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Ministerium kontert E-Voting-Gegner

DEMOKRATIE
28.01.2009|13:13

Am Dienstagabend hat das Wissenschaftsministerium ein Pressegespräch zum Thema E-Voting bei der kommenden Wahl zur Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) veranstaltet. Das Ministerium und die teilnehmenden Projektpartner wollten damit den mehrfach geäußerten Bedenken von ÖH-Bundesvertretung und IT-Experten begegnen. Die ÖH hat Aussagen aus dem Ministerium scharf zurückgewiesen, nach denen sie daran denke "ausländische Hacker" gegen das E-Voting-System zu engagieren.

Bei der ÖH-Wahl 2001 hatte die bundesweite Wahlkommission noch Nein zum E-Voting gesagt, obwohl die damalige Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) "sehr darauf gedrängt hat", so der damalige Kommissionsvorsitzende Bernhard Varga, der auch bei der ÖH-Wahl 2009 das Gremium leiten wird. Der Grund: "Wir waren nicht überzeugt, dass das System sicher ist."

Das für den diesjährigen Urnengang geplante E-Voting-System sei aber von der Qualität her mit dem damaligen "nicht zu vergleichen", das sei "wie Rechenschieber und Höchstleistungsrechner". "Das Grundprinzip einer geheimen Wahl "scheint für mich gewährleistet zu sein", sagte Varga.

Wahl im Mai

Bei der alle zwei Jahre stattfindenden ÖH-Wahl sind die Studenten der Universitäten, der Fachhochschulen (FH) und der Pädagogischen Hochschulen (PH) wahlberechtigt. Die ÖH-Wahl wird heuer voraussichtlich vom 26. bis 28. Mai stattfinden, fixiert werden muss das Datum noch per Verordnung durch Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP).

Die Internet-Wahl wird in der Woche davor stattfinden. Der Grund dafür: Falls beim E-Voting via Internet tatsächlich etwas schiefgehen sollte, kann die elektronische Wahl für ungültig erklärt, die E-Voting-Teilnehmer informiert und ihnen die herkömmliche Papierwahl ermöglicht werden.

Komplexes Wahlsystem

Tatsächlich ihre Stimme abgeben - und damit vom E-Voting Gebrauch machen - können nur die rund 230.000 wahlberechtigten Unistudenten, sie wählen an jeder der 21 Unis eine Universitätsvertretung sowie Hunderte Studienvertretungen. FH- und PH-Studenten entsenden über ihre bereits gewählten Jahrgangs- bzw. Studiengangsvertreter nur mittelbar Vertreter in das bundesweite Studentenparlament, die ÖH-Bundesvertretung.

Die Wahlbeteiligung pendelte im letzten Jahrzehnt um die 30 Prozent. Wissenschaftsministerium und Projektpartner hoffen, dass die Einführung von E-Voting die Wahlbeteiligung erhöhen oder zumindest stabilisieren wird. Auch der beträchtliche logistische Aufwand bei Veranstaltung der Wahl soll dadurch reduziert werden.

Wünsche und Gegnerschaft

Ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums konterte die Proteste der Hochschülerschaft gegen die Einführung von E-Voting mit einem Zitat aus einem Schreiben des damaligen ÖH-Bundesvorsitzenden Martin Faißt (AktionsGemeinschaft) aus dem Jahr 2000. Faißt habe seinerzeit die Einführung von E-Voting gefordert und die Entwicklung erst angestoßen. Der heutige Bundesvorsitzende Samir Al-Mobayyed (AktionsGemeinschaft) lehnt E-Voting dagegen strikt ab.

Um seinen Standpunkt zu untermauern, präsentierte das Ministerium die Ergebnisse einer von ihm in Auftrag gegebenen Befragung von 600 Studenten aus dem Jahr 2008. Diesen Daten zufolge würde der Großteil (82 Prozent) der Studenten E-Voting begrüßen. Die Vorteile sehen die Befragten u. a. im erleichterten Zugang (40 Prozent) und der erhöhten Wahlbeteiligung (16 Prozent). Die Bedenken gehen in Richtung "zu unpersönlich" (27 Prozent) und "nicht ernsthaft genug" (15 Prozent). Manipulation befürchten 15 Prozent, Datenschutzbedenken haben neun Prozent.

Kampagnen und Hacker

Das Umfrageergebnis steht im Gegensatz zur Meinung vieler Studentenvertreter, die E-Voting ablehnen. Man habe von Überlegungen einer Informationskampagne gegen E-Voting, ja sogar vom Engagement "ausländischer Hacker" gehört, wofür sogar Rücklagen der ÖH aufgelöst werden sollen, berichtete ein Sprecher des Ministeriums. Varga sagte, er verstehe nicht, warum sich die ÖH-Spitzen gegen die elektronische Wahl sperren. An den Unis passiere immer mehr elektronisch, "die Studenten sind nichts anderes gewohnt".

