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Gewinnerinnen eines iranischen Frauenteams beim RoboCup 2009

"Warum müssen Frauen immer besser sein?"

GENDER
12.07.2009|14:03

RoboCup-Präsidentin Manuela Veloso ist eine der wenigen Frauen, die es in der männerdominierten Robotik an die Spitze geschafft haben. Als Professorin an der Carnegie-Mellon-Universität kämpft sie auch gegen den niedrigen Frauenanteil in der Technik. "Frauen müssen sich mehr beweisen, Männern wird mehr nachgesehen", ist sie überzeugt.

Beim RoboCup in Graz Anfang Juli waren in den Hallen der Grazer Messe unter den rund 2.300 Teilnehmern der Roboterweltmeisterschaft nur sehr wenige Frauen zu sehen - ein grundsätzlich wenig überraschendes Bild in technischen Bereichen. Dennoch drängt sich immer wieder die Frage auf, was eigentlich der Grund dafür ist, dass Frauen in der Technik derart unterrepräsentiert sind.

RoboCup-Präsidentin Manuela Veloso

Mehr zur Person:

Manuela Veloso, geboren in Portugal, machte ihren Magister in Computerwissenschaften an der Universität von Boston und ihren Doktor an der Carnegie-Mellon-Universität. Seit 1986 forscht und lehrt sie dort, seit 2002 als Professorin. Seit 2008 ist sie Präsidentin des RoboCups.

Links:

ORF.at sprach mit Manuela Veloso, seit 2008 Präsidentin der RoboCup Federation und Professorin für Computerwissenschaften an der renommierten Carnegie-Mellon-Universität in den USA, über Frauen und Technik.

ORF.at: Wenn man sich die RoboCup-Teilnehmer ansieht, fällt auf, dass gerade in den europäischen Teams und US-Teams sehr wenige Frauen sind. Bei den Teams aus dem Iran gibt es im Vergleich dazu deutlich mehr Frauen. Warum?

Manuela Veloso: Es stimmt, es ist schwierig, Frauen in die Wissenschaft und die Robotik im Speziellen zu bekommen. 2004 hatte ich in meinem US-Team vier Frauen, heuer ist das erste Mal keine dabei. Es gibt sie schon, die Frauen in der Technik, aber wir brauchen mehr Frauen in technischen Ausbildungen. In Europa ist es ein bisschen schwieriger, warum, kann ich nicht sagen.

An meiner Universität haben wir ein eigenes Programm, das versucht, Frauen für die Technik zu begeistern und sie auch dabei zu halten. Wir versuchen unser Bestes, und 30 Prozent der Undergraduates sind Frauen, aber sobald es in Richtung Doktoranden geht, sinkt der Anteil auf 15 Prozent. Bei den Professoren sind dann nur noch zehn Prozent Frauen. Ich glaube und hoffe, dass ich als Präsidentin und auch die weiblichen Teammitglieder beim RoboCup hier Vorbilder sein können. Das ist das Beste, was ich tun kann.

ORF.at: War und ist es für Sie als Frau in der Robotik schwieriger?

Veloso: Ich glaube, meine Persönlichkeit ist stark genug, ich selber mache zwischen Frauen und Männern keinen Unterschied. Ich konnte immer hervorragende Studenten gewinnen, und sie arbeiteten auch gerne mit mir. Ich glaube nicht, dass sie mich als Frau sehen, weil wir meistens auf einem professionellen Level interagieren. Aber manchmal ist es schwierig, vor allem wenn man als Frau bestimmend auftritt, seine Ideen durchzubringen. Wenn sie schreien, werden sie als emotional bezeichnet. Ich muss meine Ideen oft zehnmal vorbringen und darum kämpfen, dass sie beachtet werden, bis den anderen auffällt, das ist eine gute Idee und sie umgesetzt wird. Es ist also nicht so einfach, Dinge anzubringen.

ORF.at: Hat das mir Ihrer Persönlichkeit zu tun, oder damit, dass Sie eine Frau sind? Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Veloso: Man kann die Dinge nicht immer trennen, es gibt nicht viele Männer mit meiner Persönlichkeit. Wahrscheinlich spielt beides mit. Ich bin auch reifer geworden, kann meine eigenen Limits besser akzeptieren. Wir alle wachsen, mit 26 war ich viel kritischer.

