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Nationalversammlung in Paris/Frankreich, Gebäude von außen

F: Nationalversammlung für Netzsperren

KONTROLLE
02.04.2009|18:32

Die französische Nationalversammlung hat den zentralen Aspekt des umstrittenen Netzsperrengesetzes Loi HADOPI verabschiedet. Demnach kann Urheberrechtsverletzern nach zweimaliger Warnung der Internet-Anschluss gekappt werden. Nur einige Details müssen noch im Vermittlungsprozess besprochen werden. Die französische Regierung versucht nun, "Three Strikes Out" in der ganzen EU salonfähig zu machen.

Internet-User riskieren in Frankreich in Zukunft die Abschaltung ihres Anschlusses, wenn sie unlizenzierte Medienprodukte herunterladen. Nach dem Senat billigte am Donnerstag die Nationalversammlung mit den Stimmen der konservativen Regierungsmehrheit (UMP) das umstrittene Vorhaben. Die Debatte dauert derzeit noch an, allerdings ist der zentrale Punkt, nämlich die Trennung des mutmaßlichen Urheberrechtsverletzers vom Netz, mit den Stimmen der UMP angenommen worden. Vorher hatte es noch eine Debatte darüber gegeben, ob statt der Sperren nur Geldstrafen verhängt werden sollten.

Mit dem Gesetz wird eine Kontrollstelle (HADOPI) eingerichtet, die auf Urheberrechtsverstöße im Internet aufmerksam macht. Wer nach zwei schriftlichen Abmahnungen noch immer unlizenzierte Downloads zieht, muss mit der Sperrung seines Internet-Abonnements für zwei Monate bis zu einem Jahr rechnen.

Richter sollen Sites filtern

Laut einem Bericht der Tageszeitung "Liberation" vom Donnerstag haben sich die UMP-Abgeordneten auch dafür entschieden, dass Richter den Internet-Providern vorschreiben dürfen, bestimmte Websites die Urheberrechtsverletzungen begünstigen komplett zu sperren. Diese Bestimmung steht in Artikel 5 des HADOPI-Gesetzes. Damit soll der Zugriff auf Websites wie The Pirate Bay unmöglich gemacht werden. Änderungsvorschläge, die diese Bestimmung abgemildert hätten, hat die Sarkozy-Partei abgeschmettert.

Widerstand auch in der UMP

Linke Parteien stimmten geschlossen gegen die Internet-Sperre. Auch im Regierungslager gab es Widerstände: Einige Abgeordnete hatten am Mittwoch vergeblich versucht, statt der Abschaltung eine Geldstrafe durchzusetzen. Der Gesetzentwurf, der bereits im Oktober durch den Senat angenommen wurde, muss nun wegen anderer Bestimmungen nochmals in den Vermittlungsausschuss. So hatte die Nationalversammlung am Donnerstagvormittag beschlossen, dass betroffene Internet-Nutzer nicht ihre Anschlussgebühr zahlen müssen, während sie vom weltweiten Datennetz abgetrennt sind.

Das Gesetz soll laut Kulturministerium als Abschreckung dienen und das legale Angebot von Musik und Filmen stärken. Es beruht auf einem Abkommen der Regierung mit der Musik- und Filmindustrie vom November 2007. Im Gegenzug für die verschärfte Verfolgung der Raubkopierer soll nach einer Selbstverpflichtung der Branche der Kopierschutz für Filme und Musik abgeschafft werden. Dieser Kopierschutz gilt allerdings selbst in der Medienindustrie als gescheitert.

Die nächsten Etappen des Gesetzgebungsprozesses sehen vor, dass eine Parlamentskommission den Text konsolidiert und anschließend zur Prüfung an das Verfassungsgericht (Conseil Constitutionnel) übergibt. Dies sei "die Feuerprobe für dieses ungenaue, absurde, gefährliche und nicht durchsetzbare Gesetz", so die Bürgerrechtler von La Quadrature du Net.

Letzte Hoffnung EU-Parlament

Das umstrittene Gesetz könnte allerdings noch durch einen Zusatz im Telekompaket der EU gekippt werden, das für den 21. April zur zweiten Lesung im EU-Parlament erwartet wird. Dieser sieht vor, dass Internet-Nutzern nicht ohne richterlichen Beschluss der Anschluss abgeschaltet werden darf. Die HADOPI soll nämlich ihre Beschlüsse ohne Richter treffen, und bei den ersten beiden Warnungen sollen die Nutzer nach dem Gesetzentwurf nicht einmal erfahren, welchen Verstoß sie eigentlich begangen haben sollen.

