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Das Händeschütteln zweier Business-Männer, darunter eine Comuptertastatur und Schreibzeug.

EU: Die Medienindustrie schlägt zurück

LOBBYISMUS
05.02.2009|14:20

Ohne Möglichkeit zur Abänderung oder Diskussion soll Anfang März über einen Bericht zur "Harmonisierung des Urheberrechts" abgestimmt werden. Der "Medina-Report" empfiehlt dem EU-Ministerrat verpflichtende "Kooperation" für Provider und enthält eine Passage, die die Filterung des Internet-Verkehrs voraussetzt. Auch die Publikation wissenschaftlicher Forschungsergebnisse soll diesem Bericht zufolge zuerst privaten Verwertern überlassen werden.

Die Präsidentenkonferenz des EU-Parlaments hat am Donnerstag mit den Stimmen der beiden großen Fraktionen festgelegt, dass der umstrittene "Medina-Report" Anfäng März im Plenum zur Abstimmung gestellt wird. Der Bericht wurde von dem sozialdemokratischen spanischen EU-Abgeordneten Manuel Medina Ortega für den Rechtsausschuss des Parlaments erstellt.

Geschehen soll das ohne Diskussion im Plenum und ohne die Möglichkeit von Abänderungsanträgen durch die Parlamentarier, beschloss das Gremium, das - ähnlich wie die österreichische Nationalratspräsidiale - die Geschäftsordnung bestimmt.

Nachteile für Wissenschaftler

Der "Medina-Report" enthält auch Passagen, die Anstrengungen zum freien wissenschaftlichen Publizieren im Netz torpedieren könnten. Wie Gavin Baker im Weblog Open Access News berichtet, gesteht der "Medina-Report" den von einigen wenigen Konzernen herausgegebenen wissenschaftlichen Journalen "eine Schlüsselrolle im Forschungsbereich" zu. Nur die Verlage seien in der Lage, den Publikationsbetrieb finanziell abzusichern. Baker kritisiert, dass der Bericht exakt die Position der Verlegerlobby wiedergebe und deren Rechte massiv ausweite - zum Nachteil der Steuerzahler, die von ihnen finanzierte Forschungsergebnisse von den Wissenschaftsverlagen wieder teuer zurückkaufen müssen.

Die "Harmonisierung"

Dieser Bericht befasst sich mit der "Harmonisierung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft" und hat bereits den Justizausschuss passiert.

Interessanterweise enthält der Medina-Bericht, der offenbar von Beginn an den Segen sowohl der Konservativen wie der Sozialdemokraten hatte, exakt wieder jene Passagen aus dem Telekompaket, die das Parlament mit jeweils großen Mehrheiten gestrichen bzw. abgeändert hatte.

Der versteckte Filter

Die Formel der verpflichtenden "Kooperation" von Internet-Providern mit den Rechteinhabern - also der Medienindustrie - findet sich da ebenso wieder wie eine Passage, die eine Filterung der Netzinhalte durch den Zugangsanbieter vorraussetzt.

Die Aufforderung an die EU, das Instrumentarium bereitzustellen, mit dem sich Originale von Raubkopien unterscheiden ließen, impliziert eine Filterung des Verkehrs.

Nicht akzeptabel

Die österreichische Abgeordnete Eva Lichtenberger (Grüne), deren Abänderungsanträge im Justizausschuss mit der Mehrheit der beiden großen Fraktionen verworfen worden waren, findet diese Vorgangsweise "unzumutbar und nicht akzeptabel". Das Thema sei viel zu wichtig, um ohne Diskussion und Änderungsmöglichkeiten zur Abstimmung gestellt zu werden.

Statt Filterpflicht und Internet-Sperren sei vielmehr die "Einführung neuer, auf die Internet-Welt abgestimmter Rechtsmodelle für den Schutz der Urheberrechte unter Wahrung von Grundrechten wie Schutz der Privatsphäre und Datenschutz" erforderlich.

Konservative, Sozialdemokraten

Interessanterweise haben sich die österreichischen EU-Parlamentarier Othmar Karas (ÖVP) und Hannes Swoboda (SPÖ) stets und dezidiert gegen derartige Zwangsmaßnahmen ausgesprochen, die nun erneut auf der Tagesordnung des Parlaments erschienen sind.

