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Schere schneidet Internet-Kabel durch

"Bei Netzsperren ist kein Kompromiss möglich"

KONTROLLE
19.06.2009|15:39

Der deutsche Bundestag hat unter dem Label des Kampfs gegen Kinderpornografie ein Gesetz verabschiedet, mit dem in der Bundesrepublik erstmals eine zentrale Infrastruktur zur Blockierung von Internet-Adressen eingerichtet wird. Alvar Freude vom Arbeitskreis Zensur erläutert im Gespräch mit ORF.at, warum er das Gesetz für gefährlich hält, und kündigt an, dass die deutschen Netzbürgerrechtler dagegen vors Bundesverfassungsgericht ziehen werden.

Am Donnerstag hat der deutsche Bundestag das von Familienministein Ursula von der Leyen (CDU) initiierte Zugangserschwerungsgesetz verabschiedet. Mit diesem Gesetz will die deutsche Regierung mittels einer geheimen Sperrliste, die vom Bundeskriminalamt (BKA) verwaltet wird, den Zugang zu Kinderporno-Dateien im Internet erschweren.

Kritiker und Expertengremien wie der Wissenschaftliche Dienst des deutschen Bundestags halten die Einführung der Sperrliste für nutzlos, da diese technisch sehr leicht umgangen werden kann. Umso konkreter sind dagegen die Vermutungen der Bürgerrechtler und der Opposition im Bundestag, dass die Regierung unter dem Deckmantel der Kinderporno-Bekämpfung eine Zensur-Infrastruktur aufbauen möchte, die nicht nur auf Kinderpornos beschränkt sein wird. Das ist in der Debatte zum Gesetz von den Unterhändlen aus CDU und SPD stark bestritten worden. Kurz nach Verabschiedung des Gesetzes hat sich aber der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Strobl bereits mit der Forderung nach Netzsperren gegen Computerspiele mit Gewaltinhalten zu Wort gemeldet.

Zur Person:

Alvar Freude ist Kommunikationsdesigner, Programmierer und Berater. 2001 schrieb er gemeinsam mit Dragan Espenschied die Diplomarbeit "insert_coin", die sich mit dem Thema Internet-Filter und Manipulation befasste. Das Projekt wurde 2001 mit dem internationalen Medienkunstpreis des Zentrums für Kunst und Medientechnologie sowie des Südwestrundfunks ausgezeichnet. Freude engagiert sich im Arbeitskreis Zensur und ist Mitglied im Vorstand des Fördervereins Informationstechnik und Gesellschaft (FITUG).

Löschen statt sperren

Statt der Sperren, so die Kritiker, die sich unter anderem im Arbeitskreis Zensur (AK Zensur) zusammengefunden haben, solle die Polizei lieber alles unternehmen, um Kinderpornos aus dem Netz zu löschen. Damit sind die Kritiker strenger als die Regierung selbst, die es im Zugangserschwerungsgesetz allein dem Ermessen des Bundeskriminalamts anheimstellt, ob es aktiv gegen Kinderporno-Inhalte vorgehen oder diese lediglich auf die Sperrliste setzen will.

Freude, der sich seit 2001 intensiv mit dem Thema Zensur im Netz beschäftigt, hat seit November 2008 Daten und Fakten zum Thema Kinderporno-Sperren zusammengetragen und sich als Mitglied des AK Zensur gegen die zentrale Sperrliste engagiert. ORF.at sprach mit ihm über das weitere Vorgehen der Netzsperrengegner.

ORF.at: Herr Freude, wie will der AK Zensur auf die Verabschiedung des Zugangserschwerungsgesetzes reagieren?

Alvar Freude: Wir werden sicher gegen das Gesetz vors Bundesverfassungsgericht ziehen. Wie wir genau vorgehen werden, kann ich noch nicht sagen. Es besteht auch die Möglichkeit, eine Massenklage zu organisieren, ähnlich wie jene gegen die Vorratsdatenspeicherung.

ORF.at: Die Petition gegen das Sperrgesetz hat eine große Zahl von Bürgern für das Thema interessiert. Wie wollen Sie die Aufmerksamkeit der Leute halten?

Freude: Die Petition war - wie die Arbeit des AK Zensur - nur ein kleiner Teil der Protestbewegung gegen Zensur im Internet. Es ist eine Graswurzelbewegung, die nicht zentral koordiniert ist. Viele Bürger nutzen viele verschiedene Dienste im Internet, um sich gegen die Netzsperren zu äußern. Das ist auch notwendig. Zwei Stunden nach Verabschiedung des Gesetzes kam aus der CDU bereits die Forderung, die Netzsperren auszuweiten und gegen Gewaltspiele einzusetzen. Da bleibt noch viel für uns zu tun.

Das Familienministerium ist taktisch sehr schlau vorgegangen. Es war schwer, die Leute wachzurütteln und sie dazu zu bringen, nicht ihren Emotionen zu folgen, sondern genauer hinzuschauen und festzustellen, was hinter den Forderungen steckt.

