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Rupert Murdoch

Bezahlinhalte als Retter der Medien

USA
27.10.2009|06:00

Aus dem Medienbereich kommen weiterhin nur schlechte Nachrichten. Der Werbemarkt bricht weiter ein, die US-Printauflagen sinken um mehr als zehn Prozent. Von Rupert Murdoch angefangen preisen die Medientycoons kostenpflichtige Online-Inhalte als neue Einnahmequelle an. Das Videoportal Hulu beginnt damit 2010.

Während es in anderen Bereichen der Wirtschaft schon sichtbar aufwärts geht - Banken und IT -, zeigt sich im Medienbereich davon noch nichts.

Im Gegenteil, die schlechten Nachrichten reißen nicht ab, und so gut wie alle positiven Schlagzeilen erweisen sich beim näheren Hinsehen als weniger gut.

Die "New York Times" ("NYT") zum Beispiel hatte am Donnerstag die Erwartungen der Analysten übertroffen, die Aktie zog deutlich an. Freilich waren Aktienkurs wie Erwartungen davor so tief im Keller gewesen, dass ein Quartalsverlust von 35,6 Millionen Dollar schon "besser als erwartet" war.

Anzeigen minus 30 Prozent

Im 3. Quartal hatten die Erträge aus dem Zeitungsvertrieb erstmals die Werbeeinnahmen übertroffen, der Grund: Das Anzeigenvolumen fiel um fast 30 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal 2008.

Der Vertriebserlös war alleine deshalb um 6,7 Prozent gestiegen, weil der Endverkaufspreis von "NYT" und "Boston Globe" erhöht worden war. Drei Tage vorher, zu Wochenbeginn, hatte die Geschäftsführung verkündet, dass wie im Vorjahr 100 Redakteure im Newsroom der "NYT" ihre Jobs verlieren verlieren würden.

Gesamtauflage minus 10,6 Prozent

Für den erfolgsverwöhnten Murdoch kann es ebenfalls nur eine bedingt gute Nachricht sein, dass sein "Wall Street Journal" ("WSJ") erstmals die reichweitenstärkste US-Zeitung ist. Das "WSJ" hatte Marktführer "America Today" überholt, weil dessen Auflage um 17 Prozent eingebrochen war, der Zuwachs des Murdoch-Blatts fiel mit 0,6 Prozent bescheiden aus.

Die verkaufte Gesamtauflage des US-Printmarkts war gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahrs um mehr als zehn Prozent zurückgegangen. Von "Vanity Fair" bis zum Wirtschaftsmagazin "Fortune" kündigten US-Printmedien weitere Kündigungen von Journalisten an. "Fortune" gab bekannt, dass Teile des Online-Angebots rund um die "Fortune 500" ebenfalls kostenpflichtig würden.

Die Einbrüche im Detail

Die "New York Times" büßte bis September im Vergleich zum Vorjahr 7,3 Prozent ein und hat jetzt eine tägliche Auflage unter der Woche von 928.000. Die "Los Angeles Times" musste sogar ein Minus von elf Prozent hinnehmen.

Bezahlinhalte von Hulu

Parallel zur fortdauernden Misere der eingesessenen Medien haben Meldungen über die Einführung von Bezahlinhalten derzeit Konjunktur.

Chase Carey, Topmanager bei Murdochs News Corp., sagte am Mittwoch, dass für Teile des bisher kostenlosen Videoangebots Hulu ab 2010 Gebühren fällig würden. Die überhaus populäre Site hatte TV-Serien und Filme bisher kostenlos angeboten und versucht, das alleine über Werbung zu finanzieren.

Geklappt hatte das schon in besseren Zeiten mehr schlecht als recht, und wenn auch die Umsätze der Online-Werbung weniger stark gefallen sind als die im Printgeschäft, so war der Einbruch stark genug, um das bisherige Geschäftsmodell infrage zu stellen.

Murdoch orakelt wieder

Murdoch selbst hatte in den vergangenen Monaten mehrmals laut und vernehmlich über eine Kostenpflicht für weitere Teile der Online-Ausgabe des "WSJ" nachgedacht.

Genau diese Vorgangsweise aber hatte Murdoch vor seiner Übernahme des traditionsreichen Börsenblatts im Jahr 2007 vehement kritisiert und angekündigt, möglichst weite Teile des "WSJ" online frei zugänglich zu machen.