Für mich persönlich ist immer das Ergebnis am wichtigsten. Wenn etwas nicht funktioniert, will ich keine Entschuldigungen hören, sondern helfe meinen Studenten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Aufgaben in kleine Schritte zu zerlegen. Wenn der Weg zur Lösung zu lange dauert, schlage ich eine Neudefinition des Problems vor, um möglichst schnell zum Erfolg zu kommen. Ich bin sehr diszipliniert, wenn es darum geht, etwas zu erreichen. Ich bin hart, und die Studenten fühlen den Druck auch, aber ich gebe ihnen auch die Anerkennung, wenn sie es schaffen. Ich mag es einfach, wenn Dinge funktionieren, und ich mag den Wettbewerb. Und das bestimmt zum großen Teil meine Interaktionen mit anderen Menschen – ich mag den Erfolg.

ORF.at: Was halten Sie von der Quotenregelung, also der 50:50-Aufteilung zwischen Männern und Frauen bei Besetzungen?

Veloso: Ich bin dafür. Selbst wenn die Qualifikation einer Frau zum Zeitpunkt ihrer Wahl niedriger sein sollte – sie kann es aufholen. Wir sollten uns nicht darauf konzentrieren, wie Frauen oder Männer im Moment abschneiden, sondern ihr Potenzial in der Zukunft bewerten.

Bei mir haben bisher 17 Studenten ihren Doktor gemacht, und 50 Prozent davon waren Frauen. Und alle hatten in dem einen oder anderen Bereich etwas aufzuholen. Bei Frauen werden fehlende Fähigkeiten nur weniger akzeptiert. Ich sage immer: Es ist in Ordnung, wenn eine Frau etwas nicht richtig macht, denn warum müssen Frauen immer besser sein und alles richtig machen? Männer tun das doch auch nicht.

Ich habe Studenten, die nicht ausreichend Mathematik können, denen analytische Fähigkeiten fehlen oder die nicht im Team arbeiten können. Alle haben Defizite, und wir als Lehrende sind dazu angehalten, den Studenten dabei zu helfen, ihre Fähigkeiten auszubauen und besser zu werden. Auch ich entwickle mich laufend weiter und ich kann sicher immer noch das eine oder andere nicht so gut wie meine Kollegen, aber dafür kann ich andere Dinge besser. Wir müssen alle irgendetwas aufholen.

ORF.at: Mädchen spielen üblicherweise mit Puppen, Buben mit Autos. Über den Grund wird viel diskutiert, unter anderem, dass es in der Gesellschaft so vorgelebt und in der Schule auch gelehrt wird. Vielleicht sind Frauen einfach deswegen nicht so gut in Mathematik, weil es ihnen in der Schule nicht ausreichend beigebracht wird?

Veloso: Ich würde gerne einmal ein Laborexperiment mit je 50 Prozent Frauen und Männern starten, bei dem alle eine Chance erhalten, egal ob sie jetzt in einem bestimmten Fach besser oder schlechter sind. Am Ende werden sie sehen, dass einige es zwar nicht geschafft haben, aber das Verhältnis zwischen den Frauen und Männern, die es geschafft haben, wird gleich sein. Die Männer scheitern, die Frauen scheitern – na und? Ich glaube nicht, dass mehr Frauen grundsätzlich mehr scheitern. Meistens haben wir in der Technik am Anfang 90 Prozent Männer und zehn Prozent Frauen, und in Summe scheitern viel mehr Männer als Frauen.

ORF.at: Gibt es Ihrer Erfahrung nach bei der technischen Begabung einen Unterschied zwischen Männern und Frauen?

Veloso: Ich glaube nicht. Ich habe erst vor kurzem mit einem meiner Studenten gesprochen, der die Theoriekurse gehasst hat – und trotzdem ist er in der Robotik hervorragend. Wenn eine Frau sagt, sie hasst die Theorie, heißt es gleich: "Ja, natürlich, eine Frau." Er aber darf das und kann sich sogar darüber lustig machen. Frauen sollten die gleichen Freiheiten haben. Es gibt genügend Männer, die die Theorie nicht mögen. Das ist das Problem. Wenn ein Mann Mathematik nicht mag, wird ihm das nachgesehen und gesagt, er kann dafür etwas anderes.

