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DNSSEC: Sicherheitsupdate für das Netz

SECURITY
17.11.2009|06:00

Wer heute eine Website aufruft, kann nicht immer sicher sein, dass er tatsächlich das sieht, was der Eigner der Website ins Netz gestellt hat. Durch Lücken im Internet-Adresssystem (DNS) können Angreifer die Anfragen von Nutzern umlenken. Nun soll das DNS mit Verschlüsselungstechnik abgesichert werden. Eine gewaltige Herausforderung an Technik und Verwaltung.

Ohne die Zuordnung im Domain Name System (DNS) wäre das Surfen mit Hilfe von Domain-Namen wie futurezone.ORF.at nicht möglich. Das DNS sorgt beispielsweise dafür, dass die Namen von Websites den Nummern der Computersysteme zugeordnet werden, auf denen die Websites laufen. Weil der Zuordnungsprozess jedoch während des Website-Aufrufs verändert werden kann, können etwa Phishing-Attacken den Datentransfer beim Online-Banking zu einer Bankwebsite auf eine andere Site umleiten. Über diese Sicherheitslücke können sich die Hightech-Bankräuber vom Nutzer völlig unbemerkt Zugang zu Bankkonten verschaffen - vorausgesetzt freilich, die User fallen auf das Phishing herein und geben ihre Zugangsdaten auf der gefälschten Website ein.

"Diese DNS-Sicherheitslücke ist seit etwa eineinhalb Jahren bekannt, und es soll schon einige Vorfälle gegeben haben", weiß Joe Waldron, Produktmanager beim Internet-Dienstleister Verisign, der unter anderem die wichtigen Top-Level-Domains .com und .net managt. Zahlen kennt Waldron allerdings nicht: "Wir wissen nicht, wie oft solche Angriffe bereits erfolgt sind, da es dafür keine guten Berichtmechanismen gibt." Das Problem gilt jedoch als so ernst, dass Experten bereits seit den 90ern versuchen, das Internet an dieser Stelle sicherer zu machen. Sie entwickelten dafür das Protokoll DNS Security Extensions (DNSSEC), das jetzt nun endlich eingeführt werden soll.

Signierte Root-Server

DNSSEC signiert Domain-Name-Systemdaten über ein Public-Key-Verfahren mit einem öffentlichen und einem privaten kryptografischen Schlüssel. Ein Abgleich des öffentlichen Schlüssels des Domain-Name-Servers mit dem öffentlichen Schlüssel einer Website zeigt, ob die fragliche Website echt ist. Auf diese Weise kann DNSSEC auch zeigen, ob ein Domain-Name überhaupt existiert. Dieses Protokoll garantiert, dass die vom Domain-Name-System übermittelten Daten echt und unverfälscht sind. Die Entwickler von Browsern könnten dann in einem weiteren Schritt dafür sorgen, dass der Browser das dann Nutzern etwa auch mit einem grünen Domain-Logo als echt anzeigt.

Die Internet-Server werden bei der Einführung von DNSSEC schrittweise signiert. Zunächst werden die zentralen Root-Server signiert. Die Vorbereitungen sind hier bereits angelaufen. Ab Dezember werden die Root-Server intern signiert, ab Jänner 2010 wird der Prozess nach außen geöffnet. Erst vor wenigen Tagen stellte Verisign gemeinsam mit der Internet-Verwaltung ICANN und der US-amerikanischen Telekommunikations- und Internet-Behörde NTIA die Sicherheitsbestimmungen für die Einführung von DNSSEC auf der obersten Verwaltungsebene des Internets vor. So wird es etwa für den Masterschlüssel sieben Verantwortliche geben. Alle zwei bis fünf Jahre soll dieser Schlüssel neu erzeugt werden. Dafür werden mindestens fünf der Schlüsselverantwortlichen persönlich anwesend sein müssen.

