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Weblogs "im Mainstream angekommen"

SOCIAL MEDIA
01.04.2009|21:00

Bei der Berliner Blogger-Konferenz re:publica werden noch bis Freitag die Auswirkungen digitaler Medien auf die Gesellschaft diskutiert. Zum Auftakt stand der Status quo der Blogosphäre zur Debatte.

Seit drei Jahren gibt es die re:publica. Heuer rechnen die Veranstalter mit mehr als 1.500 Besuchern. Erstmals findet der Blogger-Treff deshalb auch im Berliner Friedrichstadtpalast statt, mit einem Fassungsvermögen mit fast 2.000 Leuten immerhin Europas größtes Revuetheater, wie Spreeblick-Blogger und re:publica-Mitveranstalter Johnny Haeusler bei seiner Keynote zu Beginn der Konferenz am Mittwochvormittag vermerkte.

"Weblogs sind keine Nische mehr sondern längst im Mainstream angekommen", meinte Haeusler unter Verweis auf das Motto der Veranstaltung: "Shift happens" - Wandel findet statt.

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Die Social-media-Konferenz re-publica findet noch bis 3. April in Berlin statt. Ausgewählte Vorträge und Diskussionen werden live im Netz übertragen und stehen anschließend auch zum Download bereit.

Mainstream-Medien als Stichwortgeber

Zum Auftakt kartografierte John Kelly vom US-Institut Morningside Analytics die globale vernetzte neue Öffentlichkeit. Die Unterschiede sind groß, die Themen vielfältig. Gemeinsam ist den Netzwerken von Afghanistan über den Iran bis in die Vereinigten Staaten und dem deutschsprachigen Raum, dass etablierte Medien nach wie vor zu den wichtigsten Stichwortgebern der Blogosphäre zählen.

Umgekehrt funktioniert die Gleichung nur bedingt. In den vergangenen Jahren seit rund um Blogs zwar viel passiert, in den Medien sei es jedoch um Weblogs still geworden, konstatierte Handelsblatt-Blogger Thomas Knüwer, der ein Panel zu Blogs in Deutschland moderierte. "Der Neuigkeitswert ist verschwunden", sagte Bildblogger Stefan Niggemeier. Er beklagte, dass in Blogs zu wenige eigene Inhalte generiert würden: "Es müsste doch mehr Leute mit einem Sendungsbedürfnis geben, die eigene Geschichten erfinden."

re-publica Diskussion

Deutsche Blogger diskutieren (v.l.n.r.): Thomas Knüwer (Indiskretion Ehrensache), Markus Beckedahl (netzpolitik.org), Robert Basic, Stefan Niggemeier und Sascha Pallenberg (Netbooknews.de).

Blog als Beruf

Dass sich mit eigenen Inhalten und pointierten Meinungen mittlerweile auch ganz gut Geld verdienen lässt, bestätigten Robert Basic und Sascha Pallenberg. Basic, der vor einigen Monaten sein Blog basicthinking versteigerte und nun neue Projekte verfolgt, bezifferte seine Einnahmen mit einigen Tausend Euro im Monat "plus indirekte Aufträge". Pallenberg, der Ende 2007 auf dem Blog eeepcnews.de damit begann, den gerade erwachenden Boom um den Asus-Kleinrechner publizistisch zu begleiten, konnte bereits zwei Monate nach Start des Blogs seinen Job aufgeben.

Heute liefert er auf netbooknews.de Informationen und Testberichte zu Netbooks. Seit Google nach den Markenrechtsansprüchen von Psion den Begriff "Netbook" aus seinem Werbenetzwerk entfernte, habe er zwar Einbrüche bei den Besucherzahlen hinnehmen müssen, die Umsätze seien aber weiterhin zufriedenstellend. Im Bereich des Tech-Blogging sehe er viele neue Talente, so Pallenberg. Die Halbwertszeit der Blogs sei jedoch sehr kurz: "Viele merken nach einigen Monaten, dass es Arbeit ist."

Twitter als Blog-Beschleuniger

Neue Formen der vernetzten Kommunikation wie den Microblogging-Dienst Twitter begrüßte der Großteil der auf dem Podium sitzenden Blogger. Es sei sehr schön, dass es eine vielfältige Kommunikationslandschaft gebe, meinte re:publica Mitveranstalter Markus Beckedahl (netzpolitik.org). Twitter habe Blogs sehr beschleunigt: "Gute Artikel werden sehr schnell weiter kommuniziert."

"Bessere Gesetze"

Über die Frage, ob Blogger eine Interessensvertretung oder eine Rechtsschutzversicherung brauchen, herrschte am Podium geteilte Meinung. Zu vieles sei vage und offen, sagte Niggemeier, der wegen Kommentaren in seinem Blog geklagt wurde: "Die gesetzlichen Grundlagen fehlen." Auch Beckedahl, der sich zuletzt gegen die Deutsche Bahn in einem Streit um die Veröffentlichung von Unterlagen auf netzpolitik.org durchsetzte, meinte: "Wir brauchen bessere Gesetze."

Dass anfangs das WLAN streikte, trugen die Besucher der Blogger-Konferenz mit Fassung. Als am Nachmittag der Fehler gefunden war, füllten sich die Projektionsflächen hinter den Diskutanten schnell mit Twitter-Meldungen ("Tweets") und Kommentaren zu den Vorträgen.

In den nächsten Tagen werden in Berlin noch Creativ-Commons-Mitbegründer Lawrence Lessig und der Science-Fiction Autor und Boingboing-Blogger Cory Doctorow erwartet. Am Freitag widmet sich eine Subkonferenz, bei der auch Wikipedia-Gründer Jimmy Wales anwesend sein wird, der neuen politischen Öffentlichkeit im Netz.

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(futurezone/Patrick Dax)

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Forum

 
  • Eine nach der anderen...

    greg79, vor 346 Tagen,

    Bei der Fülle an Web-2.0-Konferenzen, Workshops, Seminaren, Vortragssession und was es da alles gibt, bekommt man den Eindruck, die Cyberelite wäre höchst verzweifelt auf der Suche nach Distinktion... Das macht die Szene irgendwie unsympathisch.

  • Leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit ...

    klaering, vor 346 Tagen, 2 Stunden, 28 Minuten