Das Ziel - mehr Reichweite und damit mehr Werbeumsatz - ereichte Murdoch allerdings nicht. Zudem fällt das 2005 erworbene Soziale Netzwerk immer weiter hinter den Konkurrenten FaceBook zurück, auch die Erträge der anderen digitalen Assets lassen zu wünschen übrig.

Wer investiert

Wie alle anderen Verleger - bei Conde Nast wurde bis auf den CEO das gesamte Topmanagement ausgetauscht - werden auch bei der News Corp. die Online-Medien neu bewertet, und es wird eingespart.

AOL-Vorstandsvorsitzender Tim Armstrong wiederum kündigte beim O'Reilly Media Summit am Donnerstag zwar keine konkreten neuen Services an. Ganz offensichtlich stellt sich die Tochter des Time-Warner-Konzerns aber ganz neu auf, und dazu hat man auch einiges an Geld in die Hand genommen.

Wie AOL Time Warner übernahm

So wurde die Anzahl der bei AOL beschäftigten Journalisten laut Armstrong in den letzten Monaten von 500 auf 3.000 aufgestockt. Mehr als dass es sich um eine "breitere Plattform mit mehr Information rund um die Inhalte" handle, wollte der AOL-Chef nicht verraten.

Time Warner ist im Übrigen gerade dabei, die langjährig immer weniger ertragreiche Tochter abzustoßen. In den frühen 90er Jahren war America Online zum führenden "Online-Service" aufgestiegen, worunter man zu jener Zeit ein proprietäres Netz verstand, das via Telefonmodem zu erreichen war und den Mailbox-Systemen ähnelte, die noch eine Zeitlang parallel zum WWW existierten.

AOL hatte als einziger der drei "Online-Dienste" die Transition ins WWW geschafft und stieg dort während der Dot.com-Blase zu einem der drei mächtigsten Player auf.

Da war ein Raunen durch die Welt der eingesessenen Medien gegangen, als ein exorbitanter Börsenkurs es dem Online-Parvenü 2000/01 ermöglichte, die Übernahme des Medienriesen Time Warner zu finanzieren. AOL Time Warner hatte zum Höhepunkt der Blase einen Marktwert von 300 Milliarden Dollar. Heutzutage gibt es die Börse mit 40 Mrd. Gesamtwert für den Konzern schon deutlich billiger.

(futurezone/Erich Moechel)

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Forum

 
  • solala, vor 105 Tagen, 4 Stunden, 48 Minuten

    Der Kunde ist generell bereit zu zahlen, wenn Preis/Leistungsverhältnis stimmt und die Sicherheit gegeben ist, bei den Seriösen eben alles zusammen ein Fremdwort, leider...

    Schwarze Schafe die es zu haufen gibt verderben den Brei, der Mehrwert besteht oft nur in der Info der AGB...

    Ironie, genau jene wo manam ehesten glaubt Unseriöses zu finden sind Erotikanbieter, es gibt kaum schwarzer Schafe, abgesehen von den Partnervermittlungsseiten die alles samt pechscharze Schafe sind...

  • warum glauben die

    bitteichweißwas, vor 105 Tagen, 8 Stunden, 20 Minuten

    dass Leute, die sich das Printmedium nicht mehr kaufen (warum auch immer) für online dann doch bezahlen würden?

    Dass hulu schon vorher nicht gut gegangen ist, steht schon im Artikel. Warum glauben die, dass es in einer Bezahlversion besser funktionieren könnte?

    Wirklich seltsame Modelle

  • netwing4711, vor 105 Tagen, 10 Stunden, 19 Minuten

    Egal ob Qualitätscontent od Mist, Content gegen Bezahlung hat bei der breiten Masse im Internet keine Chance. Es wird immer einen Blogger geben der sich z.B den bezahlten Content leistet und dann seine Sicht der Dinge gratis online stellt weil er mit den Einnahmen aus Google Adsense etc. gut leben kann und diese News reichen für die meisten dann schon.

  • Für die Lügengeschichten

    lastexit, vor 105 Tagen, 10 Stunden, 25 Minuten

    die z.B. FOX als Werbung für George W. und über den Irakkrieg gebracht hat, sollte man auf jeden Fall bezahlen!

