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Politiker: DB wollte Kritiker einschüchtern

DATENSCHUTZAFFÄRE
31.01.2009|16:12

Deutsche Politiker haben Zweifel an den Aussagen des Chefs der Deutschen Bahn (DB). Die Korruptionsbekämpfung war vermutlich nicht das alleinige Motiv für die Mitarbeiterüberwachung.

Die Begründung des Chefs der Deutschen Bahn (DB), Hartmut Mehdorn, für den Datenabgleich von 173.000 Mitarbeitern wird von Politikern in Deutschland erheblich in Zweifel gezogen. Sie äußerten den Verdacht, dass es der DB nicht nur um Korruptionsbekämpfung, sondern auch um die Einschüchterung kritischer Informanten aus dem Konzern gegangen sei.

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Horst Friedrich, sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", es deute "sehr vieles darauf hin, dass die Korruptionsbekämpfung nicht das einzige Ziel der Bahn war". Auch Winfried Hermann von den Grünen vermutet, dass es "bei der Aktion auch darum ging, herauszufinden, wer Informationen aus der Bahn weitergegeben hat, beispielsweise an Kritiker des Konzerns".

Gewerkschaft empört

Die Vorsitzenden der DB-Gewerkschaften Transnet und GDBA, Alexander Kirchner und Klaus-Dieter Hommel, verlangten eine umgehende Sondersitzung des Aufsichtsrates. In einer Mitteilung vom Samstag hieß es: "Die Empörung über die bislang bekanntgewordenen Details der 'Schnüffelaffäre' ist nach wie vor groß."

Und weiter: "Die bisherigen Erklärungen reichen uns nicht aus. Es entspricht auch nicht den Tatsachen, dass die Mitglieder des Aufsichtsrates in der Vergangenheit informiert worden sind. Wir erwarten nach wie vor, dass der Konzernvorstand die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter endlich informiert."

Mitarbeiter bespitzelt

Tatsächlich sei es bei den bisher bekannten Fällen zumindest in einem Fall nicht um Korruption gegangen, sondern darum, herauszufinden, welcher Mitarbeiter Mehdorn anonym bei den Steuerbehörden angezeigt habe, berichten "Spiegel" und "Süddeutsche Zeitung". In einem Brief an die Mitarbeiter soll Mehdorn bereits vor über drei Jahren all jenen gedroht haben, die vertrauliche Firmenunterlagen missbräuchlich weitergeben.

Solchem "Verrat" werde der Konzern künftig "ebenso energisch begegnen, wie der Korruption", hieß es, und zwar "mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln". Mehdorn schrieb laut "Spiegel": "Diejenigen, die jetzt ein schlechtes Gewissen haben müssen, sollen wissen, dass wir schrittweise unsere Lecks einkreisen."

Betriebsrat wurde nicht informiert

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" soll die DB ihren Betriebsrat ganz bewusst nicht über die Schnüffelaktionen unter den DB-Beschäftigten informiert haben. Man habe "Zweifel an der Zuverlässigkeit bzw. Diskretion des (zu geschwätzigen) Betriebsrats", hätten Vertreter der DB gegenüber der Berliner Datenschutzbehörde geäußert.

So steht es in einem siebenseitigen Bericht der Behörde, der der "SZ" nach eigenen Angaben vorliegt. Dem Bericht zufolge habe die DB den Betriebsrat in keinem einzigen Fall über die Zusammenarbeit des Konzerns mit der Privatdetektei Network unterrichtet. Außerdem hätten weder Network noch die Bahn nach Abschluss der internen Ermittlungen die Mitarbeiter informiert, bei denen man nichts gefunden habe. Die Bahn habe das "nicht für erforderlich gehalten, da die zu Unrecht Verdächtigen anschließend nicht benachteiligt worden seien".

Mündliche Großaufträge verdächtig

Besonders erstaunt seien die Datenschützer über die Art und Weise gewesen, in der die DB ihre Geschäfte mit Network abgewickelt habe, hieß es. "Die Aufträge wurden ausschließlich mündlich erteilt", stehe in dem Bericht. Die Datenschützer seien "überrascht darüber, dass die DB Aufträge im Wert von über 800.000 Euro nur mündlich erteilt".

Die Datenschützer hätten auch einzelne Projekte von Network untersucht, darunter den Fall "Uhu". Hintergrund dafür ist der Verdacht, dass ein DB-Mitarbeiter unter falschem Namen in einem Brief an Finanzbehörden Mehdorn eines Steuerdelikts bezichtigt haben soll. Die DB habe, so steht es laut "Süddeutscher Zeitung" in dem Bericht, bei diesem Projekt "wahllos E-Mails der Betroffenen an Network übermittelt", darunter Schreiben an den Betriebsrat und Informationen über Besprechungen beim Betriebsrat.

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(dpa)

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Forum

 
  • "Die Korruptionsbekämpfung"

    fenris79, vor 372 Tagen, 12 Stunden, 13 Minuten

    ich lach mich scheckig, wer so was glaubt glaubt auch an die Terrorbekämpfung.

  • i kenn kaum einen Betrieb,

    derskalarvonperl, vor 373 Tagen, 22 Stunden, 30 Minuten

    der was keine Mitarbeiterüberwachung durchführt. In der heutigen Zeit, wo jeder Koffer Betriebseigentum für private Zwecke missbraucht und in die eigene Kasse wirtschaftet, indem er Betriebsmittel abzwackt, oder sich gleich am Bargeld zu schaffen macht, ist das einfach notwendig. Und wenn man solche Typen überführt, gleich vors Standgericht stellen und 5 Minuten später aufhängen. Genau deswegen gehen etliche Betriebe ja pleite!

    • ABUSE

      fuzi1968, vor 373 Tagen, 11 Stunden, 45 Minuten

      ABUSE

    • @derskalarvonperl

      max7c, vor 373 Tagen, 2 Stunden, 2 Minuten

      Du kennst bereits Betriebe?
      Also deiner Grammatik nach würde ich dich auf ein Alter zwischen 12 und 16 Jahren einschätzen.

  • sehr blauäugig

    bernhard1701, vor 373 Tagen, 23 Stunden, 23 Minuten

    frag ich jetzt:
    ...und der Vorstand ist immer noch im Amt?

    Wann endlich wacht "das Volk" auf und jagt die "Verbrecher im Nadelstreif" endlich zum Teufel?

    Sie haben uns bestohlen (s. Finanzkrise), sie bespitzeln ungeniert, sie halten uns einfach für deppert.

    Ich befürchte, dass es irgendwann den "big bang" gibt und alle Dämme brechen. Und wenn eh schon alles egal ist, dann bricht auch die staatliche Ordnung zusammen.

    Klingt für viele vielleicht übertrieben - aber wenn's dann soweit ist, dann hab auch ich nichts davon, recht gehabt zu haben...

  • na sehr interessant

    masvinotinto, vor 374 Tagen, 3 Stunden, 14 Minuten

    ist ja fast wie bei uns ......