"Unvorhersehbare Risiken"

Kleinere Top-Level-Domains wie .se für Schweden und .org für nicht-kommerziell ausgerichtete Organisationen stellten ihre Zonen bereits auf DNSSEC um. Ende 2010, Anfang 2011 soll es endlich auch für die größten Top-Level-Domains so weit sein: Verisign will dann auch die Zonen für die .com- und .net-Domains absichern. Dieser Wechsel zu DNSSEC werde "das gesamte Internet-Ökosystem betreffen", meint der technische Direktor von Versign, Ken Silva. So müssen nicht nur die Registrare, sondern auch die Internet-Service-Provider wie die Browser-Hersteller entsprechende Implementationen vornehmen.

"Die Umstellung auf DNSSEC ist eine fundamentale Änderung", sagt Waldron gegenüber ORF.at, "die Öffentlichkeit muss darüber so gut wie möglich informiert werden." Fehler können nämlich dazu führen, dass die betroffenen Bereiche nicht mehr erreichbar sind. In "Boot Camps" versucht Verisign nun, Registrare, Provider und größere Domain-Nutzer mit den DNSSEC-Werkzeugen vertraut zu machen.

Angst hat Verisign-Manager Waldron vor allem vor "unvorhersehbaren Risiken", die er durch eine "methodische und vorsichtige" Vorgehensweise so weit wie möglich eliminieren will. Daher wird es bis zur Umstellung noch zahlreiche Testläufe geben. Derzeit arbeitet Verisign gemeinsam mit dem US-Handelsministerium daran, DNSSEC für die Top-Level-Domain .edu einzuführen, die in den USA von Universitäten und Bildungseinrichtungen genutzt wird. Die Erfahrungen, die hier mit der im Vergleich zu .com und .net wesentlich kleineren Top-Level-Domain gemacht werden, wertet Verisign sorgfältig aus.

Schwierigkeiten für Registrare

"Die Signierung der Root-Zone ist sicher ein wichtiger Schritt", sagt Robert Schischka, Technischer Geschäftsführer der österreichischen Registry nic.at, auf Anfrage von ORF.at. Allerdings gebe es noch zahlreiche Fragen bei der Einführung von DNSSEC: "Die Probleme liegen dabei eher aufseiten der Verwaltungsprozesse. Da sind noch zahlreiche Fragen offen. Wenn ein Provider den Schlüssel für eine bestimmte Domain hat, könnte es zu Problemen beim Umzug kommen, was wiederum dazu führen könnte, dass die Kunden stärker an einen bestimmten Provider gebunden sind. Solche Fragen muss man vertraglich lösen." Auf technischer Seite habe sich gezeigt, dass das System durch DNSSEC komplexer werde und es aufseiten der Registry auch schwieriger werde, es bei Pannen neu aufzusetzen. Schischka: "Es gibt mehr Single Points of Failure. Man tauscht etwas Sicherheit auf der einen Seite gegen etwas Stabilität auf der anderen."

Auch die Nachfrage nach DNSSEC sei bisher noch "bescheiden", so Schischka, "in Schweden ist man bisher sicher am weitesten, aber auch dort hat man nur einige Tausend gesicherte Domains registriert". Mit ein Grund dafür sei, dass das angesprochene Cache-Poisoning als Angriffsmethode aus der Mode gekommen sei. "Der Trend geht zur Malware, die den Browser angreift", so Schischka, "damit kann man auch andere Sicherheitsmechanismen aushebeln." DNSSEC mache zwar das DNS sicherer, schütze aber letztlich auch nicht vor gut gemachten Phishing-Sites: "Ein Verbrecher könnte beispielsweise die Domain einer Bank mit möglichst unauffällig eingebautem Tippfehlern sichern lassen und die User noch besser täuschen als bisher. Das wäre dann Qualitätsphishing."

