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Überwachungskamera

"Indect": Videotechnik aus dem Burgenland

KONTROLLE
09.11.2009|06:00

Neben der FH Technikum Wien ist auch die Pinkafelder Firma X-Art ProDivision am umstrittenen Überwachungsprojekt "Indect" der EU beteiligt. Die Burgenländer bringen aus dem Broadcasting-Bereich jahrelange Erfahrung bei der digitalen Archivierung, Indizierung und automatischen Inhaltsanalyse von Videodateien ein.

"Wie kommt eigentlich eine mittelständische Firma aus Pinkafeld dazu, dass sie als einziges österreichisches Unternehmen bei einem EU-Großprojekt zur vernetzten Überwachung vertreten ist?" Diese Frage stellte futurezone.ORF.at Andreas Pongratz, dem Geschäftsführer von X-Art ProDivision.

"Weil wir fast zwei Jahrzehnte Erfahrung im Radio- und TV-Bereich nun auf eine sicherheitstechnische Perspektive umgelegt haben", antwortete Pongratz.

Indizierung, Archivierung und Suche in Audio- und Videoarchiven gehören zu den Stärken der Burgenländer, die eine große Zahl in- und ausländischer Broadcaster - darunter auch den ORF - mit Produktions- und Archivierungssoftware für Audio und Video ausgestattet haben.

300 Kanäle rund um die Uhr

Für die Nachrichtenagentur Associated Press Australia haben die Burgenländer ein Media-Monitoring-System installiert, das rund um die Uhr 300 Radio- und TV-Kanäle aufzeichnet und indiziert. Die jeweils mitgesendeten Radio- und Videotextinformationen, Timestamps usw. werden dabei in das Video unsichtbar eingebettet, so dass sie nachträglich besser ausgewertet werden können.

Der dabei eingesetzte VideoLogger, eine Indizierungssoftware des Herstellers Virage, die X-Art Pro seit Jahren vertreibt, liest Videos aller möglichen digitalen Formate nicht nur automatisch ein, sondern analysiert sie auch auf ihre Inhalte.

"Indect"-Serie, Teil eins:

Als zweiter österreichischer Teilnehmer neben X-Art ProDivision bringt die FH Technikum Wien die mit den Robokickern "Vienna Cubes" und anderen Projekten gesammelte Erfahrung bei der Objekterkennung ein. Christian Kollmitzer, der für das "Indect"-Projekt verantwortliche FH-Professor, nannte die damit verbundene Möglichkeit zur Grundlagenforschung als Hauptgrund für die Teilnahme.

Stimmprofile im Archiv

Nachrichten, Spielfilme und TV-Shows werden anhand der für das Genre jeweils charakteristischen Bild- und Tonsequenzen automatisch klassifiziert. Gesichtserkennungsmodule können dazu Videosequenzen Personen zuordnen, die Zusatzfunktion "Speaker Recognition" gleicht bekannte Stimmprofile mit Audiomitschnitten ab.

So ist es beispielsweise möglich, etwa in den ORF-Archiven bereits digitalisierte, aber nicht indizierte historische Mitschnitte nach verschollenen Sendungen von Heinz Conrads anhand von dessen Stimmprofil oder Gesichtsform zu durchsuchen.

"Ereignisse", Alarm

"Auf eine sicherheitstechnische Perspektive umgelegt", lässt sich diese Technik ebenso auf Videos aus Überwachungskameras anwenden, wenn man entsprechende Kriterien vorgibt. Wenn vordefinierte "Ereignisse" als solche erkannt werden - eine Person ist gestürzt, Menschen beginnen schnell zu laufen usw. -, wird Alarm geschlagen, und der diensthabende Beamte sieht sich die Szene genauer an.

Das ist eines der erklärten Ziele des "Indect"-Projekts. Videoüberwachung wird vor allem deshalb immer ineffizienter, weil die auswertenden Beamten mit der Fülle des Materials immer weniger zurechtkommen. Hier wollen die Strafverfolger in der EU nun technisch nachrüsten.

CCTV in Großbritannien

2008 konnten in Großbritannien 1.000 Fälle mit Hilfe von CCTV-Überwachungskameras gelöst werden - bei mehr als einer Million Kameras alleine in London und Kosten von 572 Millionen Euro. So hieß es in einem internen Polizeibericht vom August 2008.