Zwar ist der Medina-Bericht nicht bindend, sondern stellt eine Empfehlung dar, doch würde das Parlament bei Verabschiedung in unveränderter Form dem Ministerrat Vorgangsweisen empfehlen, die jenen im Telekompaket derzeit enthaltenen widersprechen.

Der Zeitplan

Dieses Paket, das drei technisch überholte EU-Richtlinien auf den neusten Stand bringen sollte, steht in derselben Sitzungsperiode Anfang März auf der Tagesordnung des Parlaments, in der auch der Medina-Bericht ins Plenum kommen soll.

Nicht ganz überraschend ist Jannely Fourtou, die Ehefrau des derzeitigen Aufsichtsratsvorsitzenden des französischen Medienkonzerns Vivendi, Jean-Rene Fourtou, Mitverfasserin des Berichts.

Ebenso wenig überraschend ist die permanente Wiederkehr von Forderungen einer bestimmten Industrielobby in immer neuen Initiativen, Ausschussberichten, Lesungen etc., auch wenn sie das Parlament mit großen Mehrheiten geändert oder gestrichen hat.

Die Grundrechte

Ebenso wird das EU-Parlament im März über eine Empfehlung zum Schutz der Grundrechte im Internet abstimmen. Mit dieser Initiative sollten die Bürger eigentlich vor privater und staatlicher Datensammelwut geschützt werden.

Die Unterstützer der Medienindustrie haben freilich schon die ersten Änderungsanträge eingereicht, die den oben zitierten Forderungen auffallend ähnlich sind oder in anderer Formulierung auf ein und dasselbe hinauslaufen.

Was "Kooperation" bedeutet

Das jüngste Bespiel dafür ist der "Angelilli-Bericht", der Anfang der Woche vom Parlament mit Zustimmung aller vier Fraktionen verabschiedet wurde.

Vorher hatte man freilich noch zwei Passagen aus dem Bericht der konservativen italienischen Abgeordneten Roberta Angelilli zum Kinderschutz im Internet gestrichen.

Nicht ganz unerwartet war es da um verpflichtende "Kooperation" der Internet-Provider, um Filter und um Netzsperren gegangen.

"Kooperation" bedeutet in diesem Zusammenhang übrigens nie "Kooperation der Provider auf Anordnung eines Gerichts", sondern stets "Kooperation der Provider nach Aufforderung durch die Rechteinhaber" oder ein ihnen nahestehendes Gremium.

Am Beispiel Software-Patente

Im Fall der als "Software-Patente" bekanntgewordenen Richtlinie zur Patentierung computergestützter Erfindungen hatte es insgesamt zwei Parlamentslesungen, eine Unzahl von Ministerrratssitzungen, Präsidentenkonferenzen, Trialoge mit der Kommission, Vermittlungsausschüsse usw. gebraucht.

Nach 30 Monaten war den Parlamentariern der Geduldsfaden schließlich gerissen, und die Versuche der Elektronikindustrie, ihre Partikularinteressen zuungunsten von Programmierern und mittelständischen Unternehmen auszudehnen, wurden mit einem Beschluss aller vier Fraktionen abgeschmettert.

(futurezone/Erich Moechel)

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Forum

 
  • Ganz meine Meinung

    pc104, vor 366 Tagen, 23 Stunden, 32 Minuten

    Ohne Abänderung und Diskussion. Der Vorschlag ist diskussionsunwürdig, die Ablage in /dev/null ist anzuraten.

  • So kanns gehen

    fenris79, vor 368 Tagen, 12 Stunden, 28 Minuten

    "Was nur a CD gfladat? Schleich die wir haben grad an Downloader am Start, der hat schon an Schaden von über 15 Millionen Euro gmacht".

  • Der Abgaben-Irrsinn....

    dieflasche, vor 368 Tagen, 22 Stunden, 3 Minuten

    Urheberrechtsabgaben auf Drucker, Scanner, Kopierer, Festplatten, DVD- und Cd-Rohlingen und was weiss ich wo noch überall. Biometrische Merkmale in Reisepässen, Einreisebedingungen welche die Religion und sexuelle Orientierung erfragen, Ausweispflicht bei einer 100Euro-Spendenzahlung in der Bank. Handyortung mit einem Schmierzettel, Rasterfahndung und Bundestrojaner.....

