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Flagge Großbritannien

Großbritannien bringt Netzsperren auf den Weg

DIGITAL ECONOMY BILL
20.11.2009|13:27

Die britische Regierung hat einen Gesetzesentwurf vorgestellt, der drakonische Maßnahmen gegen Urheberrechtsverletzungen in Online-Tauschbörsen vorsieht und dem britischen Wirtschaftsminister weitreichende Vollmachten bei der Bekämpfung von Copyright-Verstößen einräumt.

Im britischen Wirtschaftsministerium wurde am Freitagvormittag der bereits im Vorfeld heftig diskutierte Digital Economy Bill präsentiert, der auch drastische Maßnahmen zur Bekämpfung von Copyright-Verletzungen im Internet beinhaltet.

Laut dem Entwurf sollen die britischen Internet-Anbieter verpflichtet werden, Warnbriefe an Nutzer zu schreiben, die der Urheberrechtsverletzung verdächtigt werden und die Anzahl der Schreiben zu protokollieren. Die Internet-Anbieter müssen den Rechteinhabern diese Daten zur Verfügung stellen, damit diese mit Hilfe eines Gerichts Name und Adresse der verdächtigten Personen ausfindig machen können.

Drakonische Geldstrafen

Die Rechteinhaber können dann ein Zivilverfahren gegen die mutmaßlichen Urheberrechtsverletzer einleiten. Die Höchststrafe wird in dem Gesetzesentwurf mit bis zu 50.000 Pfund (55.500 Euro) festgelegt.

Auch Netzsperren geplant

Der Gesetzesentwurf sieht auch technische Maßnahmen wie etwa die Drosselung der Internet-Verbindung und temporäre Netzsperren vor.

Netzsperren sollen dann zur Anwendung kommen, wenn sich die Warnbriefe als nicht zielführend erweisen. Dies sei dann der Fall, wenn der unautorisierte Tausch von Inhalten innerhalb eines Jahers nicht um mindestens 70 Prozent zurückgehe, hieß es.

Überprüft werden soll das durch die britische Regulierungsbehörde Ofcom, die gegebenenfalls auch das britische Wirtschaftsministerium bei der Umsetzung der "technischen Maßnahmen" beraten soll. Die Ofcom soll schließlich auch die Internet-Anbieter anweisen können, die Netzsperren durchzuführen.

Weitreichende Vollmachten für Regierung

Für Aufregung sorgte ein vom britischen Wirtschaftsminister Peter Mandelson (Labour) kurzfristig eingefügter Passus, der dem britischen Wirtschaftsminister das Recht einräumen soll, künftig das zentrale britische Copyright-Gesetz, den Copyright, Designs and Patents Act (CDPA), nach Belieben und fast ohne parlamentarische Kontrolle zu ändern, um Rechteinhabern vor Copyright-Verletzungen zu schützen.

So soll es dem britischen Wirtschaftsminister künftig erlaubt sein, neue Rechtsmittel gegen Copyright-Verletzungen einzuführen. Er soll dem Antrag zufolge auch Rechte zur Verfolgung von Copyright-Verstößen übertragen können - etwa an die Musik- und Filmindustrie.

Die weitreichenden Befugnisse für den britischen Wirtschaftsminister sollen dazu dienen, rasch auf technologische Änderungen reagieren zu können, die durch das britische Copyright-Gesetz nicht abgedeckt seien, so ein Regierungssprecher. Kritiker sprachen hingegen von einer Privatisierung des Urheberrechts. Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) rief zum Widerstand gegen diese Maßnahmen auf.

Regulierung von Online-Speichern

Die Pläne zielen nach Meinung der EFF offenbar auch darauf ab, Online-Speicherdienste zu regulieren. In einem Schreiben an die Vorsitzende des britischen Unterhauses, Hariet Harman, wies der britische Wirtschaftsminister Peter Mandelson (Labour) im Vorfeld der Veröffentlichung des Gesetzesentwurfes explizit darauf hin, dass solche Dienste laut Rechteinhabern auch zum unautorisierten Tausch von Inhalten genutzt würden.

Würden Mandelsons Vorschläge vom britischen Parlament angenommen, könnten diese "Cyberlocker" ohne parlamentarische Kontrolle vom britischen Wirtschaftsminister, zu Tode reguliert werden, warnte die EFF.

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(futurezone)

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Forum

 
  • SOS

    tomislost, vor 80 Tagen, 12 Stunden, 43 Minuten

    Welch schöne Feinheit... der Union Jack im Bild ist verkehrt aufgehängt und das dient ja als SOS Zeichen. Passt perfekt. :-)

  • Sie wollen uns das Internet abdrehen

    max7c, vor 80 Tagen, 21 Stunden, 10 Minuten

    während wir uns längst mit Terabyte großen Datenträgern zum tauschen treffen und lokale WAN's aufbauen (über WLAN Richtfunk zB).

    Sie müssten es schon sehr weit treiben um das Tauschen tatsächlich unterbinden zu können. Soweit, dass zum Schluss ein Land übrig bleiben würde in dem das Leben nicht mehr lebenswert ist.

    Würden unsere Politiker tatsächlich soweit gehen, nur um das veraltete Geschäftsmodell der Content-Industrie zu Schützen?

