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Warwick: Forschung an der Gehirnzellenbasis

WISSENSCHAFT
13.11.2009|14:04

Der britische Cyborg-Forscher Kevin Warwick experimentiert mit Implantationsschnittstellen zwischen Mensch und Computer und Gehirnzellen von Ratten. Er präsentierte am Freitag seine Versuche in Wien.

Intelligenz und auch Bewusstsein - sei es nun in biologischen oder elektronisches Gehirnen - ist für Warwick von der University of Reading nur eine Frage der Komplexität. Seine Experimente, kleine, fahrbare Roboter durch Gehirnzellen von Ratten steuern zu lassen, sorgen für Aufsehen. Am Freitag war Warwick beim Symposion "Android & Eve" am Vienna Biocenter zu Gast.

Experimente mit Gehirnzellen von Ratten

Mit seinen Experimenten forscht der Brite an der Basis der Gehirnentstehung. Ausgangspunkt sind derzeit etwa 100.000 Gehirnzellen von Ratten, die auf einem Nährboden wachsen. Die ganze Kultur ist auch mit 128 Elektroden bestückt, die Nervenimpulse der Zellen weiterleiten und auch umgekehrt Impulse an die Zellen übermitteln können. So sollen die Zellen mit der Umwelt kommunizieren.

In den Versuchen steuern die Kulturen ein kleines Roboterwägelchen, das vor- und zurückfahren sowie sich um die eigene Achse drehen kann. Als Sensoren stehen ausschließlich Abstandsmesser zur Verfügung, die eine Annäherung an die Bande registrieren. Anfangs wirken die von den Zellen gesteuerten Bewegungen völlig zufällig, mit der Zeit lernen sie dann - ohne irgendwie programmiert zu sein -, Kollisionen mit der Bande zu vermeiden.

Zellen übernehmen unterschiedliche Aufgaben

Warwick nennt solche Nervenzellenkulturen bewusst "Gehirne". Neben der Entstehung von immer mehr Verbindungen zwischen den Zellen beginnt sich in der Kultur nach einiger Zeit des Trainings nämlich so etwas wie Arbeitsteilung zu etablieren, sagte Warwick am Rande des Symposions. Zellen, die direkt an und um die Elektroden sitzen, übernehmen hauptsächlich sensorische und motorische Aufgaben. Das heißt, sie sind für das Senden und Empfangen von Signalen vom und an den Roboter zuständig.

Zellen weiter weg von den Elektroden übernehmen dagegen hauptsächlich Leitungsaufgaben, sie sind für den Transport der Informationen an andere Zellen verantwortlich. Daneben gibt es aber auch immer wieder Zellen oder auch Gruppen von Zellen, die sich gleichermaßen zurücklehnen und das ganze Vorgehen zu überwachen scheinen, berichtete Warwick.

Vorgänge des Gehirns verstehen

Dem Wissenschaftler geht es nach eigenen Angaben nicht darum, irgendwelche Mensch-Maschine-Monster zu schaffen, vielmehr möchte er grundlegende Vorgänge des Gehirns und der Gehirnentwicklung verstehen. "Bis heute ist nicht geklärt, ob bei Alzheimer-Patienten wirklich die Erinnerungen im Gehirn verloren gehen", so Warwick. Es wäre durchaus auch möglich, dass entweder nur die Weiterleitung von Informationen oder die Koordination zwischen den einzelnen Aufgaben der Nervenzellen versagt.

Dreidimensionale künstliche Gehirne in Planung

Als nächstes plant Warwick die Entwicklung von dreidimensionalen künstlichen Gehirnen aus Nervenzellen. Damit könnte die Komplexität von derzeit 100.000 Neuronen in der Fläche auf rund 30 Millionen Zellen in drei Dimensionen gesteigert werden. Er ist zuversichtlich, dass die Gehirne dann auch immer intelligenter werden, denn Intelligenz ist für den Wissenschaftler nur eine Frage der Komplexität und absolut "nichts Magisches". Ähnlich sieht er die Entstehung von Bewusstsein.

Menschliche Gehirnzellen statt Rattenzellen

Anstatt Zellen von Ratten möchte Warwick demnächst auch menschliche Gehirnzellen einsetzen. Dass diese den Nager-Neuronen in Sachen Intelligenz überlegen sind, glaubt der Wissenschaftler nicht. Möglicherweise reagieren sie sogar langsamer, dass wäre dann kein besonders schmeichelhaftes Ergebnis für den Menschen.

Noch einen Coup planen die Forscher um Warwick: Sie möchten die Gehirne gezielt programmieren und arbeiten dazu an einer Art von Belohnungssystem. Immer wenn der Roboter etwas Gewünschtes erledigt, könnte etwa kurz die Nährstoffkonzentration in der Nährlösung erhöht und so das Wachstum von bestimmten Verbindungen zwischen den Zellen gefördert werden. Ob der Rattenhirn-Roboter dann auch auf bestimmte Kunststücke getrimmt werden kann, wird die Zukunft zeigen.

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(APA)

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Forum

 
  • Ein überaus gewagtes neurologisches Experiment,...

    neutrino, vor 127 Tagen, 2 Stunden, 54 Minuten

    nur mal rein hypothetisch, z.B. ein Krebspatient hätte mit Sicherheit nur mehr mehrere Monate zu leben und einen Team von Neurochirurgen würde es tatsächlich gelingen diesen bereits todgeweihten Patienten zu motivieren sein Gehirn samt Kopf kurz nach seinem Tode der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung zu stellen, also quasi seinen Kopf abtrennen zu dürfen und nach allen Regeln der ärztlichen Kunst diese sofort wieder zu beleben,...nun, was würde also gleich dannach passieren vorausgesetzt es sind alle Gehirnzellen sofort mit allen Nährstoffen und Sauerstoff perfekt versorgt worden und arbeiten also rein technisch gesehen völlig fehlerfrei, also wie würde diese Geschichte wohl weitergehen!?,...;-)

    eine fachliche Meinung aus der Sicht eines echten Neurologen/Neurochirurgen wäre natürlich jetzt sehr hilfreich, ich habe hierzu keinerlei Fachkenntnisse nur viele Sci-Fi Fantasien,...wäre so ein Verfahren zum derzeitigen Zeitpunkt bereits möglich wenn sogar ein realer Patient hierzu zustimmen würde, also bestünde eigentlich auch kein ethisches Problem,... warum also probiert man solch ein überaus spannendes neurologisches Experiment nicht einfach mal in der Praxis aus!?,...

    sollte es tatsächlich gelingen und der nun sprechende Kopf samt Gehirn ersucht um eine sofortige Beendigung des Experimentes so müsste dies selbstverständlich auch unverzüglich erfolgen!
    .:.

    • Wer schenkt sein aktives Gehirn her?

      neutrino, vor 127 Tagen, 2 Stunden, 37 Minuten

      ...selbst wenn Warwick 30 Millionen menschliche Gehirnzellen nehmen würde wäre die anschliessende Konditionierung sicherlich sehr langwierig, ein fertig trainiertes Gehirn eines Menschen hingegen wäre im Prinzip sofort zur Kommunikation bereit, denn ob ein Mensch seinen Körper für die Plastination als Kunstform zur Verfügung stellt oder sein Gehirn gleich für die neurologischen Forschungen überlässt wäre sogar für den Probanden selbst umso spannender, weil hier eine neue Erfahrung auf ihm zukommen könnte, natürlich nur soferne es gelingt,...also ich würde es wagen,...;-)
      .:.