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Turm des Wiener Rathauses

Wiener Linux-Studie soll geheim bleiben

OPEN SOURCE
17.04.2009|06:00

Die von der Stadt Wien in Auftrag gegebene Evaluierungsstudie über den Einsatz von Open Source in der Wiener Verwaltung, STOSS 2, wird nicht veröffentlicht. Sie sei ein "interner Arbeitsbehelf" für "folgenschwere Entscheidungen", und die enthaltenen Informationen dürften nicht an den Mitbewerb gelangen, so die offizielle Begründung. Inoffiziell ist die Studie bereits fertig.

Seit Jahren ist freie Software in der Wiener Stadtverwaltung im Einsatz, und mit Wienux wurde sogar eine eigene Lösung entwickelt, die in den Wiener Magistratsabteilungen bisher allerdings nicht flächendeckend zum Einsatz kommt. Denn bis dato fehlte eine klare politische Entscheidung für oder gegen den Einsatz von Linux. Die Nutzung von Wienux war den Magistratsbediensteten daher freigestellt.

Die Grundlage für eine Entscheidung, ob Linux beziehungsweise Wienux, das keine eigene Distribution ist, sondern ein Konzept, das derzeit auf einem modifizierten Ubuntu aufsetzt, nun breiter eingesetzt werden soll oder nicht, soll die Nachfolgestudie der ersten, im November 2004 veröffentlichten "Studie Open Source Software" (STOSS) über Kosten und Nutzen von Open-Source-Software in der Wiener Stadtverwaltung liefern.

Offiziell "im Fertigwerden"

Aus informierten Kreisen war zu erfahren, dass nur ein Bruchteil der vom Magistrat in Auftrag gegebenen Studien veröffentlicht wird, und es dazu notwendigerweise einen politischen Willen geben muss. Die erste Studie zum Thema Open Source ist auf der Website der MA 14 abrufbar.

Link:

STOSS 2 war zuletzt für den Herbst 2008 angekündigt und ist inoffiziell seit Ende letzten Jahres fertig. Offiziell hingegen hieß es am Donnerstag auf Nachfrage von ORF.at aus dem Büro des zuständigen Wiener Stadtrats Rudolf Schicker (SPÖ), dass die Studie "im Fertigwerden" sei und "Gut Ding eben Weile" brauche. Eine Veröffentlichung sei entgegen den allgemeinen Erwartungen allerdings nicht geplant, erklärte Schickers Mediensprecher Martin Schipany.

"Folgenschwere Entscheidungen"

"Die Studie ist ein interner Arbeitsbehelf", so Schipany, und es würden darin "wirklich heikle Punkte" angesprochen, unter anderem die Marktsituation, und diese Informationen sollten "nicht an den Mitbewerb kommen". Dabei geht es allerdings nicht um etwaigen Mitbewerb für die Stadt Wien, sondern um Software, so Schipany, ohne dabei konkreter zu werden.

"An der Studie hängen folgenschwere Entscheidungen", so Schickers Mediensprecher weiter. Diese Entscheidungen, aber eben nur die Entscheidungen, sollen nach offizieller Fertigstellung der Studie, nunmehr für Sommer 2009 angepeilt, veröffentlicht und entsprechend umgesetzt werden. Bei allen weiteren Fragen zu dem Thema verwies Schipany hartnäckig auf die in Aussicht gestellte Kommunikation über die Ergebnisse der Studie, ohne dafür einen genauen Zeitpunkt zu nennen.

Kritik von den Grünen

Für die grüne Wiener Gemeinderätin Marie Ringler ist die Entscheidung, die Studie nicht zu veröffentlichen, überraschend: "Ich finde das extrem problematisch. Wir reden über Open Source, und dann wird alles verheimlicht?" Bei der ersten Studie seien Transparenz und Offenheit noch ganz wichtig gewesen, betonte Ringler gegenüber ORF.at. Schicker habe in einer Antwort auf ihre Anfrage nach dem Verbleib der Studie vom 4. Juni 2008 geantwortet, dass diese veröffentlicht werden würde, so Ringler, die die Antwort auf ihrer Website publiziert hat.

Die Entscheidung gegen eine Veröffentlichung sei für sie "wahnsinnig ungeschickt". Sollten in der Studie wirklich sensible Informationen stehen, dann könne man diese doch auslassen, so ihr Argument. Es sei besser, eine ordentlich und sauber durchargumentierte Lösung zu finden: "Geheimnisse sind ein ganz schlechtes Mittel politischer Arbeit", so Ringler.