    Im Moment siehts tatsächlich danach aus.

  • die überwachung findet bereits statt

    eierwecker, vor 80 Tagen, 21 Stunden, 30 Minuten

    versuch mal eine @gmx adresse mit echter anschrift aber irrtum beim namen zu registrieren: sofort kommt der hinweis, daß an der adresse etwas nicht stimmen könnte. woher wissens den das? verfügt also ein privatunternehmen in deutschland über österreichische meldedaten?

    • max7c, vor 80 Tagen, 21 Stunden, 22 Minuten

      Also ich konnte Problemlos ein Konto unter dem Namen Jack O'Neill anlegen...

    • Ich wusste nicht,

      c1x111, vor 78 Tagen, 13 Stunden, 34 Minuten

      dass das Telefonbuch geheim ist...

      Umgekehrt geht's nicht: Das Angeben einer nicht existierenden Adresse. Aber wo ist das Problem? Nimmt man halt einfach irgendeine Adresse aus dem Stadtplan...

  • Die Welt ist echt irre geworden...

    mindmachine, vor 80 Tagen, 23 Stunden, 31 Minuten

    Ich kaufe wirklich nichts mehr an CDs, DVDs usw.... Kill'em all!

  • Gesetzesentwurf

    kleinruebezahl, vor 81 Tagen, 3 Stunden, 49 Minuten

    Die Engländern sind zwar irre, aber so ein Gesetz werden selbst die nicht durchbringen. Wenn es nicht schon ihre eigenen Gerichtshöfe ablehnen, dann auf jeden Fall die internationalen.

    Überhaupt wird da in die falsche Richtung gekämpft. Die ganzen Irren von der Copyrightanstalt sind nämlich selbst korrupt, die eruieren schließlich Verkehrsdaten von Privatpersonen ohne Gerichtsbeschluss und auch noch ohne Staatsbeamte zu sein. Ein schweres Vergehen gegen den Datenschutz.

    Abgesehen davon haben wohl die meisten Musik- und Filmfans früher locker 99% aller Musik und Filme aufgenommen oder kopiert. Trotzdem sind die Jacksons und Spielbergs nicht verhungert. Ist also Gewohnheitsrecht. Gewerbsmäßiges Raubkopieren gehört allerdings abgestellt. Aber dafür braucht es keine Netzsperren.

  • solala, vor 81 Tagen, 4 Stunden, 22 Minuten

    Warum fällt mir da Pink Floyd, The Wall ein?

  • also nachdems dort

    kaharatschonbonatschon, vor 81 Tagen, 5 Stunden, 17 Minuten

    eh schon Terroranschläge haben, werden´s sich damit noch mehr Terror einhandeln, wenn´s dem Volk noch die Unterhaltung nehmen. Weil wenn sich die Strafen keiner leisten kann, und davon die Existenz bedroht ist, dann lässt man sich eben von Vater Staat unterhalten für Lebenslänglich. Dummerweise braucht man halt mind. 1 Mord dafür. Aber in Österreich wird´s genauso kommen, wenn da mehr und mehr vom Volk am Sand landet.

  • mrmenphrntschnsntschn, vor 81 Tagen, 5 Stunden, 47 Minuten

    klingt ja fast wie eine typisch österreichische "Lösung"...

    • Das klingt eher nach Kriegs- und ...

      vergesstwahlenkauftaktien, vor 81 Tagen, 5 Stunden, 33 Minuten

      ... Notverordnungsrecht.
      Absurd und laecherlich, waere es denn nicht so ernst - erinnert somit eher an Monty Pythons Ministry of silly walk (http://www.youtube.com/watch?v=IqhlQfXUk7w) als an Politik.

  • erwinkarl, vor 81 Tagen, 5 Stunden, 59 Minuten

    Zitat:
    "Netzsperren sollen dann zur Anwendung kommen, wenn sich die Warnbriefe als nicht zielführend erweisen. Dies sei dann der Fall, wenn der unautorisierte Tausch von Inhalten innerhalb eines Jahres nicht um mindestens 70 Prozent zurückgehe, hieß es."

    Schon lustig. Die restlichen 30% sind geschenkt? Von 10 Games darf er zukünftig im Jahr 3 straffrei illegal downloaden?

    • @erwinkarl

      arkasi, vor 81 Tagen, 5 Stunden, 26 Minuten

      Nein, denn zivilrechtlich ändert das ja nichts, es geht offenbar darum, besonders uneinsichtige Raubkopierer im Fall der Fälle eben vom Netz zu trennen.

    • paradeiser, vor 81 Tagen, 2 Stunden, 8 Minuten

      Das ist dann einfach möglich und wenn sich dann die rein technische Vorgangsweise so eingespielt hat,daß das in Echtzeit ruckzuck automatisiert funktioniert,wirds als nächster Schritt auch auf alles Andere erweitert.
      Willst Du etwa die falsche Partei wählen und schaust Dir deren Homepage an,bist schon abgeschaltet.Willst eine unbequeme Zeitung lesen,nicht das Produkt der Firma A,sondern jenes der Firma B bestellen,dito
      Und so gehts dann weiter