ORF.at: Was würden Sie einer Frau oder einem Mädchen, das sich für einen technischen Beruf interessiert, raten?

Veloso: Sie sollten sich nicht davon abbringen lassen, ihre Visionen umzusetzen, egal wobei. Sie sollten sich Ziele setzen, hohe Ziele, egal wo sie aktuell stehen. Ich habe männliche Doktoranden, die ihr Grundstudium in Geschichte absolviert haben - doch sie hatten ein Ziel, eine Vision und haben dafür gelernt. Die Gesellschaft erlaubt es den Männern, solche Visionen und Ziele zu haben und gesteht ihnen auch die Umsetzung zu. Frauen wird erklärt: "Das kannst du nicht." Warum? Natürlich können sie das.

Mein Rat ist, dass Frauen sich nicht von ihrem Umfeld sagen lassen, dass sie ihre Ziele nicht erreichen können. Man muss Menschen erlauben, ihre Leidenschaften auszuleben. Unterstützt sie. Wenn ein Student zu mir kommt und sagt, er will Robotik machen, hat aber nicht die notwendige mathematische Ausbildung, sag ich: In Ordnung. Das lernst du. Wir lernen, bis wir sterben. Wenn eine Frau hübsch gekleidet ist, wird sie sofort nach den gängigen Stereotypen klassifiziert und es heißt: Die kann das nicht. Dieses "Sie kann das nicht" bringt uns nicht weiter.

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(futurezone/Nadja Igler)

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Forum

 
  • Unterstützt bitte den Verein

    mcpa, vor 210 Tagen, 12 Stunden, 19 Minuten

    "Mumus für alle!"

    PS: Ich schätze Frauen im Berufsleben - als Mann. Als Frau in einem größeren Frauenteam bist du am Arsch; Intrigen noch und noch.

  • Männern wird mehr nachgesehen????

    ilovebeer, vor 211 Tagen, 11 Stunden, 58 Minuten

    Ja das deckt sich aber nicht ganz mit den Ergebnissen der Aufnahmetestes der Wiener Medizin Uni... Die Testergbenisse der Frauen sind im Verhältnis zu ihrem Matura Zeugnis viel schlechter als das der Männer = Frauen bekommen in der Schule viel mehr Noten geschenkt...

  • zlozale, vor 211 Tagen, 15 Stunden, 47 Minuten

    und ich tumber laie dachte immer, robotik wird mit köpfchen gemacht, und nicht mit geschlechtsorganen - warum also diskutiert man über die geschlechtsorgane derer, auf deren köpfchen es ankommt?

  • "Warum müssen Frauen immer besser sein?"

    sunwalker2006, vor 211 Tagen, 23 Stunden, 7 Minuten

    Müssen sie ja nicht.

  • max7c, vor 212 Tagen, 3 Stunden, 14 Minuten

    Brauchen wir den unbedingt mehr Frauen in der Technik?

    • solala, vor 212 Tagen, 2 Stunden, 9 Minuten

      Wenn ich mir meine Ferialarbeiter ansehe, dann macht's schon ein Unterschied...

      Net nur das die männlichen mehr Fehlstunden haben, das würde ich ja noch nachsehen, nur das Geschick das die Manderl haben, denen man es zehn mal erklären muß und nicht begreifen, und den weiberln wo es genügt einmal zu erklären, spricht schon sehr dafür, das Weiberl in der Technik net so schlecht sind.

      Von den Ausfallschäden her spricht auch alles für weiberl und gegen manderl so nebenbei, 1:7 ist das verhältnis da.

      Manderl udn weibrl bekommen für die arbeit das gleiche, an der bezahlung liegts also nicht.

    • lantis, vor 211 Tagen, 23 Stunden, 56 Minuten

      Wir haben genug weibliche Kollegen, denen wir schon 100mal alles erklärt haben, sie aber es immer noch falsch machen. Kannst du mir bitte sagen, wo man Frauen findet, die sich bei Techiksachen nicht extra blöd anstellen? Das mein ich ernsthaft. Wir hatten offenbar bis jetzt kein Glück.