Die französische Bürgerrechtsorganisation La Quadrature du Net hat am Donnerstag davor gewarnt, dass der EU-Ministerrat in den aktuellen Verhandlungen im Trilog unter dem Einfluss der französischen Regierung den Zusatzantrag zu sabotieren versucht. In der Fassung des Ministerrats gibt es eine subtile Änderung. Nun soll es reichen, dass nicht mehr ein Richter, sondern nur "eine rechtlich dazu befugte Behörde" - sprich: die HADOPI - einen Eingriff in die Grundrechte der User verfügen darf. Die Organisation bezeichnet das als "archaisch" und "unakzeptabel".

Nach einer Umfrage des französischen Wirtschaftsblatts "Les Echos" wird die Umsetzung der "Three Strikes Out"-Regeln einen großen Internet-Provider rund zehn Millionen Euro pro Jahr kosten. Wenn nun auch die für die Nutzer drakonische Bestimmung wegfällt, dass sie auch nach der Sperre noch für ihren Anschluss zahlen müssen, wird das Vorhaben der Sarkozy-Partei für die Provider noch teurer.

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(AFP/futurezone)

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Forum

 
  • ENDLICH! Danke Frenchies!!!

    cyberhawkvienna, vor 484 Tagen, 19 Stunden, 34 Minuten

    Endlich wird das TOR-Server System belebt ^^ dann geht das noch besser. Dann spiel ich gerne "Hasch mich ich bin der böse DOWNLOADER!"

  • Und wer beim Fotokopieren ein Urheberrecht verletzt,

    musicnew, vor 484 Tagen, 21 Stunden, 25 Minuten

    dem wird der Strom-Anschluss untebrochen.

    Ist doch genauso logisch - oder ?

    Stromverbrauch steigernde Nebeneffekte der Internetsperre:

    Sämtliche Daten werden dann gleich doppelt raubkopiert (Sicherheitskopien für die Reserve-Software). Und die Zahl der Internet-Anschlüsse pro Person wird sich verdoppeln.

    Sicher ist sicher. Geschäft ist Geschäft.

    • noxventa, vor 484 Tagen, 21 Stunden, 20 Minuten

      Wer beim Schwarzfahren im Bus erwischt wird verliert den Führerschein! Strafe muss sein!!

    • Mögen die Rechtebesitzer auch gerecht teilen

      musicnew, vor 484 Tagen, 19 Stunden, 55 Minuten

      mit den Kreativen ?

      WO die Firmen-Einnahmen aus den Urheberrechten wirklich DAZU verwendet werden, lebende Musikschaffende in neuen Produktionen zu beschäftigen und angemessen zu honorieren -

      da lässt sich durchaus mal konstruktiv diskutuieren über verschärften Rechtsschutz für Musik(etc.)firmen.

      Solche Firmen waren aber jüngst ziemlich aus der Mode gekommen:

      Zuletzt galt sogar "Kassieren statt produzieren" als das "bessere Firmenlogo für die Börsenkurse".

  • Raubkopierer sollten sofort eingegsperrt werden

    noxventa, vor 484 Tagen, 21 Stunden, 37 Minuten

    Ich bin dafür das man Raubkopierer sofort OHNE Prozess einsperrt! Wer geistiges Eigentum kopiert ist MINDESTENS genauso schlimm wie ein Mörder oder ein Vergewaltiger. Wer was anderes behauptet kennt sich nicht aus und hat von der Rechtssprechung keine Ahnung.

    Desweiteren möchte ich dass man verbietet bekannte Musiktitel nachzusingen. DIE SIND URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZT, VERDAMMT NOCH MAL, die kann man doch nicht einfach nachsingen, da entgeht der Musikindustrie HUNDERTE MILLIARDEN Jährlich, und TAUSENDE Jobs sind gefährdet!!!

    • Ich bin dafür, dass man sie nicht einmal hören darf

      darling, vor 484 Tagen, 21 Stunden, 31 Minuten

      Zumindest nicht mit anderen Personen im Raum. Stell dir vor, meine Eltern Kinder.. sitzen beim Frühstück und alle hören eine von mir gekaufte CD. Alleine was da der Musikindustrie entgeht. Soll sich doch jeder dieser Personen eine eigene CD kaufen und sie per Kopfhörer hören.

    • noxventa, vor 484 Tagen, 21 Stunden, 21 Minuten

      Ich geb dir absolut recht.