    • bootleg, vor 105 Tagen, 10 Stunden, 21 Minuten

      Da haben sie recht, "FOX News" oder "The Sun" sind eine Katastrophe und meiner Ansicht nach ist das "WSJ" auch nicht mehr so gut wie früher. Ich persönlich würde alle Medien meiden die mit Murdoch in Verbindung stehen und dazu gehört auch "Sky" in Österreich.

  • Wenn österreichische Medien...

    3n3my1, vor 105 Tagen, 10 Stunden, 26 Minuten

    ...für ihren Webcontent Geld verlangen, fress ich einen Besen.
    Dieser schlecht recherchierte Qualtiätsjournalismus in fehlerhaftem Deutsch liest sich oft grausamer, als der "Was ich in den Ferien erlebt habe"-Aufsatz eines Grundschülers.

  • Wenn der öffentlich-rechtliche ORF fürs internet Geld verlangt, dann werde...

    außerirdischer, vor 105 Tagen, 10 Stunden, 49 Minuten

    ...ich das nicht mehr nutzen

    Fernseher habe ich keinen mehr, weil mich ''infotainment'' nicht interessiert und auch kein stumpfsinniger ''Containment''.

    Ich versteh schon, dass kein Produkt gratis sein kann, aber der ORF kriegt eh Gebühren.

    Der ORF hat(te) einen Kulturauftrag, den er, mit Ausnahme von Ö1, nicht wahrnimmt.

    Ausnahme: der ORF wird ein Qualitätsmedium in Internet, mit entsprechenden Hintergrundberichten, dann bezahle ich gerne!

    • bootleg, vor 105 Tagen, 10 Stunden, 24 Minuten

      Hast du einen Fiebertraum? Es wurde mit keinem Wort erwähnt, dass der ORF Geld verlangen wird und das wird auch nich passieren.

  • dazu bräuchte es mal ein web-payment

    iniquity, vor 105 Tagen, 10 Stunden, 56 Minuten

    wo der dienstleister sich nicht dumm und dämlich verdient, durch üppige gebühren.

    vielleicht sollte man sich auf EU ebene was überlegen dahingehend.

    • sollte man nicht,

      dryeti, vor 105 Tagen, 8 Stunden, 22 Minuten

      wir sollten Medientycoone aushungern, nicht füttern!

  • peter12588, vor 105 Tagen, 11 Stunden, 33 Minuten

    er kann ja was verlangen, nur wer wird es ihm bezahlen??

    man sucht sich dann andere internetseiten ganz einfach, wer was veröffentlicht, der hat schon verloren, weil einmal im internet ist der inhalt nicht mehr z löschen bzw die verbreitung zu verhindern

    ein milliardär weniger ist nur gut und dieses medienmonopol von murdoch muss gebrochen werden - das sind leute, die ohne gewählt worden zus ein, politik machen und bestimmen was gesendet wird und über was wie berichtet wird

    • Ja, stiimme ich zu!

      pit49, vor 105 Tagen, 10 Stunden, 29 Minuten

      Politik machen, ohne gewählt zu sein ... da fallen mir auch andere ein.

  • Man muss kein Hellseher sein

    ferrum, vor 105 Tagen, 12 Stunden, 44 Minuten

    um bezahlten Webdiensten ein Nischendasein zu prophezeien. Nur die Wenigsten werden bereit sein, für den Müll, der ihnen serviert wird, auch noch Geld zu bezahlen.

  • Murdochs Imperium

    rohestoerung, vor 105 Tagen, 12 Stunden, 49 Minuten

    wird nach seinem Ableben genauso zerbröseln wie jene der Zeitungszaren der 1920er-Jahre. Damals hat man das aufkommende Radio falsch eingeschätzt. Etwas später hat man dann das Fernsehen unterschätzt. Und nun kommen die alten Herren mit dem Internet nicht zurecht. Wie sollen sie auch mit ihrem kleinkrämerischen Denken.

    • Ein spitzen Kommentar!

      dunkelbunt, vor 105 Tagen, 10 Stunden, 51 Minuten

      Genau dasselbe habe ich mir ebenfalls gedacht beim lesen. +++

    • Kannst auf die komplette Content-Industrie ausdehnen ...

      maxitb, vor 105 Tagen, 9 Stunden, 23 Minuten

      Musikindustrie, Filmindustrie, etc.