Standort: futurezone.ORF.at / Meldung: "Data-Retention: Anwälte für Minimalvariante"

Auge in einem Monitor

Data-Retention: Anwälte für Minimalvariante

KONTROLLE
07.11.2009|12:29

Bei der bevorstehenden Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung (Data-Retention) verlangen Rechtsanwälte, es bei der "minimalsten Variante" zu belassen. Die Rechtsanwälte verlangten ferner eine Änderung des Sicherheitspolizeigesetzes und die Prüfung bestehender Überwachungsmaßnahmen auf deren Sinnhaftigkeit.

Konkret bedeute das eine möglichst kurze Speicherdauer sowie einen Zugriff auf Daten einzig bei schweren Straftaten und konkretem Tatverdacht, erklärten die Rechtsanwälte am Samstag zum Abschluss des Anwaltstages.

Die Details zur Umsetzung werden derzeit von der Regierung ausverhandelt. Die zuletzt federführenden Verkehrsminister der SPÖ - Werner Faymann bzw. Doris Bures - hatten sich stets für die minimale Speicherfrist von sechs Monaten ausgesprochen. Ihre Gegenspieler aus dem ÖVP-geführten Innenministerium - Günther Platter bzw. Maria Fekter - wollten mehr. An dieser Stelle konnte sich die SPÖ durchsetzen. An der Frist von sechs Monaten solle nun nicht mehr gerüttelt werden, so Bures-Sprecherin Susanna Enk.

Die Rechtsanwälte sprachen sich zudem dafür aus, dass die Speicherung ausschließlich Daten betreffen dürfe, die sich auf den konkreten Tatverdacht bezögen - das alles selbstverständlich nur mit richterlichem Beschluss.

Thema Datenschutz von "höchster Sensibilität"

SPÖ-Konsumenschutzsprecher und Vorsitzender des Datenschutzrates, Johann Maier, äußerte sich am Samstag zu den Verhandlungen zur Vorratsdatenspeicherung. Doris Bures sei den richtigen Weg gegangen, das Ludwig-Boltzmann-Institut mit der Erstellung eines Gesetzesentwurfes zu beauftragen. Denn, so Maier: "Das Thema Datenschutz ist von höchster Sensibilität. Der Entwurf sieht eine Mindestumsetzung vor, der insbesondere den grundrechtlichen Erfordernissen entspricht: Es wird nur gespeichert, was notwendig ist, Abruf nur mit richterlichem Befehl und genügend Rechtsschutz."

Auch das BZÖ unterstützte die Forderungen der österreichischen Rechtsanwälte. Generalsekretär Stefan Petzner sieht beispielsweise in den Plänen von EU und Regierung bei der Vorratsdatenspeicherung einen Angriff auf die Bürgerrechte. Der BZÖ-Generalsekretär forderte die Regierung auf, die Richtlinie einfach nicht umzusetzen und es auf einen Streit mit Brüssel ankommen zu lassen.

Für Änderung des Sicherheitspolizeigesetzes

Die Rechtsanwälte verlangten ferner eine Änderung des Sicherheitspolizeigesetzes. "Ein Mehr an Rechtsstaatlichkeit sollte ursprünglich das Ziel des Sicherheitspolizeigesetzes sein, dies klingt angesichts seiner heutigen Ausformung schon fast zynisch", meinte der Präsident des Rechtsanwaltkammer-Tages, Gerhard Benn-Ibler.

Für die Novellierung haben die Anwälte einige Grundprinzipien festgelegt. Bereits bestehende Überwachungsmaßnahmen müssten auf deren Sinnhaftigkeit und Effektivität evaluiert und dürften nicht ohne konkreten Verdacht eingesetzt werden.

Verständigung überwachter Personen

Derzeit gebe es keinen Hinweis, dass Maßnahmen wie flächendeckende Videoüberwachung und Datenspeicherung zu einer Verbesserung der Sicherheit führten. Zudem dürfe es in Gesetzen keine interpretierbaren Formulierungen geben. Stattdessen müssten konkrete Voraussetzungen für den Einsatz von Überwachungsmaßnahmen präzise festgeschrieben werden.