      Oder es gibt ab jetzt für 49,99 eine Mehrhöhrer-CD, die darf man auch im CD Player mit Boxen abspielen und nicht nur auf 1/3 Lautstärke mit Kopfhörer. Du könntest sonst ja wem im Bus mithören lassen wenn du deine Kopfhöhrer zu laut eingestellt hast... was da der Musikindustrie entgeht...WAHNSINN.

    • Dann fahr mit einer Glasflasche ...

      cyberhawkvienna, vor 484 Tagen, 19 Stunden, 36 Minuten

      in die USA. Dann wirst wegen Patentrechtverletzung verklagt. ^^ Dort gibt es ein Patent auf Glasflaschen - Echt ^^ // Ausserdem hab ich nirgendwo AGB´s gesehen beim kauf meiner letzten CD gestern. Also wonach soll ich mich richten? Das Österreichische Gesetzbuch wird einem ja nicht vorgelegt, oder irre ich mich da???

  • Aber auch die Antwort kommt aus Frankreich

    onza, vor 485 Tagen, 6 Stunden, 6 Minuten

    www.jamendo.com - Lizenzfreie Musik, da braucht man nicht mal AKM-Gebühren zahlen wenn man die wo öffentlich verwendet.

    Schade, zuerst haben sie so einen liberalen Gesetzesentwurf gehabt und dann dreht der Depp von Sarkozy alles um...

    • solala, vor 485 Tagen, 5 Stunden,

      Das war net er sondern sei Frau!

      Jetzt glaubts das sich jeder Franzose das kauft, a paar Deppen gibts sicher auch dort, nur viele dürftens nicht sein, und dann ist der Traum von den Millarden des Französchin Volks geplatz...

      Wie sehr sich doch die Geschichte wiederholt, erinnert mich an eine sehr unliebsame Österreicherin, die sagte, na wenns kein Brot gibt, sollens halt Kipferl kaufen...

    • Kuchen war's,

      c1x111, vor 484 Tagen, 23 Stunden, 1 Minute

      und der Ausspruch wurde von den Revolutionären nur erfunden, um die Stimmung gegen das Königshaus anzuheizen. Da kam eine ungeliebte ausländische Königin gerade recht.

      Lernen Sie Geschichte!

  • oui-oui

    rumtom, vor 485 Tagen, 6 Stunden, 12 Minuten

    la grand nation: fraternité, egalité, LIBERTÈ...c'est pas? :( (meine orthos seien mir verziehen).

  • die froschfresser sind ja die noch ärgeren faschisten als die deutschen.

    kyuss1975, vor 485 Tagen, 6 Stunden, 21 Minuten

    irgendwie wollen die "oberen" anscheinend das sich das volk erhebt und ihnen eins draufgint. lang wirds nimmer dauern

    • nicht die froschfresser

      onza, vor 485 Tagen, 6 Stunden, 7 Minuten

      sondern die konservativen. falls du lesen kannst gibt es in frankreich genug parteien die dagegen sind aber offenbar sind die wähler halt auch nicht gescheiter als bei uns und wählen mehrheitlich konservativ.

    • Dann halt die konservativen Froschfresser

      noxventa, vor 484 Tagen, 21 Stunden, 36 Minuten

  • @sonstnochwas

    dhalgren, vor 485 Tagen, 9 Stunden, 13 Minuten

    "Die französische Regierung versucht nun, "Three Strikes Out" in der ganzen EU salonfähig zu machen."
    Kommt dir das bekannt vor? ;-)

  • "v wie vendetta" bereits in 2 jahren?

    mben, vor 485 Tagen, 11 Stunden, 6 Minuten

    gogo ich will ein paar prognosen! nehm auch gern wetten an!

    • solala, vor 485 Tagen, 8 Stunden, 12 Minuten

      Ein paar Prognosen?

      Schwieig zu sagen, ich Tipp mal auf eine neue Biedermaierezeit, mit allem was dazu gehört...

      Ob das Ende dann so wie in den Geschichtsbühern heute steht auch diesmal zutrifft, schwer zu sagen, denke schon, weil irgendwann all die Überwachung, Antiterror und volksverhetzungsparagrpahen so wie die Kipo Kriminalsierung das Rad nicht mehr aufhalten kann...

      Allerdings, die Biedermeierzeit hatte auch was schönes, und das soll auch eine Chance sein, die es gilt Wahrzunehmen...

      (Bei einer 20% Fehlerquotto könnte aber der Wirtschaftliche Verlust gegen den mageren Gewinn der daraus Resultiert, schon davor dem einhalt bieten, wäre dann auch ein Lernprozeß gewesen!)

    • onza, vor 485 Tagen, 6 Stunden, 5 Minuten

      die zukunft kann aber auch open source und creative commons lauten.