Die ÖH hat in einer Stellungnahme vom Mittwoch klargestellt, dass sie niemals in Erwägung ziehen würde, illegales Hacking gegen E-Voting-Systeme einzusetzen. Diese Unterstellung entbehre jeder Grundlage, so die ÖH. "Grund für die Ablehnung sind Befürchtungen, dass das freie, persönliche und geheime Wahlrecht dadurch gefährdet wird", schreibt der Bundesvorstand.

"Niemand wird zum E-Voting gezwungen, aber jeder, der will, kann elektronisch wählen", sagte der E-Voting-Experte Robert Krimmer (e-voting.cc), der das Wissenschaftsministerium in dieser Angelegenheit berät. Weil man die ÖH-Wahl "nicht gefährden will", sei das E-Voting als zeitlich getrennter Wahlkanal organisiert. In der Woche vor der Papierwahl wird es von Montag, 8.00 Uhr bis Freitag, 18.00 Uhr die Möglichkeit zum E-Voting geben. Die Auszählung erfolgt dann gemeinsam mit der Papierwahl am letzten Tag der "normalen" Wahl.

Weitere E-Voting-Initiativen

E-Voting ist vom Gesetz her nicht nur bei der ÖH als Körperschaft öffentlichen Rechts möglich, sondern auch bei der Wirtschaftskammer-Wahl. Laut Krimmer gibt es Überlegungen, die nächste Wahl 2010 auch elektronisch durchzuführen. Die technischen Vorbereitungen dafür seien weit gediehen.

Zum E-Voting via Internet brauchen die Wahlberechtigten eine aktivierte Bürgerkarte und ein Kartenlesegerät. Im Rahmen einer im vergangenen September gestarteten Aktion seien bisher rund 4.500 Lesegeräte von den Studenten angefordert worden, so der Sprecher des Wissenschaftsministeriums. Die technische Abwicklung des E-Votings wird das Bundesrechenzentrum übernehmen.

Projektpartner und Kosten

Dabei werden auch Software-Komponenten der spanischen E-Voting-Firma Scytl eingesetzt. Laut Aussage eines Vertreters des Bundesrechenzentrums ist die Scytl-Software Closed Source. Die ebenfalls verwendeten Software-Komponenten des österreichischen Bürgerkartensystems sind dagegen Open Source und unter der Apache-Lizenz 2.0 verfügbar. Auf Anfrage von ORF.at wollte sich der Sprecher des Wissenschaftsministeriums nicht zu den Kosten des E-Votings äußern. Diese bewegten sich "im sechsstelligen Bereich".

Das E-Voting über Internet bei der ÖH-Wahl gilt auch als Generalprobe für die Einführung eines solchen Systems bei anderen Wahlgängen, etwa bei Europa- und Nationalratswahlen.

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(APA/futurezone/Günter Hack)

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Forum

 
  • 4 Typen

    lupusuno, vor 374 Tagen, 21 Stunden, 30 Minuten

    Es gibt 4 Sorten von Leuten und deren Überzeugung zum E-Vote-System:

    jene die dafür sind weil sie
    - keine Ahnung haben (die ignoranten)
    - es missbrauchen wollen (die üblichen)

    jene die dagegen sind weil sie
    - keine Ahnung haben (die ignorante)
    - wissen (die aufrechten intelligenten)

  • Jeder der sich mit Software entwicklung auskennt

    highda, vor 375 Tagen, 34 Minuten

    ist wahrscheinlich dagegen, die einzigen ausnahmen sind die leute die damit geld machen!

    ich arbeite seit 15 in der software entwicklung.

    Evoting nein danke

  • e-voting ist nicht überprüfbar.

    herb, vor 375 Tagen, 19 Stunden, 50 Minuten

    Im Endeffekt muss man daran glauben, dass die Maschine das tut was sie soll, sicherstellen kann man's nicht, und Manipulationen können im Nachhinein nicht mehr bewiesen werden.

  • evoting ist nur was fürs fernsehen

    jemniak, vor 376 Tagen, 7 Stunden, 40 Minuten

    starmania, topfmodel usw .. dort wo sowieso gelinkt wird (vergleich mit politik? nee)

  • Trotz aller Vorkommnisse rund ums Thema Datenklau

    zootv, vor 376 Tagen, 9 Stunden, 41 Minuten

    und der Zusicherung diverser "Experten" halten die Heinis trotzdem an dieser Art des Wählens fest.

