Ö-Trojaner und E-Government
Ein erster Blick auf das Programm der neuen Bundesregierung bringt vor allem ein Wiedersehen mit alten Bekannten. So legt die Regierung größten Wert auf Einführung der Online-Durchsuchung und verstärkten Austausch von Polizeidaten. Auch in Sachen E-Government und E-Card will die Koalition Druck machen.
Teurer Fetisch E-Card-FotoHauptverband rüstet E-Card auf Ausbau des elektronischen Gesundheitssystems
Wie bereits vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger angekündigt, sollen die Systeme rund um die E-Card in naher Zukunft massiv ausgebaut werden und genießen "hohe gesundheitspolitische Priorität". Die Koalition hebt hier besonders die breite Einführung von Kontrollsystemen für die Vereinbarkeit von Arzneimittelverordnungen hervor, die bisher unter dem Projektnamen "Arzneimittel-Sicherheitsgurt" liefen.
Dieser soll bis Ende 2009 überall verfügbar sein. Das wiederum mache, so die Koalitionspartner, "die Verwendungspflicht der E-Card in allen Vertragspartnerbereichen erforderlich". Das System soll auch dabei helfen, "Disease-Management-Programme" für Krankheitsbilder wie Diabetes mellitus und Schlaganfall zu erstellen. Was die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) angeht, so hält sich die Koalition bedeckt und verweist lediglich darauf, dass dort der Datenschutz "streng" eingehalten werden solle.
Konsumentenschutz im digitalen Zeitalter
Im Bereich der digitalen Medien zeigt die Koalition Problembewusstsein, will sich aber nur auf eine klare Aussage einlassen: "Das Recht auf Privatkopie digitaler Datenträger soll sichergestellt werden." Die Rechte der Konsumenten im nichtgewerblichen Umgang mit digitalen Inhalten sollten ausgebaut werden, ohne allerdings den Schutz der Rechteinhaber zu beschneiden.
Im Urheberrecht solle das Verhältnis zwischen freier Werknutzung und technischen Schutzmaßnahmen (DRM) "geklärt" werden. Im Rahmen des letzten Positionspapiers der EU-Kulturminister hatte sich die Bundesregierung unter anderem für die Interoperabilität von DRM-Systemen ausgesprochen.
Dem aggressiven Telefonmarketing will die Regierung einen Riegel vorschieben: "Verträge, die im Rahmen unerbetener Werbeanrufe geschlossen werden, sollen entweder nichtig oder bis zur schriftlichen Bestätigung durch den Kunden schwebend unwirksam sein."
Umbau der KommAustria
Was die Medienpolitik der neuen Regierung angeht, soll zunächst die Aufsichtsbehörde KommAustria umgebaut werden. Sie soll einen Mediensenat, einen Senat für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und zwei Senate für die Telekommunikation erhalten. "Nach Bedarf" sollten auch weitere Senate eingerichtet werden. Private Medienanbieter sollen eine neue Förderung erhalten, die über die Regulierungsbehörde RTR abgewickelt werde. Letztere darf sich um Kompetenzzentren für Medienforschung, Aus- und Weiterbildungsförderung und IKT-Entwicklung bemühen.
Die RTR solle auch die Digitalisierungsstrategie im Rundfunkbereich weiterführen. Die Regierung wolle die gesetzlichen Grundlagen für die Zulassung von digitalem Radio schaffen und den elektronischen Medienanbietern einen "wettbewerbsneutralen Zugang zur Infrastruktur" stellen.
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Im Vorfeld der Nationalratswahl 2008 hat ORF.at den im Nationalrat vertretenen Parteien Fragebögen zur IT-Politik zugesandt.
Warten auf das Telekompaket
In anderen Gebieten, die das Telekommunikationsrecht betreffen, wird die Regierung ohnehin abwarten müssen, bis auf EU-Ebene das umfangreiche Telekompaket durch die Institutionen gegangen ist. Aufgrund der zahlreichen Streitpunkte wird damit erst Mitte 2009 zu rechnen sein; am Donnerstag wird das Paket im EU-Ministerrat behandelt.
Da viele Medienangebote werbefinanziert seien, möchte die Regierung die Werbesteuer abschaffen und damit indirekt den Medien- und Kommunikationssektor fördern.
(futurezone/Günter Hack)