Wiens IT braucht Investitionen

Was auch immer in der Studie steht, Tatsache ist, dass das Rathaus demnächst in seine IT-Arbeitsplätze investieren muss. Schon im Juni letzten Jahres sagte der Leiter der für Wiens EDV zuständigen MA 14, Erwin Gillich, gegenüber ORF.at, dass bis zur Fertigstellung der Studie keinerlei Investitionen in die Rechner der Wiener Stadtverwaltung getätigt werden.

Die Migration auf Vista wurde übersprungen, die Windows-Rechner der Wiener Magistrate arbeiten unter XP, die Lizenzen dafür laufen 2011 aus. Auch wenn die Stadt Wien mit der Entscheidung gegen Vista sicher nicht alleine ist, muss laut informierten Kreisen demnächst eine Entscheidung fallen, um in die IT investieren zu können - dabei sei es fast egal, ob Windows 7 oder Ubuntu in Form von Wienux - Hauptsache ist, es falle überhaupt eine Entscheidung.

Zusammenhang mit Wiener Wahl?

Dass diese angesichts der 32.000 Rechner, für die etwa die MA 14 zuständig ist, nicht ganz einfach ist, ist zwar grundsätzlich verständlich. Sollte der Aufschub aber, wie bereits gemunkelt wird, mit der Wiener Wahl, die für 2010 angesetzt sind, zusammenhängen, könnte sie aber noch länger dauern als bis zum Sommer 2009.

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(futurezone/Nadja Igler)

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Forum

 
  • tomtiger,

    facts, vor 294 Tagen, 13 Stunden, 34 Minuten

    Selbstverständlich ist mir klar, dass es für Office Schulungen gibt. Hab ich ja schon gepostet, dass es da so 3-5 Schulungen pro Office-Anwendung gibt.

  • "mitbewerber" ????

    derm0nd, vor 298 Tagen, 3 Stunden, 45 Minuten

    gibt es dann inzwischen mehrere wiener stadtverwaltungen die miteinander im konkurrenzkampf stehen????? absurd. eine mit steuergeld finanzierte studie MUSS immer auch veroeffentlicht werden.

    lg mond.

    • @Mond

      unti, vor 298 Tagen, 1 Stunde, 31 Minuten

      Hej Mond :-),

      da geb ich dir völlig recht. Wahrscheinlich wird es dann so sein, dass ein Teil auf Linux umstellt, und der andere bleibt bei Windoof :-).

  • was?! soll geheim bleiben?!

    pythagoras, vor 298 Tagen, 5 Stunden, 45 Minuten

    *räusper* wikileaks *räusper*

  • dumpfschädel, vor 298 Tagen, 7 Stunden, 42 Minuten

    im dunkeln ist gut munkeln.

  • Geschenkesumpf

    ingfranzfranz, vor 298 Tagen, 8 Stunden, 28 Minuten

    Wenn nun rauskommt, dass Linux unproblematischer und mit geringerem Supportaufwand läuft als Windows, dann wird man schwer erklären können, warum trotzdem Windows 7 angeschafft wird. Wird nämlich auf Windows 7 verzichtet, gibts auch keine Geschenke aus Redmond für die Verantwortlichen der Entscheidung.
    Österreich = Korruptionsland!

    • @ingfranzfranz

      arkasi, vor 298 Tagen, 8 Stunden, 21 Minuten

      Ist dir schon der Gedanke gekommen, dass die Aussage der Studie das genaue Gegenteil ist und man lediglich nicht wieder von einem Flop berichten will?

    • zwischen den Zeilen gelesen

      onkelerich, vor 298 Tagen, 7 Stunden, 42 Minuten

      Die "eigenartigen" Schicker- Kommentare deuten eher darauf hin, daß sich Desktop- Linux für Wien nicht rechnet (eigentlich keine Überraschung), man sich aber trotzdem ein "Druckmittel" für die Ausverhandlung der Windows7 Lizenzen offenhalten will. Käme die Studie vorzeitig aus, wäre die Verhandlungsposition der Stadt wesentlich schwächer und würde die Stadt eine Menge kosten.

    • muriem, vor 298 Tagen, 6 Stunden, 45 Minuten

      zwischen den Zeilen, Wien verwanltung ist zu imkompetent.