DNSSEC vs. "Zensursula"

Auch staatlich angeordnete Manipulationen am DNS werden durch DNSSEC erschwert, worauf nic.at in ihrem jüngsten Positionspapier zum Thema hinweist. Die in Deutschland geplanten Netzsperren gegen Kinderpornosites würden nach Einführung von DNSSEC nicht mehr funktionieren.

Denn auch sie funktionieren über eine Umleitung der Anfrage des Nutzers von der gesperrten Site auf ein "Internet-Stoppschild". Diese Umleitung aber würde bei aktiviertem DNSSEC nur noch eine Fehlermeldung im Browser generieren.

Problem Benutzerschnittstelle

Schwierig sei auch, dem Nutzer die Funktionsweise von DNSSEC zu vermitteln. "Man überlegt, ob man das im Browser sichtbar machen soll, wie bei SSL. Aber schon da sind die User schnell überfordert, wenn noch ein Sicherheitspop-up aufgeht", so Schischka. Außerdem könne DNSSEC zum Problem werden, wenn sich die Root-Zone aufgrund der neuen Top-Level-Domains vergrößere: "In den USA und in Europa haben wir die Bandbreite, um die entsprechenden Update-Zyklen mitmachen zu können. In Afrika gibt es wichtige Knotenpunkte, die noch nicht so gut angebunden sind."

Schischka rechnet damit, dass zuerst jene Branchen ihre Domains sichern werden, die von Phishing-Attacken besonders betroffen sind, wie etwa Banken und Versicherungen. Beim Roll-out auf der .at-Domain gehe man "konservativ" vor, sagt Schischka, "dazu sind ausgiebige Feldversuche mit verschiedenen Kombinationen von Equipment nötig." Eine Einführung von DNSSEC auf .at-Domains erwartet er "frühestens Ende 2010, Anfang 2011", also etwa zeitgleich mit den .com- und .net-Domains.

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(Christiane Schulzki-Haddouti/futurezone)

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Forum

 
  • Hmmm .....

    tomtiger, vor 83 Tagen, 22 Stunden, 24 Minuten

    DJBDNS ist nicht anfällig für Cache Poisoning.

  • :D

    bröselmaschine, vor 84 Tagen, 6 Stunden, 55 Minuten

    doktorx hat die /etc/hosts gefunden *beifall spendier* :)

    • suit, vor 83 Tagen, 10 Stunden, 34 Minuten

      Ich revidiere deinen Beifall :)

      %WINDIR%\system32\drivers\etc\hosts ist nur ein Sicherheitsrisiko wenn der Rechner von einem DAU betrieben wird, der absichtlich mit Administrator-Rechten arbeitet.

      Mit einem eingeschränkten Benutzerkonto - wie es sich gehört - kann die Datei nicht so einfach von Schadsoftware manipuliert werden.

      Aber es gibt ja leider genug Anwender, die es als "unangenehm" empfinden, wenn man keine Administratorrechte hat.

  • Pharming

    fenris79, vor 84 Tagen, 12 Stunden, 33 Minuten

    ist eine Betrugsmethode, die durch das Internet verbreitet wird. Sie basiert auf einer Manipulation der DNS-Anfragen von Webbrowsern (beispielsweise durch DNS-Spoofing), um den Benutzer auf gefälschte Webseiten umzuleiten. Es ist eine Weiterentwicklung des klassischen Phishings.

    • Da gibt es noch viel einfachere Methoden,

      doktorx, vor 84 Tagen, 12 Stunden, 7 Minuten

      die ich jetzt nicht näher erläutern möchte.

      Aber im Windowsverzeichnis befindet sich eine Datei. Wenn man einen bestimmten Eintrag darin macht, taucht zwar dann die Internetadresse korrekt im Browser auf, nur man befindet sich durch eine IP Umleitung ganz wo anders.

