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Werkzeugkiste

Das entstaubte Heimwerken

DO IT YOURSELF
10.05.2009|06:00

Basteln und Restaurieren waren gestern. Heute heißt es: Do it yourself (DIY). In Wien steigt derzeit die Veranstaltungsreihe "Fake it till you make it". Dort entstehen selbst gebastelte 3-D-Drucker, innovative Sessel-Applikationen und neuartige Skateboards. Viele Informationen und Anleitungen kommen dabei aus dem Netz.

Eigentlich sieht es ja gar nicht so kompliziert aus. Die Pins auf dem Arduino-Board sind auf dem Plan eingezeichnet. Aber irgendwie ist noch immer nicht ganz klar, wo jetzt C6 und C4 sind. Von C1 gar nicht zu sprechen.

Die drei jungen Studenten aus Deutschland sind sich nicht mehr so ganz sicher, wo sie nun ansetzen sollen. Neben ihnen liegen, auf einem Tisch verstreut, verschiedene Dinge, die früher einmal ein Scanner und ein Drucker waren. Daraus soll am Ende ein 3-D-Drucker entstehen. Wenn da nicht die C1-bis-C6-Problematik wäre. Doch Hilfe naht.

3-D-Drucker im Arduino-Workshop

Thomas Thurner leitet bei der Wiener Veranstaltungsreihe "Fake it till you make it" den Arduino-Workshop. "Um elektronische Schaltungen zu bauen, hat man früher einiges an Ausbildung gebraucht, die Dinge waren teuer und Informationen sehr schwer aufzutreiben", sagt Thurner. Heute sind die kleinen Boards bezahlbar und relativ leicht in den Griff zu kriegen. Das Pin-Problem ist mit seiner Hilfe schnell gelöst, der 3-D-Drucker harrt seiner Geburt.

Nebenan arbeiten andere Workshop-Teilnehmer an neuartigen Visualisierungskonzepten. Einen Raum weiter glühen die Bohrer und machen aus unscheinbaren Holzbrettern hübsche Skateboard-Bretter oder originelle Sitzmöglichkeiten.

In drei Workshops wird zwei Wochen lang gelötet, gehämmert und programmiert. Am Ende werden alle entstandenen Arbeiten ausgestellt. Was bleibt, sind aber nicht nur vollendete Installationen. Den Teilnehmern geht es in erster Linie darum, etwas zu lernen. "Was sie damit anfangen, bleibt ihnen selbst überlassen", erklärt Bernhard Tobola, einer der Organisatoren.

Do it yourself: Selber machen statt kaufen

In den letzten Jahren hat die Community rund ums Selberbasteln starken Zulauf erhalten. Dinge selbst herzustellen gilt wieder als schick, selbst Stricken ist eine vollwertig tolerierte Freizeitbeschäftigung. Und DIY ist nicht nur Reparieren. Die 2005 gegründete Online-Plattform etsy bietet den ambitionierten Handwerkern ein simples Geschäftsmodell: Fotos hochladen und die selbst gebauten Dinge bei etsy verkaufen. Die Website mit rund 100.000 Bastlern und Designern hat letztes Jahr einen Gesamtumsatz von 88 Millionen Dollar gemacht.

Wo gebastelt wird, da braucht es oft auch Anleitungen. Und die liefert die Community. Ein Beispiel dafür ist die Tätigkeit des US-Amerikaners Bre Pettis. Woche für Woche publiziert er auf seiner Website ein Video-Tutorial, in dem er erklärt, wie Dinge hergestellt werden. Das kann eine Anleitung zum Bau eines kleinen Luftkissenbootes oder auch nur ein paar Tipps zur Produktion von nerdigem Weihnachtsschmuck sein: "Mein ganzes Leben dreht sich um die Idee, Wissen darüber zu verbeiten, wie man bestimmte Dinge macht. Egal, worum es geht. Wenn ich etwas nicht kann, suche ich mir Menschen, die es können."

Qualitätspflicht fällt weg

Auch im Musikbereich ist Do it yourself sehr beliebt. Immer mehr Künstler umgehen die herkömmlichen Vertriebskanäle und bieten ihre Tracks einfach selbst an. Was sonst vielleicht im Mistkübel landen würde, bekommt auf MySpace mitunter ein paar tausend Hits.

Jonathan Mann, früher besser bekannt unter seinem Alter Ego Gamejew, schätzt am DIY-Gedanken vor allem, dass der Druck durch Qualitätspflicht wegfällt. "90 Prozent von dem, was wir tun, ist schlecht. Aber genau darum geht es bei DIY. Du musst nicht immer etwas Gutes machen. Du musst einfach nur etwas machen. Und je mehr du machst, desto größer ist die Chance, dass etwas Gutes dabei ist." Er muss es wissen. Schließlich schreibt er seit 1. Jänner pro Tag einen neuen Song.