Wandelnde Verdachtsfälle

Jede der als "Ereignis" markierten Videosequenzen stellt eine Art Verdachtsfall dar. Wer etwa an einer Bushaltestelle seinen Koffer im Wartehäuschen abstellt und ein paar Schritte zur Fahrplantafel geht, löst automatisch Alarm aus, die Sequenz wird als "Ereignis" eingestuft.

Wie aber ist ein solcher "anlassbezogener Verdacht", den gewöhnliche Alltagshandlungen auslösen, mit den europäischen Datenschutzstandards vereinbar?

Die Ethikkommission

"Natürlich ist das ein Seiltanz", räumt Pongratz ein. Deshalb gehe man "die Sache sehr vorsichtig, aber auch sehr konsequent an. In der Ethikkommission wird Datenschutz sehr ernst genommen." Stets werde dabei "abgewogen, was gesellschaftspolitisch sinnvoll" sei, so Pongratz.

Wenn diese Ethikkommission ihre Aufgabe tatsächlich so ernst nimmt, dann wird sie einiges zu tun bekommen.

Biometrie, GPS, RFID, Handydaten

Sie könnte beispielsweise untersuchen, inwiefern die "Testinstallation und Demonstration eines prototypischen Systems" des deutschen "Indect"-Teilnehmers PSI in die Rechtsordnung der europäischen Zivilgesellschaften passt.

Die Testinstallation besteht laut PSI aus 15 "wetterfesten Miniaturcomputern mit Kameras, Mikrofonen", "bei Bedarf" können "biometrische Sensoren, Handyidentifizierung, Übertragungsscanner, Überwachungsgeräte, GPS, Mikrosender, RFID-Tags" einbezogen werden. Die solcherart gesammelten Daten werden dann einem "dezentralen Computersystem" zur "intelligenten Verarbeitung" zugeführt.

Mehr über Teilnehmer, Ziele und Strukturen dieses mit 15 Millionen Euro dotierten EU-Projekts lesen Sie im nächsten Teil der Serie.

(futurezone/Erich Moechel)

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Forum

 
  • dermitdemohrlaeppchennuesseknackt, vor 91 Tagen, 22 Stunden, 54 Minuten

    Man muß immer nur die eine Hälfte des Volkes bezahlen um die andere Hälfte umzubringen/auszuspionieren/etc...

    • im Gegensatz zu früher

      observer, vor 91 Tagen, 22 Stunden, 49 Minuten

      braucht man heute nicht mal die Hälfte.

  • hoffentlich

    cyana, vor 92 Tagen, 38 Minuten

    macht die Firma Pleite damit

  • Schade ...

    juanp, vor 92 Tagen, 2 Stunden, 21 Minuten

    dass sich Wissenschaftler fuer sowas hergeben.
    Aber wenn die Kohle stimmt muss man es ja machen sonst "macht es jemand anders", gell?

  • muki, vor 92 Tagen, 4 Stunden, 22 Minuten

    Ich glaube, dass sich nur dumme Verbrecher mit Video überführen lassen. Um die zu fangen, möchte ich nicht auf meine Privatsphäre verzichten.

  • Burgenländische Firma?

    gh0stindamachine, vor 92 Tagen, 5 Stunden, 11 Minuten

    Hier das Bild, das von allen burgenländischen Videokameras per default geliefert wird: http://tinyurl.com/ycv97g8

    *hrhr*

    • wer von denen

      observer, vor 92 Tagen, 3 Stunden, 46 Minuten

      soll da bitte der Burgenländer sein?

    • gh0stindamachine, vor 90 Tagen, 10 Stunden, 11 Minuten

      Das Borstentier ist bekanntlich immer der Rechte.

  • Jeder denkende Mensch ...

    freewind, vor 92 Tagen, 5 Stunden, 31 Minuten

    ... müsste jetzt eigentlich verstanden haben, dass es hier nicht um Sicherheit (für wen eigentlich?), sondern um die Ausschaltung der Demokratie und rücksichtslosen Machterhalt geht.