    Anonym bedeutet für mich folgendes:

    "Jeder" Bürger bekommt eine Wahlkarte
    "jeder" Bürger geht in eine Wahlzelle
    "und "jeder" Bürger wählt.

    So blöd kann einfach in ÖSterreich niemand sein anzunehmen das es durch die Elektronische Legitimierung und einer "möglichen" Vernetzung mit den pers. Stammdaten (Beruf, Wohnort, usw.) + der gewählten Partei zu keine "schwarzen Liste kommt"

    Das ist ein sehr mächtiges Medium und unsere Heinis haben noch nie vor Machtmissbrauch zurückgeschreckt.

  • Super!

    mrjingles1976, vor 376 Tagen, 22 Stunden, 59 Minuten

    Ich freu mich schon drauf... werde E-Voting bestimmt nutzen...

    • agentbluescreen, vor 376 Tagen, 22 Stunden, 34 Minuten

      ein sarkasm-tag für die trolle wär ratsam ;-)

  • user1234, vor 377 Tagen, 1 Stunde, 23 Minuten

    Die Damen und Herren vom Ministerium brauchen wohl ein bisschen Nachhilfe im Fach "Demokratielehre". Es mangelt im speziellen an Kenntnissen was denn eine freie, faire und vor allem geheime Wahl ist.

    Das Argument, dass man es sich ja aussuchen kann ob man so wählen will oder lieber mit E-Voting wo auch der Vater einem beim Kreuzerl machen "helfen" kann, ist müßig. Wenn man dann nämlich auf eine wirklich geheime und freie Wahl besteht, weiß ja eh gleich jeder nahestehende wie der Hase läuft.

    Es soll ja auch in manchen Diktaturen durchaus üblich sein, dass es wirklich Wahlzellen zum geheim wählen gibt. Man hat dort dann auch perfekt die Wahl... nur steht man bei der Benutzung eben dieser halt dann schon auf einer Liste...

    Wahlmöglichkeiten zwischen freien, fairen und geheimen Wahlen und Alternativen, ist schon in sich selbst unvereinbar mit eben freien, fairen und geheimen Wahlen.

    Das man eine demokratische Wahl als reine Uni Angelegenheit, nich viel anders als eine Lehrfachevaluierung abtut spricht auch von deutlichen Defiziten im Verständnis von Demokratie.

    • Man kanns ja auf einen noch viel ...

      vergesstwahlenkauftaktien, vor 377 Tagen, 25 Minuten

      ... einfacheren Nenner bringen:

      Ein wahltechnisches Verfahren gegen den Willen der aktiv Wahlberechtigten durchpeitschen zu wollen, ist schlicht indiskutabel und eines Politikers, der sich auf demokratische Legitimation berufen will, absolut unwuerdig.

    • @vergesstwahlenkauftaktien

      aw70, vor 376 Tagen, 22 Stunden, 26 Minuten

      Hab ich was versäumt? Wann hat sich Johannes Hahn jemals als Vertreter des Volkes gesehen?

      Der Mann ist Berufspolitiker, das ist etwas ganz anderes...

    • @vergesstwahlenkauftaktien

      arkasi, vor 376 Tagen, 12 Stunden, 52 Minuten

      Du setzt voraus, dass alle Wahlberechtigten dagegen sind, was wohl kaum der Fall ist. Wenn es so sein sollte, wird niemand diese Möglichkeit nutzen.

  • Ein Schelm wer bei dieser Kampagne

    derhausverstand1, vor 377 Tagen, 1 Stunde, 30 Minuten

    Böses denkt! Die unabhängige freie Wahl in der Urne muß endlich beendet werden! Oder?

  • djfamc, vor 377 Tagen, 1 Stunde, 34 Minuten

    Zusammengefasst: Das Ministerium geht nicht auf die Argumente derer ein, die sich länger darüber Gedanken gemacht haben, sondern bringt ein Umfragergebnis. Nebenbei wird der ÖH unterstellt, Hacker engagieren zu wollen. Fazit: Keine sachliche Diskussion, sondern schlechter Stil.

  • muriem, vor 377 Tagen, 1 Stunde, 52 Minuten

    Na hauptsache das Ministerium und die Geldempfänger sind dafür... Wenn die IT-Experten dagegen sind, dann gehören die konvertiert! Neh warte mal? Solle es net so sein, das IT-Experten das Ministerium beraten was klug ist und nicht umgekehrt? Und die für den ganzen Blödsinn ProjektGeld kriegen fallen sowiso raus.