ORF.at: Sie beschäftigen sich seit 2001 intensiv mit dem Thema Internet-Filter und haben auch im Vorfeld der Bundestagsentscheidung Kontakt mit den Parteien gesucht.

Freude: Die CDU/CSU war schlicht nicht gesprächsbereit. Ich habe schon am 20. November 2008 Kontakt mit dem Familienministerium aufgenommen, von dort aber keinerlei Reaktion erhalten. Das Ministerium hat uns dann für gestern Abend zu einem Gespräch eingeladen, das nach der Verabschiedung des Gesetzes hätte stattfinden sollen, also erst dann, wenn es schon zu spät ist. Das war lächerlich.

Seitens der SPD war es etwas anders, man war zu Gesprächen bereit, aber es war spürbar, dass die Partei große Angst vor der "Bild"-Zeitung hatte - der Ehemann der CDU-Verhandlungsführerin Martina Krogmann ist Alfred Draxler, stellvertretender Chefredakteur von "Bild". "Bild" hat Ende letzter Woche dann auch unschöne Sachen über SPD-Abgeordnete mit abweichender Meinung geschrieben. "Bild" erweckte den Eindruck, dass der "linksextreme Flügel" nicht gegen Kinderpornografie vorgehen wolle. Dieser Eindruck ist falsch. Alle wollen dagegen vorgehen.

Wir wollen nicht auf diesem Niveau arbeiten, mit einer Eskalation des Konflikts ist niemandem geholfen. Wir arbeiten im normalen politischen Prozess, der darauf ausgerichtet ist, einen Konsens zu finden. Das aber war für uns ein Problem, denn die Gesprächspartner haben nicht verstanden, dass in der Frage der Installation einer Zensurinfrastruktur kein Kompromiss möglich ist. Dazu gibt es nur ein Ja oder ein Nein.

ORF.at: Sind die klassischen Parteien nicht dazu in der Lage, die Interessen der Internet-Nutzer zu vertreten? Braucht es dazu eine Piratenpartei?

Freude: Das wird die Zeit zeigen. Es gibt in allen Parteien in Deutschland Strömungen, die sich für unsere Arbeit interessieren. Ich persönlich finde das Programm der deutschen Piratenpartei derzeit noch zu eng, sie ist zu stark auf die Urheberrechtsproblematik konzentriert und vertritt dort eine extreme Position. Ich würde ihr raten, sich thematisch breiter aufzustellen.

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(futurezone/Günter Hack)

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Forum

 
  • @piratenpartei.at

    wolfsgrau, vor 272 Tagen, 22 Stunden, 54 Minuten

    Und die deutschen haben sich gerade einen Ex-SPD-POLITIKER Jörg Tauss in ihre Reihen geholt, der seit März wegen Kinder"pornografie" unter Verdacht steht, alles schon zugegeben hat im Besitz von Kinderschändermaterial zu sein und auf seinen Prozess wartet!
    Und dieser meinte dann zu seiner Begründung:
    "Er habe die SPD verlassen, da sie diese Sperre gegen Kinderschänderseiten mit durchgesetzt hat und er dagegen war!"

    Was sagt ihnen allen das?
    www.schutzfuerkinder.blogspot.com

  • Zensurulla schützt die Pedos

    pc104, vor 273 Tagen, 19 Stunden, 39 Minuten

    Weil was kommt dabei raus? Dass sie sich das Zeug nicht mehr holen? Kaum. Der Sextrieb ist wohl der stärkste Trieb des Menschen.

    Die DNS-Restriktion ist in Sekunden zu umgehen. Auf YouTube gibt's die Anleitungen für alle, die's selbst nicht auf die Reihe kriegen. Also, gar kein Effekt.

    Zumindest kein Positiver. Weil bisher war's zumindest so, dass man beim Ausheben so eines Pornoservers zumindest derer habhaft werden konnte, die "blöd" genug waren ihre eigene IP Adresse zu verwenden. Jetzt müssen die deutschen Pedos durch den Proxy.

    Das einzige was also dabei rauskommt ist, dass mehr Pedos durch die Lappen gehen wenn endlich mal wieder so ein Server ausgehoben wird.

    Sehr geehrte Frau von der Leyen: Wenn Ihre Intention war, die Pädophilen Deutschlands zu schützen, dann haben sie damit wahrscheinlich vollsten Erfolg rezielt. Herzlichen Glückwunsch.

  • Zensi, Zensa - Zensursula, Laa lala Laa Laa la la...

    schumbitrus, vor 275 Tagen, 4 Stunden, 3 Minuten

    ...Laa …

    Zugegeben: Keine Antwort auf der intellektuellen Ebene. Aber man kann auf den bevorstehenden Demos und Wahlkampf-Veranstaltungen eben keine intellektuellen Lieder trällern, sondern eher Gassenhauer grölen :)

    http://www.robvegas.de/2009/06/19/zensi-zensa-zensursula/

    Grüße,
    Yussuf

  • Hier fehlt es den meisten an Informationen.

    darky, vor 275 Tagen, 9 Stunden, 16 Minuten

    Hier muss auch in Österreich noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden um das selbe Szenario zu verhindern.