    Mit dieser Wunderwaffe sind Volksaufstände auszuschließen. Der Traum jedes Diktators!

    Ein Projekt schlimmer als die düstersten Phantasien von Orwell und Huxley zusammen!

    • So ist es! Wehren wir uns dagegen solange es noch geht!!

      zeitdieb, vor 91 Tagen, 23 Stunden, 32 Minuten

      http://www.piratenpartei.at/

  • kevinm, vor 92 Tagen, 10 Stunden, 21 Minuten

    Da liegt die Antwort auf die Arbeitslosenthematik auf dem Silbertablett, aber es wird lieber in Technik investiert. Einfach Arbeitslose zu "Hilfssheriffs" ausbilden und statt Kameras einsetzen. Die können Ereignisse viel besser erkennen als Kameras und ohne Aufzeichnung gibt es keine Datenschutzbedenken. Die Überwachten (wenn sie nicht gerade für die Abschaffung der Exekutive sind) würden sich auch sicherer fühlen. Zu teuer? Die Weiterentwicklung der Videotechnik kostet auch sehr viel und es profitieren nur Wenige (nicht Arbeitslose) wirklich davon.

    • zu unsicher

      rse0, vor 92 Tagen, 9 Stunden, 13 Minuten

      menschen lassen sich nur bedingt gegen menschen misbrauchen. maschienen immer - deswegen besser alles automatieseren

  • Wählts gscheit

    calafati, vor 92 Tagen, 11 Stunden, 15 Minuten

    dann passiert auch das richtige!

    Jedes Volk hat die Regierung die es verdient. Wenn niemand die Piraten partei wählt die sich u.a. gegen diese Dinge stellt seid ihr selber schuld.

    ned raunzen.... richtig wählen!

    • weil die piratenpartei unser land mit sicherheit nach vorne bringen wird

      noracismonearth, vor 92 Tagen, 10 Stunden, 54 Minuten

      das glaubst doch nicht wirklich, oder?
      vor allem wenn ich mir den vorsitzenden der piratenpartei in österreich anschau, der behauptet, dass geistiges eigentum nicht besteht, sondern jeder ein recht auf die ideen aller haben....

    • "geistiges Eigentum"

      deepblues, vor 92 Tagen, 10 Stunden, 19 Minuten

      ... besteht tatsächlich nicht. Eigentum kann man nur an physisch vorhandenen Sachen haben.
      Daher ist auch der Begriff "geistiger Diebstahl" schlicht und einfach Bullshit.

    • "geistiges Eigentum"

      kevinm, vor 92 Tagen, 7 Stunden, 48 Minuten

      bezeichnet man landläufig als "Geheimnis". Das kann z.B. ein Code (etwa für einen Tresor) sein. Dementsprechend steht auch gewisser Wert dahinter. Worum es aber meist geht sind Nutzungsrechte. Wenn "geistiges Eigentum" soviel Wert ist, dass jemand bereit ist für die Nutzung zu bezahlen, es von anderen aber ohne Zustimmung des Eigentümers unentgeltlich genutzt wird, ist das eben ein juristisches Problem. Ob man das dann geistigen Diebstahl oder illegale Nutzung (klingt vielleicht weniger reißerisch) nennt ist eigentlich egal.

  • Angeblich läuft das Zeug schon unter Windows 7

    minusmann, vor 92 Tagen, 11 Stunden, 48 Minuten

    Kann jemand was dazu sagen?

    • der eye-toy pedant

      madtyson, vor 92 Tagen, 10 Stunden, 19 Minuten

      der xbox360, soll auch schon benutzererkennung haben. wenn auch nur für ein paar vorgefertigte profile. aber wenns auf der xbox geht, wirds wohl auf einem heim-pc auch funktionieren.

  • Die Ethikkommission

    dasandere, vor 92 Tagen, 11 Stunden, 51 Minuten

    sollte sich mal lieber jene Firmen vorknöpfen, die da ungeniert Reibach mit der Freiheit anderer machen, ihnen "zu liebe".

    Es ist wie mit dem Krieg: Stell dir vor es gibt Überwachung, aber keiner will dran verdienen.... Danke, Ihr burgenländlichen Dep***!