    Es ist zu befürchten, dass es dem kleinen Mann irgendwann ziemlich reichen wird - was dann kommt, wage ich nicht mal zu denken......

    • Nachdem die meisten Ösis ja alles über sich ergehen

      mindmachine, vor 368 Tagen, 21 Stunden, 34 Minuten

      lassen wird es nicht so blad dazu kommen. Erst wenn der nächste Krieg kommt und die Leute davon genug haben... Und der wird kommen.

    • [+1]

      ldir, vor 368 Tagen, 21 Stunden, 15 Minuten

      Bin auch dafür dass baldmöglichst ein Krieg kommt wo diese Verbrecher ihrer gerechter Strafe zugeführt werden.
      Man soll sie im Sommer nackt in der Antarktis aussetzen, dann haben sie andere Sorgen als Geld scheffeln und unsere Überwachung zu planen.

    • Tja...

      c1x111, vor 368 Tagen, 13 Stunden, 22 Minuten

      Urheberrechtsabgabe: wenigstens muss man sich nicht identifzieren.

      Reisepass: Niemand ist verpflichtet, einen solchen zu besitzen oder mitzuführen. In die gesamte EU und zahlreiche weitere Länder kann man außerdem mit dem Personalausweis reisen.

      Einreisebedingungen: siehe oben, gelten in Schengen nur für Nicht-Schengen-Bürger, und außerdem ist kaum jemand verpflichtet, in ein Land zu reisen, das persönliche Daten verlangt.

      Spendenzahlung: Na, dann halt 2 x 50 Euro, wo ist das Problem, wenn man unbedingt anonym bleiben will und einen falschen Namen am Zahlschein angibt?

      Handyortung: Geht momentan nur mit Zusatzsoftware freiwillig oder durch den Provider nach richterlichem Befehl oder bei Gefahr im Verzug. Handys kann man auch ausschalten, und es gibt Wertkartenhandys.

      Bundestrojaner: Schau ich mir an bei Virenscanner und Firewall unter Windows, oder unter Linux, MacOS oder auf einer virutellen Maschine. Kaum etwas Anderes ist einfacher abzuwehren...

      Nur so als Beispiel für die Befürworter der Überwachung, dass sie Menschen, die ein bisserl intelligenter als sie selbst sind, und das sind nicht wenige, damit nicht überwachen können werden.

    • muriem, vor 368 Tagen, 11 Stunden, 5 Minuten

      du musst sehr wohl einen ausweis bei uns mit dir mitführen. ausweispflicht heißt das.

    • @c1x111

      max7c, vor 368 Tagen, 7 Stunden, 29 Minuten

      Handyortungen kann jeder Polizist veranlassen.
      Er braucht sich hier nur auf Gefahr in Vollzug berufen.
      Eine nachträgliche Prüfung ob diese Ortung gerechtfertigt war ist nicht vorhanden.
      Hinzukommt das die betreffende Person nicht über die Ortung informiert wird.
      Laut den Providern ist die Anzahl der Ortungen seit in kraft treten des neuen SPG drastisch angestiegen.

  • doncervantes, vor 368 Tagen, 23 Stunden, 20 Minuten

    jetzt regen sich die leut wieder über fehlende demokratie auf. das eu parlament kann nur deshalb übergangen werden weils den vertrag von lissabon noch nicht gibt. mit dem ginge das nicht mehr. eh klar die eu kreuzigen und zugleich die verbesserung der zustände verhindern....herrlich shizophrenes österreich.

    • max7c, vor 368 Tagen, 23 Stunden, 10 Minuten

      Österreich hat den Vertrag von Lissabon bereits im April 2008 ratifiziert.

    • Bloß es fehlen noch Tschechien und Irland

      tantejutta, vor 368 Tagen, 23 Stunden, 7 Minuten

      beide mithin unter den engsten Verbündeten der USA....