    • cyana, vor 84 Tagen, 11 Stunden, 54 Minuten

      Das setzt aber voraus, dass du Zugriff auf den Rechner hast. Der oben beschriebene Prozess hingegen manipuliert offenbar den DNS Server - das heißt, dass dein Rechner nicht kompromittiert werden muss. Du gibst wie gewohnt die URL deiner Hausbank ein, und landest trotzdem auf der fakesite - so wie alle anderen auch, deren URL durch den betroffenen DNS Server aufgelöst wird.

    • paradeiser, vor 84 Tagen, 9 Stunden, 29 Minuten

      Man kann tatsächlich über die Server Maßnahmen gegen net-Kriminalität treffen,das stimmt.
      Es wird jedoch verschwiegen,daß dann etwa Behörden ganz einfach per Knopfdruck sämtliche Verbindungen,die ein x-beliebiger Surfer mit seinem Wohnzimmer-PC rund um die Welt herstellt, in Echtzeit eruieren können.
      Das freut nicht nur den CIA oder Mossad,sondern auch unser Innenministerium,weil es sofort Kenntnis davon hat,ob Du gerade Porno guckst oder Dich gar über Bankmodalitäten in Steueroasen informierst,während Dir das Finanzamt nachrennt

    • paradeiser, vor 84 Tagen, 9 Stunden, 24 Minuten

      .....und Du vom Palmenstrand Urlaubsgrüße an Deine Freunde schickst,obwohl Du offiziell arbeitslos bist und Dich gerade mit Postensuche beschäftigst

    • @paradeiser

      thedarktower, vor 84 Tagen, 6 Stunden, 14 Minuten

      Aha, du schickst also von deinem Wohnzimmer-PC Urlaubsgrüße vom Plamenstrand!

      Sehr interessant!

      P.S.
      Ich an deiner Stelle würde sofort die Nummernschilder deines Autos abmontieren. Damit kann man dein Auto jederzeit dir zuordnen. Gott bewahre wenn du da im Krankenstand bist und mit dem Auto grade am Palemnstrand spazieren fährst.

    • @drno

      thedarktower, vor 84 Tagen, 6 Stunden, 12 Minuten

      Um Gottes Willen!
      Immer dieses Windows mit seinen Sicherheitslücken! Sofort auf Linux umsteigen!

    • suit, vor 83 Tagen, 10 Stunden, 31 Minuten

      Als wenns unter Linux kein hosts-File gäbe :p ohne Loopback Interface wirds wohl etwas langweilig :D

  • Irgendwie verstehe ich das nicht...

    c1x111, vor 84 Tagen, 14 Stunden, 3 Minuten

    Wie schützt eine verschlüsselte DNS-Verbindung gegen Phishing? Phishing basiert ja darauf, dass die Phishing-Seite tatsächlich existiert; also existiert sie auch für die DNS.

    Gegen diverse (tatsächlich vorhandene Lücken) im DNS-Protokoll schützt noch immer am besten, die IP-Adressen und Namen fix in die hosts-Datei einzutragen! (Windows: C:/Windows/system32/drivers/etc/hosts, Unix-System: /etc/hosts). Das hilft übrigens auch gegen Stoppschilder und sonstige Stasi-2.0-Methoden.

    • cyana, vor 84 Tagen, 12 Stunden, 4 Minuten

      yup. Der Begriff 'Phishing' wird im Artikel nicht richtig verwendet. Bei Phishing wird der User durch Täuchungsmanöver auf eine falsche webpage gelockt. Beim oben beschriebenen Prozess hingegen erfolgt die Umleitung ohne Zutun des Users, sondern durch technische Manipulation an der DNS-Auflösung.

    • An c1x111:

      tomtiger, vor 83 Tagen, 22 Stunden, 16 Minuten

      Wurscht. Wer auf Phishing reinfällt ist selber schuld. Hier aber werden falsche Daten vom DNS Betreiber weitergegeben, das könnte Schadenrsatzforderungen nach sich ziehen.

      Merke: Niemand will die Benutzer schützen, man will sich nur vor Ansprüchen schützen.