    • An den Onkel und arkasi:

      tomtiger, vor 298 Tagen, 4 Stunden, 46 Minuten

      Schwachsinn! Alleine die Hardware und Lizenzkosten sind ausreichend, daß es sich locker rechnet!

      In einer Verwaltung gibt es eben keine "Software von der Stange", eine Standardlösung wie von SAP kostet kaum weniger, als eine Unix Eigenentwicklung.

      Von Eklats wie bei der Kärntener Landesregierung wollen wir gar nicht reden.

      Aber klar, Wien wäre der erste Einsatz, wo ein Unix teurer wäre als Windows. Das einzige was Geld kosten würde wäre der Verzicht auf die vielen Verwandschaftsposten irgendwelcher roter Bonzen, wo die Nichten und Neffen zu blöde für ein Unix sind.

    • @tomtiger

      onkelerich, vor 297 Tagen, 8 Stunden, 24 Minuten

      Es rechnet sich aber nicht. Das ambitionierte Projekt der Stadt München würde bis 2022 Break-Even erreichen, wenn alles glatt ginge. Geht es aber nicht, die Stadt München musste erst im Jänner Auffangprojekte für OpenOffice Migration auf Windows ausschreiben.

      Allein diese Projekte haben bis zu 41 Mo Laufzeit, und müssen ihre Größe (Kosten) wegen EU weit ausgeschrieben werden. (Siehe: http://www.muenchen.de/Rathaus/aktuelles/ausschreibungen/vgst3/270972/04.html)

    • An den Onkel:

      tomtiger, vor 297 Tagen, 3 Minuten

      Woher kommen Deine Informationen, wann die Investition sich in München amortisiert?

      Wobei es durchaus respektabel ist, im Jahr 2012 noch Windows NT und W2K Rechner zu haben.

      Insbesondere, wo für viele moderne Rechner keine Softwareunterstützung für W2k und NT mehr existiert.

      Wie gesagt ist mir unverständlich, wie Du auf diese Daten kommst, aber selbst wenn, gibst auch Du zu, daß man damit irgendwann Gewinn macht! Und teurer ist in erster Linie die Umstellung, hätte man gleich Unix genutzt, wäre alles viel, viel preiswerter gewesen!

      Also bleibt die Aussage, das Microsoft der EDV massiv geschadet hat?

  • facts, vor 298 Tagen, 9 Stunden, 20 Minuten

    elento, vor 1 Stunde, 24 Minuten

    Umgelernt hast in einer Woche. Ende der Diskussion.
    ----------------------------------------
    a) Sie haben noch nie mit Usern auf dieser Ebene zu tun gehabt.

    b) Diverseste Office-Anwendungen habens auch in einer Woche portiert? Sämtliche Excel, Word & Access Makros/Anwendungen portiert?
    _DAS_ schau ich mir an!

    • Aha,

      tomtiger, vor 298 Tagen, 9 Stunden, 6 Minuten

      da schreibt einer, der das Wort "umgelernt" nicht kennt.

      "Lernen" ist kein Synonym für Portieren!

    • tomtiger

      facts, vor 298 Tagen, 8 Stunden, 57 Minuten

      Umlernen allein hilft aber nicht! Das ist doch bitte nur ein Teil der Umstellung.
      Jeder der eine Umstellung von Windows auf Linux auf das Umlernen der Mitarbeiter reduziert (und dann noch meint, dass das in einer Woche erledigt wär) hat doch keine Ahnung.

      Alte Dokumente müssen portiert werden, bestehende Anwendungen/Makros etc. portiert werden.

      Und Zwecks "umlernen" ... da gibst in Firmen Schulungsmodelle wo es allein für *jedes* Office-Produkt ca. 3-6 (aufeinander aufbauende) Kurse gibt.

      ... aber das mach ma alles in einer Woche... eh klar!

    • facts, vor 298 Tagen, 8 Stunden, 51 Minuten

      Da reden wieder Leute mit, die in Office das Layout über zusätzliche manuelle Zeilenumbrüche, manuell gesetzte Tabulatoren & Leerzeichen, händisches Formatieren von Schriftgröße etc. erledigen und sich schon für Office-Experten halten. *sfg*

    • An facts:

      tomtiger, vor 298 Tagen, 8 Stunden, 34 Minuten

      Von Umstellen war aber nicht die Rede, oder? Ist eindeutig Dein Fehler.

      Und diese Kurse gibt es für MS Office genau so. Und die sind auch nötig!