Schließlich wird noch verlangt, dass überwachte Personen nachträglich verständigt werden, um ihre Rechte wahren zu können. Das derzeitige Rechtsschutzdefizit bei Handyortung und Videoüberwachung müsse behoben werden.

"Freibrief für die Polizei"

Der Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz, erklärte am Samstag, dass die Warnung der Rechtsanwälte vor einem Überwachungsstaat ernst genommen werden müsse. "Schon jetzt gibt es einen viel zu großen Freibrief für die Polizei. Das ÖVP-Sicherheitspolizeigesetz ist zu einer systematischen Ausschaltung von Richtern und Rechtsanwälten geworden", so Pilz.

Mehr zum Thema:

(APA)

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

 
  • Die bestätigte Angst des Menschen

    mindmachine, vor 12 Tagen, 18 Stunden, 23 Minuten

    vor dem Unbekannten. Bin ja mal gespannt. Es müsste wirklich evaluiert werden ob sich der Aufwand rechnet und wieviel Fälle gelöst werden. Low-Tech-Kommunikation ala Brieftaube wird bald wieder in sein.

  • Wenn man sich in Zukunft verklickt ist man im

    mindmachine, vor 12 Tagen, 18 Stunden, 25 Minuten

    Arsch! Verklickt man sich ein 2tes mal ist es sicher... Dann ist es ja schon regelmäßig... Cool. Wenn man im Hintergrund per Javascript eine Seite lädt kann man 1000te Leute zum Teufel schicken :)) Seeeeehr sinnvoll! Die Chaostheorie ist mir die Liebste! Geordnetes Chaos sowieso. Schwarz, rot, blau, gelb, lila sind unwählbar geworden... Kommt bald der nächste Hitler zum Zug?

  • wist ihr, was das wirklich heist?

    chaoztc, vor 13 Tagen, 12 Stunden, 33 Minuten

    also:
    1) email: absender und empfänger emailadresse + subject + uhrzeit muss 6 monate gespeichert werden
    2) ip: von jedem ip-packet (1 packet = 1500byte) muss die absender ip+port + empfänger ip+port + uhrzeit (~20byte) gespeichert werden.
    das sind bei 100 mbyte daten ~70000 packete und ~1,4MB daten, die der provider 6! monate speichern darf. ohne dafuer geld vom staat zu sehen!
    bei zb. einem user mit 10gb/monat:1,4gb/Monat
    auf 6 monate: 8,4gb
    liebe politik, wisst ihr überhaupt was ihr da anstellt?

    • 1) Ist inkorrekt

      maxitb, vor 13 Tagen, 10 Stunden, 18 Minuten

      Es muß nämlich der gesamte mail-Header bei emails gespeichert werden. Also auch alle relay-IPs, alle CCs und was man sonst noch so feines reinpacken kann.

    • Das erinnerlich so nicht richtig ...

      vergesstwahlenkauftaktien, vor 13 Tagen, 3 Stunden, 30 Minuten

      ... auch hier werden die Provider, zumindest zum Teil, staatlichen Ausgleich fuer ihre Aufwaende erhalten.
      IMHO deswegen halten sie sich ja auch eher bedeckt.

    • chaoztc, vor 12 Tagen, 22 Stunden, 7 Minuten

      ich bin provider, hab da aber noch nix von geld vom staat gehoert.
      klar, haette ich gerne, wenn der staat diese überwachung will, das mir auch bitte der staat die gesamtkosten dafuer zahlt, und nicht eine aufwandsentschaedigung pro abgerufenen datensatz. im endeffekt werden die kosten wohl auf den kunden abgewaelzt, wobei jedoch ein massiver konkurenzkampf aufkommen koennte - kuendigungsrechts des kunden bei vertragsänderung - wird sicher interessant. ein paar kleine werden wohl wieder sterben.