    • Wieso regen

      ldir, vor 368 Tagen, 21 Stunden, 13 Minuten

      sich die Leute dann wohl so auf dass ein paar Islamlehrer von Demokratie nichts halten? Wenn das Demokratie sein soll, dann kann ich diese Haltung absolut nachvollziehen.

    • tauceti, vor 368 Tagen, 17 Stunden, 5 Minuten

      ldir, mit dem Vertrag von Lissabon gäbe es MEHR Demokratie. Aber das will die Öffentlichkeit ja nicht. Siehe dein Posting.

    • tantejutta

      fenris79, vor 368 Tagen, 12 Stunden, 31 Minuten

      Naja aber immerhin war die Entscheidung Irland eine demokratische, und selbst wenn die USA die Iren beeinflusst hat war es noch immer eine demokratische Entscheidung.

  • max7c, vor 368 Tagen, 23 Stunden, 32 Minuten

    Dank der Medienindustrie und ACTA gehen Raubmordkopierer zukünftig auch in den Knast.
    http://www.golem.de/0902/65080.html

    Wo hört der Urheberrechtswahnsinn auf?

    • Fehlt nur noch

      ldir, vor 368 Tagen, 19 Stunden, 36 Minuten

      ein Standrechtliches Liquidationskommando... Dann hört es erst auf... Aber dann wird es zu spät sein um seinen Hintern zu erheben und gegen das totalitäre Regime zu protestieren.

  • Im Volke gärt es.

    lpino, vor 369 Tagen, 40 Minuten

    Es ist immer offensichtlicher, dass unsere Volksvertreter, wenn nicht bereits auf nationaler, so doch europäischer Ebene nur noch daran interessiert sind, Handlanger der Mächtigen zu sein und selbst dabei satt zu werden.

    Sie haben vergessen, woher sie kommen.
    Sie haben vergessen, für wen sie da sind.
    Sie haben vergessen, was sich gehört.

    Sie werden zu Komplizen derer, die nicht mehr die unsrigen sind. Einer Industrie, die immer hemmungsloser in die Taschen der Bürger greift.

    Pfeife ich morgen ein Lied, muss ich wohl Angst haben, dass ich dabei irgendein Recht verletzt habe und mit Strafe rechnen muss ?

    Wenn unsere Politiker weiterhin gegen uns regieren statt uns zu vertreten, werden ihnen immer mehr Menschen den Rücken und sonst was zukehren.

  • Hier...

    arya6, vor 369 Tagen, 47 Minuten

    wird Klartext gesprochen zum ohne Wenn und Aber und den Kernfragen.
    http://video.google.de/videoplay?docid=-5576047373264439629&q=schachtschneider&ei=WNZUSMzeC4eq2AKD4-2DDw

  • Ah neuer EU Schwachsinn ..

    offthspc, vor 369 Tagen, 1 Stunde, 1 Minute

    Gut wenn der Haufen bald samt Euroexperiment pleite geht. Da werden die EU-Parlamentarier aber überrascht sein !
    Klar, die beschäftigen sich auch mit wichtigerem, etwa dem Beschneiden der Freiheiten der Sklav .. ähh Wähler na geht auch nicht . Bürger, Quatsch genau: Konsumenten.

  • Das ist eben die Überwachung

    ldir, vor 369 Tagen, 1 Stunde, 4 Minuten

    Hätten diese Verbrecher nichts getan, müssten sie nicht mit einer elekronischen Fussfessel zur Arbeit gehen und sich auf Schritt und Tritt überwachen lassen...
    ...Was sagt ihr? Es sind mehrheitlich Leute dabei die nichts angestellt haben? Glaube ich nicht! Die Totalitäre Überwachung wird schon seinen Grund haben. In der DDR war es z.B. die Flucht zu verhindern.
    Ich hoffe dass der Zynismus gut erkennbar ist.

  • naja, gibt ja noch nen Hoffnungsschimmer für die Grünen

    derskalarvonperl, vor 369 Tagen, 1 Stunde, 45 Minuten

    Neben den ganzen Flausen, die was die in Kopf haben geht das endlich mal in die richtige Richtung, was da von der Lichtenberger gefordert wird.