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EU-Parlament stimmt Telekompaket zu

REGULIERUNG
24.11.2009|12:52

Das EU-Parlament hat am Dienstag auf seiner Sitzung in Straßburg mit 510 von 736 Stimmen das lange umstrittene Telekompaket angenommen. Mit diesem Richtlinienbündel wird der Telekommunikationsmarkt der Union neu geordnet.

Unter anderem wird auf EU-Ebene ein Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (GEREK; auch: BEREC) installiert, das die Arbeit der Regulierungsbehörden in den Mitgliedsländern koordinieren soll.

Für eine lange Verzögerung der Annahme hat der Streit über den Zusatz 138 zur Rahmenrichtlinie gesorgt, der vom Parlament zum Schutz der Nutzer vor Internet-Sperren ohne richterlichen Beschluss bei Verletzung des Urheberrechts ("Three Strikes Out") eingebracht worden war.

Speziell die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens, die solche Maßnahmen gegen Urheberrechtsverletzer einführen wollen, hatten sich monatelang hartnäckig gegen die Festschreibung des Rechtsschutzes für Internet-Nutzer gesperrt. Zuletzt fanden Parlament und Rat zu einem Kompromiss, der eher zur Rechtsmeinung des Parlaments neigte.

Auf Anfrage von ORF.at zeigte sich die grüne EU-Abgeordnete Eva Lichtenberger zufrieden. "Ich habe dafür gestimmt", so Lichtenberger, "jetzt kommt es aber darauf an, dass die Vorgaben der Richtlinie zum Schutz der Bürger und ihrer Daten in den Mitgliedsstaaten - auch in Österreich - auch richtig umgesetzt werden. Wir haben einen optimalen Rechtsrahmen - die Regierungen müssen ihn nur umsetzen wollen."

Schnellere Rufnummernübertragung

Auch Paul Rübig, Telekomexperte der ÖVP im EU-Parlament und Unterhändler im Vermittlungsverfahren mit Kommission und Rat, zeigte sich nach jahrelanger Arbeit am Telekompaket mit dem Ergebnis zufrieden: "Der erzielte Kompromiss sieht vor, dass bei Urheberrechtsverletzungen im Internet der Zugang zwar eingeschränkt werden kann und die Mitgliedsstaaten entsprechende Maßnahmen beschließen können. Jede Einschränkung des Internet-Zugangs muss vorab auf dem Rechtsweg überprüft werden können. Ein faires und unparteiisches Verfahren ist garantiert", so Rübig in einer Aussendung vom Dienstag.

Auch in Details wie der Rufnummernmitnahme bringe das Telekompaket Vorteile für die Konsumenten. So dürfe die Rufnummernübertragung, für die die Telekoms bisher bis zu zwei Wochen brauchen durften, mit Inkraftteten der Richtline nur noch einen Werktag dauern.

Kritik von Bürgerrechtlern und Linksfraktion

Kritik kam hingegen von der Fraktion GUE/NGL, dem Bündnis europäischer Linksparteien. In einer Mitteilung vom Dienstag kritisierte die schwedische Abgeordnete Eva-Britt Svensson, dass das Telekompaket die Netzneutralität nicht nachhaltig sichere: "Das Internet könnte zu einem besseren Kabelfernsehen werden", warnte Svensson.

Außerdem unterwerfe das Telekompaket das Netz den Regeln des Binnenmarkts, und Einsprüche müssten damit vor dem EuGH geltend gemacht werden. "Die Redefreiheit sollte nicht vom EuGH geregelt werden", so Svensson.

Auch die französische Bürgerrechtsorganisation La Quadrature du Net hat das Telekompaket erneut scharf kritisiert. "Die schädlichen Passagen, die im endgültigen Text enthalten sind, könnten einen Schritt Rückwärts für den Schutz der Grundrechte im Internet bedeuten", so die Organisation in einer Mitteilung vom Dienstag. Das Telekompaket schütze die Netzneutralität nicht und lasse die Tür für wettbewerbsschädliche Praktiken seitens der Internet-Anbieter weit offen. Diese könnten nun ungehindert in den Datenverkehr eingreifen, um ihre kommerziellen Interessen durchzusetzen.

Das Telekompaket wird am 25. November 2009 von den Präsidenten des EU-Parlaments und des Rates unterzeichnet, es wird am 18. Dezember 2009 mit der Veröffentlichung im Amtsblatt der EU in Kraft treten. Das Regulierungsgremium GEREK soll im Frühjahr 2010 eingerichtet werden. Die Mitgliedsstaaten müssen die Bestimmungen des Telekompakets bis Juni 2011 umgesetzt haben.