    • Da träumt jemand...

      c1x111, vor 12 Tagen, 9 Stunden, 7 Minuten

      von 1500-Byte-Paketen... Die allermeisten sind viel kürzer!

    • pc104, vor 12 Tagen, 6 Stunden, 4 Minuten

      c1x111, das waren OPTIMALannahmen. Also die Mindestmenge, die da durch logs anlaufen würde. Und das ist bereits ein Wahnsinn. Die Realität wird noch viel wahnsinniger ausfallen.

      Provider mit Hirn werden prüfen wie die Strafen für die Nichterfüllung aussehen, realisieren dass sie geringer sind und einfach die Strafe fressen bei Nichterfüllung. Es ist billiger.

    • @c1x111

      chaoztc, vor 11 Tagen, 19 Stunden, 26 Minuten

      ja, aber auch an die ack(retour) packets hab ich nicht gedacht. ~faktor 2 koennte gut hinkommen.

  • ich versteh das nicht?

    kaharatschonbonatschon, vor 13 Tagen, 22 Stunden, 53 Minuten

    wie soll man da was finden - bei den ganzen besuchten Seiten, die ich schon besucht habe, ist die Liste schon so lang, dass man da einen Dreck mehr findet, wenn man was braucht. Da hab ich dann die ganze Liste gelöscht auf 1x. Weil mir das schon am Keks gegangen ist. Und bereut hab ich das bis heute nicht. Werde das jetzt 1x in der Woche machen, anstatt nach 2 Jahren zum 1. Mal.

    • Fuer Dich waere der Comman Line Befehl ...

      vergesstwahlenkauftaktien, vor 13 Tagen, 20 Stunden, 39 Minuten

      format c:

      wohl eher das richtige.

    • man findet nichts

      phobetor, vor 13 Tagen, 14 Stunden, 45 Minuten

      das problem ist dass man nichts findet, die daten werden durch nicht öffetnliche proprietäre algorithmen bearbeitet die irgedwas ausspucken, umso gefährlicher ist das ganze, denn so haben firmen die solche systeme zur verfügung stellen unglaubliche macht.
      dazu wie solche algorithmen funktionieren probier mal die "big brother award" ausgezeichnete personen suchmaschine 123people punkt at aus ;)

    • ::phobe

      maxitb, vor 13 Tagen, 10 Stunden, 12 Minuten

      Korrekt. Wie in den USA, wo sie einfach Dutzende DBs zusammengewürfelt haben um Terroristen zu finden. Da durften auf einmal nicht mehr Leute einreisen, weil die ein US Abo gekündigt haben, somit auf eine Banken-lowprio-blacklist kamen und anschließend über die FBI-DBs in die DoHS-DB gelangt sind.

      Das Problem ist nicht das Datensammeln, sondern das dann wild versucht wird über statistische Spielchen einen Täterkreis zu basteln, wo niemand Einsicht oder Einspruch hat. Da kann mal schnell ein weitergeleitetes Scherz-mail zu einem Terrorverdacht führen ... und merken tut mans dann, wenn man am Zielflughafen erfährt, daß man nicht einreisen darf (im besten Fall).

  • Data-Retention: Bürger für keine Variante

    max7c, vor 13 Tagen, 23 Stunden, 24 Minuten

    In einer Demokratie werden Bürger nicht grundlos durch den Staat überwacht und beschattet.

    • lastexit, vor 13 Tagen, 22 Stunden, 55 Minuten

      Ist das jett mit Absicht doppeldeutig?

    • lastexit, vor 13 Tagen, 22 Stunden, 23 Minuten

      jetzt

  • überdenkerin, vor 13 Tagen, 23 Stunden, 48 Minuten

    Klingt alles recht vernünftig. Hoffentlich darf man die Platzierung gerade auf Futurezone nicht als berechtigten Zweifel an der Umsetzung verstehen.

  • Die Schotter-Mitzi und die Brillen-Bandion...

    lastexit, vor 14 Tagen, 21 Minuten

    werden jetzt sicher alle Gesetzte entsprechend ändern... und dann bin ich aufgewacht!