    Es werden im weiteren Verlauf immer mehr (höchstwarscheinlich erfolgreiche) Versuche gestartet werden um die Zensur auch in anderen Bereichen zu "nutzen". Wobei das Wort "nutzen" hier bewusst gewählt ist. Die Internetsperre ist ein reiner Machtapparat welcher dem Staat die Kontrolle der Bürger ermöglicht/erleichtert.

    Wir müssen jetzt schon anfangen dagegen zu steuern.

    www.piratenpartei.at
    - Freies Wissen! Freie Kultur! Freie Menschen!

    • Machtapparat?

      c1x111, vor 274 Tagen, 22 Stunden, 19 Minuten

      Also, mir ist es viel lieber, die kommen mit solchen Spielzeuglösungen wie DNS-Abfragen daher, die jeder Volksschüler umgehen kann, als sie werden durch Proteste wachgerüttelt und führen eine Zensurmethode ein, die nur mit erheblichem technischen Aufwand vermieden werden kann...

      Die "Sperrliste" ist ja nicht mehr als das Nazi-Verbot vor 65 Jahren, Auslandsradiosender zu hören. Da wird sich sicher jeder dran halten. Ja, ja, ...

  • Die haben nur die Hose voll vor dem Inet...

    mindmachine, vor 275 Tagen, 14 Stunden, 2 Minuten

    da kann Otto-Normalverbraucher seiner Frust kundtun und viele bekommen es mit die der gleichen Meinung sind. Alles muss kontrolliert werden! Typisch Mensch! Was man nicht versteht muss kontrolliert werden. Nur weil ein paar Doofköpfe zu blöd sind für das Internet müssen Gesetze her... die Contentmafia macht deshalb nicht mehr Umsatz sondern verklagt Kinder und gestorbene Menschen auf das Existenzminimum?! *lol* Hirnlos! Steht einfach für den Geist der Zeit. Hirnlos!

  • Wäre ich Pädosexuell

    ldir, vor 275 Tagen, 14 Stunden, 47 Minuten

    wäre ich auch für Netzsperren. Wieso? Ich kann sie umgehen, die KiPo Seiten bleiben länger online so dass man da viel "Material" sehen kann, und es wäre vor sicherer da "Normalos" es weniger oft melden würden wenn wir auf diese Seiten stoßen. Also nur Vorteile! Manchmal frage ich mich ob in der deutschen Regierung nicht mehr als die üblichen 10% Pädosexuellen sitzen...

  • es war keine frage des ob sondern nur des wann

    getstoopid, vor 275 Tagen, 16 Stunden, 44 Minuten

    ...allerdings dass es so schnell geht bis jemand von einer ausweitung spricht hätt ich net erwartet

  • eventar, vor 275 Tagen, 18 Stunden, 14 Minuten

    Es war so klar das, dass gesetz durchkommt. Wie uch die diskusion in Österreich kommt nichts gescheites raus dabei. Da fand ich den Vorschlag von der KPÖ und den Grünen schon recht gut, eine eigene Einheit zur vefolgung solcher straftäter einzustellen, als mit sinnlosen netzsperren vorzugehen.

    auch wird im Artikel erwähnt das es viel sinnvoller ist die inhalte zu löschen als zu blockieren, was ich für sehr sinnvoll halte, weil auch wenn es kein deutscher mehr anschauen kann, franzosen, engländer, österreicher, spanier usw. es bleibt sozusagen ein makrt offen für diese website. Gelöschte websites können hingegen keinen internationalen markt ansprechen.

    Zum thema netzsperren gewaltspiele... puh... da haben unsere lieben nachbaren viel arbeit vor sich, da ja schon fast jedes spiel dort als gewaltspiel deklariert wird. (bald kommt sicher die meldung, man kann bei online schnapsen einen "stich" machen bzw "stechen", ist ja viel zu nah dran an erstechen ^^)

  • zug ist abgefahren

    iniquity, vor 275 Tagen, 18 Stunden, 18 Minuten

    nachdem das internet in den letzten 10 jahren dermaßen populär wurde (wieviele leuten waren denn schon vor 2000 im netz?) wollen natürlich die mächtigen im staate die kontrolle haben!

    das heißt, vor allem die konzerne was die kohle angeht (zB filesharing) und die staatlichen behörden was gegen die gesetze verstößt (zB neonazis)

    ich glaub net, dass organisierte netzbürgerrechtler dagegen was bewirken können: da können sie nochsoviele petitionen und stimmen sammeln, die masse an wähler checkt doch gar nicht, was abgeht!
    zudem geht ja gerade bei den internet-regulierungen alles von brüssel aus, wo ja die bürger praktisch keinerlei möglichkeit zum mitreden haben und einfach alles die regierungschef mit sich untereinander ausmachen!

    derweilen kann man sich noch mit einem VPN aushelfen, wenn einem eine höhere stufe punkto anonymität im netz das zusätzliche geld wert ist...

    abgesehen davon, diese uschi agiert wirklich wie eine hausfrau, die gerade das internet entdeckt hat und ihre kinder vor allem schützen möchte -.-