  • :-)

    klausi025, vor 212 Tagen, 4 Stunden, 24 Minuten

    "Ich bin dafür (50:50 Quote). Selbst wenn die Qualifikation einer Frau zum Zeitpunkt ihrer Wahl niedriger sein sollte – sie kann es aufholen."
    Das sagt ja alles! :-)

    • :-)

      klausi025, vor 212 Tagen, 4 Stunden, 21 Minuten

      Frauen wollen nicht die gleichen Rechte! *ggg* Denn nie hatte ein Mann das Recht, einen Job zu bekommen, weil er vielleicht einmal dafür geeignet sein könnte!
      Frauen wollen sich einfach die Vorteile nehmen, die die Männer sich früher hatten, aber verlangen gleichzeitig, dass die Nachteile mit mehr oder weniger viel Aufwand zu ihren Gunsten beseitigt werden.

  • in zeiten von genderwahnsinn

    hundefaenger, vor 212 Tagen, 4 Stunden, 25 Minuten

    kann man sich als frau eh locker im staatsdienst (in norwegen schon in allen größeren buden) reindrücken lassen

    qualifikationsprofil: als gender-feigenblatt verwendbar zu sein

    • "quotenregelungen gegen die gläserne decke"

      hundefaenger, vor 212 Tagen, 4 Stunden, 24 Minuten

      *kicher*
      völliger unfug
      solange es keinen frauen-cv gibt und keien frauen-logen wirds auch keine ober-drüber-posten für frauen geben

      aber man kann sich über quotenregelungen bis zu einem gewissen level "raufarbeiten" :)))

      /ironie ausschalt

  • powerman2456, vor 212 Tagen, 6 Stunden, 6 Minuten

    na da widerspricht sich eine frau innerhalb weniger sätze

    "Frauen müssen sich mehr beweisen, Männern wird mehr nachgesehen", ist sie überzeugt."

    "Ich glaube, meine Persönlichkeit ist stark genug, ich selber mache zwischen Frauen und Männern keinen Unterschied."

    nein sie macht keinen überhaupt keinen unterschied zwischen männern und frauen

    genau das gegenteil ist der fall, frauen müssen viel weniger leisten um in spitzenpositionen zu gelangen

    in der schule bekommen sie bei gleichen leistungen bessere noten als buben, da ist klar, dass man sich schwer tut, wenn man bis zum 25 lebensjahr alles geschenkt bekommen hat

    mir kommt das so vor wie wenn der dieb schreit haltet den dieb, und ja nicht aufs jammern vergessen liebe frauen

  • :-)

    klausi025, vor 212 Tagen, 6 Stunden, 11 Minuten

    Wenn Frauen auch nur einen Bruchteil der Energie, die sie verwenden, um über all die Ungerechtigkeiten zu jammern, in konstruktive Dinge steckten, würden sie die Männer natürlich bei weitem überflügeln. Aber wie man sehen kann, besteht da keinerlei Gefahr! *ggg*

  • limdul, vor 212 Tagen, 6 Stunden, 55 Minuten

    Wozu "brauchen" wir mehr Frauen in der Technik ? Wenn sich einfach keine dafür interessiert, oder eben sehr wenige, warum wird das zu einem Problem gemacht.

    • Ein wahres Wort.

      liquidsnake, vor 210 Tagen, 18 Stunden, 44 Minuten

      Warum 'müssen' Frauen in Bereiche gedrängt werden, die den Großteil ihrer Geschlechtsgenossen einfach nicht zu interessieren scheint? Warum 'muss' immer jede/r überall dabei bzw. involviert sein? Darf es nicht Bereiche geben, die auf ein Geschlecht per Klischee attraktiver wirken?

      Aber worüber soll man(n) sich heutzutage noch wundern, wo eine Frau, die Vollzeithausfrau bzw. -mutter ist (und das vielleicht, weil sie es so möchte), automatisch als "vom Patriarchat unterdrückt" und diskriminiert gilt...