"Kulturfähigkeit wird bleiben"

Am Sonntag in Ö1

Sie hören diesen Beitrag im Ö1-Netzkulturmagazin "matrix" am Sonntag um 22.30 Uhr in Radio Ö1.

Neu am Do it yourself ist aber nicht die Tätigkeit. Neu ist die internationale Vernetzung und das nie dagewesene positive und vor allem lässige Image. "Die Leute haben immer schon gebastelt. Jetzt heißt es halt trendig DIY", erklärt Thurner. Wenn DIY aber nur eine Modeerscheinung ist, droht dann nicht unaufhaltsam der Rückschritt in gesellschaftliche Randzonen? "Die Kulturfähigkeit wird immer bleiben. Auch die Tatsache, dass Leute Dinger selber in die Hand nehmen und sich bewusst sind, dass sie Technik auch selber gestalten können. Das verschwindet sicher nicht mit dem nächsten Modetrend", so Thurner.

(matrix/Roland Gratzer)

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Forum

 
  • (Digital) Biedermeier 2.0

    vergesstwahlenkauftaktien, vor 274 Tagen, 12 Stunden, 14 Minuten

    Statt Hausmusik (die ist ja "Rechte"-verseucht) Heimwerken.
    Bis dann eben das "geistige Eigentum" Musterschutz, Patent et al gerichtlich strapaziert wird und die Bastler zur Abwechslung terrorisiert werden.

    Sohin sollten Publikationen uU mit Vorsicht geschehen, o tempora o mores!

    • Für Dich selbst,

      tomtiger, vor 273 Tagen, 11 Stunden, 37 Minuten

      kannst Du jedes Patent nutzen. Kostenlos. Problematisch wird es, wenn Du es für andere tust.

  • Das sehe ich komplett anders.

    tomtiger, vor 274 Tagen, 20 Stunden, 19 Minuten

    DIY ist - z.B. im Hifi Bereich - alles andere als schlecht. Hier kann ich relativ einfach z.B. Verstärker bauen, für die ich - wenn ich sie kaufen will - 10.000,-- Euro und mehr bezahle, udn das für sagen wir 900,-- Euro.

    Wer einigermaßen Kostenrechnen kann, dem ist klar, daß wenn ich als Firma das selbe Produkt, das ich als DIY Projekt für 900 Euro baue, verkaufen will, bei einem angenommenen Gehalt von nur 1.000 Euro im Monat, und 50 verkauften Stück im Jahr, pro Stück um die 7.000,-- Euro verlangen muß. Mindestens. Mit ein paar Rücklagen sind es rasch 10.000,-- Euro.

    Das bedeutet, ein wenig Geschick vorausgesetzt, bekomme ich für 900 Euro DIY exakt das selbe, wofür ich gekauft 10.000,-- hinblättern müßte.

    Das ist nun natürlich nicht auf jeden Bereich übertragbar, aber eine Aussage "90% von dem was wir tun ist schlecht" ist genauso bestenfalls auf Badewannensänger anzuwänden.

    • caveb, vor 274 Tagen, 13 Stunden, 27 Minuten

      udn wenn du schon mal einen Verstärker gebaut hast der etwas mehr leistung hatte.

      oder einen schwächeren verstärker der dafür bessere Werte zusammenbringt.

      dann wüsstest du das du aus dem Nichts keinen Guten Verstärker bauen kannst.

      Dann musst du den Verstärker noch EMV prüfen lassen. und und und...

      Im Endeffekt kommt dann ein klobiges Gebilde das man nur unter laborbedingungen auf einer geerdeten Metallplatte 15 Minuten verwenden kann weil ab der 16ten ein Satz Transistoren abraucht

    • caveb, vor 274 Tagen, 13 Stunden, 26 Minuten

      vom Brumm den du nicht wegbekommst. und das Rauschen und die Verzerrungen die je nach Bauteil abhängig sind... etc etc

    • An caveb:

      tomtiger, vor 274 Tagen, 12 Stunden, 23 Minuten

      abgesehen davon, daß ich Verstärker mit Röhre baue, mehr als 80W OTL brauche ich nicht. Da gibt es keinen Brumm, kein Rauschen, THD ist - röhrenbedingt - da, aber hervorragend, im Vergleich zu kommerziellen Produkten.

  • ja...das gute alte Werken

    heavyweather, vor 275 Tagen, 1 Stunde, 44 Minuten

    http://www.schule.at/gegenstand/wet/index.php