmal zuhoert und ueberlegt, dass die ja die Finanziers sind; wenn hingegen die im Verhaeltnis zu den Betroffenen verhaeltnismaessig wenigen Lobbyisten immer die Einzigen sind, die bei den verhaeltnismaessig unwissenden und im Verhaeltnis zu ihrer Aufgabe offenbar nur mit den Gedanken ans Leben nach dem aktuellen Job beschaeftigten nationalen Ratsmitgliedern wie auch EU-Kommissaren Gehoer finden, muss einem dann der Gedanke kommen, dass diesen oeffentlich beschaeftigten Personen ihre Arbeitgeber ("das Volk", "die Steuerzahler", "die KonsumEnten") und deren lautstark geaeusserten Interessen in Wahrheit aber verhaeltnismaessig wurscht sind.
      Was dann wieder die verhaeltnismaessig schlechte...

    • Teil 2

      vergesstwahlenkauftaktien, vor 478 Tagen, 21 Stunden,

      ... Einschaetzung u.a. der EU in AT erklaert ...

    • pc104, vor 478 Tagen, 8 Stunden, 19 Minuten

      Verhältnismäßig gut zusammengefaßt.

  • Dumme Contentindustrie

    dermitdemohrlaeppchennuesseknackt, vor 479 Tagen, 9 Stunden, 42 Minuten

    Wer so beschränkt ist seine Kunden als Räuber und Piraten zu bezeichnen braucht sich nicht wundern das er keine Kunden mehr hat.

  • DRM ist einfach sinnfrei.

    muriem, vor 479 Tagen, 10 Stunden, 23 Minuten

    Weil es scheitern *muss*.

    Man nehme z.B. Audiodatenträger. Selbst wenn es das "perfekte" DRM gibt, kann das ganz einfach umgangen werden. Abspielen, aber statt den Lautsprecher ein Aufnahmegerät anschließen. Das schlimmste was man den Piraten "antun" kann, ist eine digital->analog->digital umwandlung, und daher ein, wenns gut gemacht ist, klitzekleiner Qualitätsverlust.

    DRM ist einfach nicht der Weg, weil es kann einfach nicht funktionieren, wenn man nur das Hirn einschaltet, oder jemand fragt, der sich ein bischen technisch auskennt.

  • Schon blöd, wenn man noch im Jahr 2002 feststeckt.

    hurda7, vor 479 Tagen, 10 Stunden, 37 Minuten

    "kundenfreundlichere DRM-Systeme" ist ein Oxymoron.

    "Auch Österreich wird für das Dokument stimmen."
    Natürlich, Österreich liebt totalitäre, nutz- und sinnlose Maßnahmen.

    Warum nicht auch gleich ACTA in den Verfassungsrang heben?

  • reflection, vor 479 Tagen, 11 Stunden, 5 Minuten

    tja. da wundert sich "die eu" warum immer mehr vertrauen in sie verloren wird. anstatt sich zu 100% um die wirtschaftskrise zu kümmern, wird der multimediamafia honig ums maul geschmiert. blöd, wenn dann keiner mehr einen job und geld hat, um deren "produkte" zu kaufen. abgesehen davon ist drm sowieso der falsche weg - der, der das zeugs kopieren will, tut es (jeder halbwegs helle 12-jährige schafft das) und der potentielle käufer sitzt da mit seinem macbook pro + videobeamer und kann sich den film am laptopbildschirm anschauen, bis ihm ein freund von der sagenumwobenen piratenbucht erzählt, deren einwohner alle filme problemlos auf ihren videobeamern, externen 30 zoll monitoren und dergleichen betrachten können....
    aber bis dahin wird uns die mär von den "kundenfreundlichen" DRM produkten erzählt.

  • DRM ist der falsche Ansatz

    max7c, vor 479 Tagen, 13 Stunden, 35 Minuten

    Man hat sich hier doch bereits dazu entschlossen für Content zu bezahlen.
    Und belohnt wird man für den guten willen legal zu kaufen mit Einschränkungen.

    • @max7c

      cyberman, vor 479 Tagen, 13 Stunden, 10 Minuten

      Ich dachte das wäre der Sinn an DRM?
      Es geht doch bei all diesen Systemen nur darum den zahlenden Kunden zu bestrafen, oder sehe ich das falsch?

      Die Raubkopierer werden davon ja schließlich nie betroffen sein, offensichtlicherweise.

      (Sarkasmus)

  • faschistodie DRM technologie stoppen: am besten im ministerInnenbuero anrufen..

    derm0nd, vor 479 Tagen, 13 Stunden, 35 Minuten

    http://www.bmukk.gv.at/ministerium/bbm_schmied.xml