      Auf eine Beschwerde per E-Mail an die MA 48 bekommt man eine leere Nachricht mit einer .doc Datei als Attachment, in der dann ca. 300kB für 2 Absätze stehen, die man als richtige E-Mail Nachricht hätte verschicken können.

      Eine Mitarbeiterschulung hat in der Verwaltung offenbar keiner gehabt, und sie wäre dringend nötig!

      Davon, daß die im DSG vorgeschriebene Protokollierung für Zugriffe auf personenbezogene Daten inexistent ist, wollen wir mal nicht reden.

      Du gehörst offenbar wie auch die Verantwortlichen in Wien zu denen, die das Märchen glauben, für Windows und MS Produkte benötigt man keine Schulung. ;)

      Ein in MS Office ordentlich geschulter Mitarbeiter braucht aber kaum noch eine eigene OO Schulung. Nur so nebenbei.

    • wheelie, vor 298 Tagen, 3 Stunden, 1 Minute

      @elento

      1 Woche, waha, das glaubst ja selber nicht!

  • na wirklich ne folgenschwere Entscheidung

    xderskalarvonperlx, vor 298 Tagen, 9 Stunden, 22 Minuten

    statt die teuren hardwarehungrigen MS-Server mit Aktivierung (wenn mas legal haben will) und ASP - BASIC für Vollkoffern anstatt kostenloser Linux-Server unter Apache mit Perl, MySQL und Typo3 / PHP. Echt folgenschwer die Entscheidung...

    • hannes32, vor 298 Tagen, 9 Stunden, 5 Minuten

      "ASP-Basic" - haben sie schon mal was von ASP.Net gehört?
      Sie haben keine Ahnung wie es scheint...

    • aber net weil er noch nix von asp.net gehoert hat

      pitr, vor 298 Tagen, 58 Minuten

      sondern weil er mysql, perl und php empfiehlt.

      schlechter kann man (technologisch und betriebswirtschaftlich gesehen) garnicht waehlen.

      java/python + postgres/oracle, da hoer ich hin. der rest ist nur geplapper von leuten die nicht ueber die webfrickel grenze hinausgekommen sind.

  • Ein wenig mehr Transparenz würde nicht schaden.

    isogjetzwos, vor 298 Tagen, 9 Stunden, 37 Minuten

    Ansonsten könnte es sein, dass die GenossInnen vom Lauf der Zeit überholt werden.

  • die stadt wien hat als dach vom

    oder, vor 298 Tagen, 9 Stunden, 42 Minuten

    städtebund einen kooperationsvertag mit Microsoft. Die werden blöd sein sich dieses Körberlgeld zu verbarrikadieren. Die Budgets für die Software sind großzügig dotiert - also kann Microsoft groß als Spender für die Paddei auftreten. Die software wird sowieso von den steurzahlern gezahlt. Hinter diesen Aktivitäten steckt der STädtebund. Dieser Haufen wird von allen Städten finanziert - auch von den schwarz regierten - und keiner merkt das. Das ist wie bei der Gewerkschaft. DAbei jammern die Städte alle dass sie kein Geld hätten. Für diesen Verein haben sie allemal genug. Obwohl sie nix zu melden haben zahlen sie brav den jahresbeitrag und die Wiener machen damti sowieso was sie wollen. Das ist die Transparenz von der die Genossen immer reden wenn sie von anderen gefordert wird.

    • so nebenbei:

      oder, vor 298 Tagen, 9 Stunden, 39 Minuten

      Microsoft sponsert die stadtebund-zeitung seit jahren mit jeweils einer ganzen seite 4c Inserat an teuerster Stelle. Warum wohl ?

  • als ich ...

    xofficec, vor 298 Tagen, 9 Stunden, 45 Minuten

    als ich in einer wiener magistratsabteilung zivildiener war, würden zwei monate nach der einführung von pcs sämtliche solitär games von den rechnern gelöscht, weil die damen des büros ununterbrochen gespielt haben.
    was glaubt ihr, mit was für leuten die stadt arbeiten muss?

    • onkelerich, vor 297 Tagen, 8 Stunden, 17 Minuten

      Kann ich (leider) bestätigen. Frl. Knackal live.

      Ungeachtet des wirklich großen Fortschritts, den die öffentliche Verwaltung im letzten Jahrzehnt gemacht hat, hinken die Gemeinden und Städte selbst da doch etwas sehr hinterher. Kein Unternehmen, das überleben muss, könnte sich diese Größenordnung an Reibungsverlust leisten.