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(futurezone/Günter Hack)

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Forum

 
  • na da freuen wir uns aber

    sowas11, vor 109 Tagen, 12 Stunden, 1 Minute

    kann man/frau da nicht ein festbanket für die eu-bonzen starten?

    sch*** eu.

    • sunwalker2006, vor 109 Tagen, 10 Stunden, 23 Minuten

      Zum Thema ansich ham sie nix zu sagen?

  • Kein Recht auf Internet, keine Netzneutralität

    max7c, vor 109 Tagen, 13 Stunden, 53 Minuten

    Sie habens wieder mal vermasselt.

    Hab ich ehrlich gesagt auch nicht anders erwartet.
    An Gesetzen die Vorteile für die Bevölkerung bringen gibt es unter den Politikern kaum Interesse, wenn es allerdings um die Überwachung selbiger geht ist alles Möglich und keine Verfassung bzw. kein Grundrecht ein Hindernis.

    • ACK. Welcome to the decades of stupidity ...

      vergesstwahlenkauftaktien, vor 109 Tagen, 11 Stunden, 23 Minuten

      ... and darkness.

      Im Mittelalter gabs dann munter peinliche (iS von Pein) Gerichtsbarkeit, die heilige und die sonstige Inquisition samt Anklaeger, Verteidiger und Richter in einem

      (Wink an die Fr. Erfolgsrichter & internationalem Co: da koennte man ja auch ganz doll viel sparen - und vielleicht ebenso dezent und diskret einfuehren wie eben die Verschiebung im Bereich der Schoeffen- und Geschworerengerichtsbarkeit?!)

      , Hexenhammer, Hexenverbrennung und andere allerlei lustige, das Volk, deren Bildung und Mut kleinhaltende Dinge.

      Heute sind es statt der katholischen Amtskirche die Konzerne, die da deren private Vorstellungen und Wuensche zu allgemein gueltigen Normen pervertieren, statt allgegenwaertiger Hexen gibt es eben die allgegenwaertigen Terroristen samt Raubmord- Kinderkopier- Pornoschaender und statt des old school Inquisitionsprozesses schafft man eben Verfahren unter Nichtbeteiligung mit Nichtmitwirkungsrechten der Beschuldigten (siehe HADOPI) und die generelle juritische Erbschuld aller, damit sie durch den Ablass der DR, SWIFT, Flugdaten et al. ihrer Suenden ledig werden koennen.

      Krieg ich ein Amen, hoere ich ein Halleluja?

  • Also hat der geheimdienstlich-industrielle ...

    vergesstwahlenkauftaktien, vor 109 Tagen, 15 Stunden, 42 Minuten

    ...

    • ...

      vergesstwahlenkauftaktien, vor 109 Tagen, 15 Stunden, 38 Minuten

      ... Komplex der EU obsiegt und mehr als einen Fuss in der Tuere.

      Aber, oh Wunder, sogar Teile der bisher gegen Ueberwachung auftretenden Fraktionen haltend as fuer einen Erfolg, wenn absolute, explizite Sauerein durch ein Gummiband ersetzt werden, das denen, die davon einseitig profitieren wollen, mehr als ausreichend Spielraum laesst.

      Na, auf die nationale Umsetzung duerfen wir uns alle freuen, da werden alle dann geradezu zu Loewen und Helden der Westentasche, denn "leider gibt uns das Bruessel wieder einmal vor".
      Schnief, der letzte dreht dann bitte das Licht ab.

  • Sollte die Welt

    yasokuhl, vor 109 Tagen, 15 Stunden, 43 Minuten

    mit der Zeit nicht liberaler werden? Wir bewegen uns aber in die andere Richtung, wies ausschaut,...
    Hat jemand den Artikel auf Krone gelesen, dass die britische Polizei ohne Verdacht willkürlich Menschen festnimmt, nur um DNA-Informationen zu sammeln?
    Ich hab echt Angst, worauf wir da zusteuern!

  • caveb, vor 109 Tagen, 18 Stunden, 15 Minuten

    Telekommunikationsmarkt

    Schade eigentlich da es nur ums aufteilen der Märkte geht.

    Eine Vision ob und was die Telekommunikation für Vorteile bringt hat da garkeiner.

    Aber wie man die Kunden regelmentieren kann. und wieviel man den kunden abknöpfen kann....