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Gegner der Data-Retention machen mobil

AK Vorrat
26.11.2009|19:33

Nach deutschem Vorbild wird am Dienstag eine parteienübergreifende Plattform gegen die Vorratsdatenspeicherung gegründet. Ziel von AK Vorrat Österreich ist es, die Umsetzung der Data-Retention-Richtlinie zu verhindern, da diese der österreichischen Verfassung widerspreche.

"Unser Ziel ist: keine Vorratsdatenspeicherung in Österreich. Noch besser wäre natürlich überhaupt keine Vorratsdatenspeicherung europaweit", sagte Andreas Krisch vom gerade in der Gründungsphase befindlichen Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung Österreich.

Kursiert war die Idee unter den "üblichen verdächtigen" Internet-Aktivisten bereits seit längerem, zumal das deutsche Gegenstück "AK Vorrat" mit einer Unzahl von Einzelveranstaltungen quer durch die Bundesrepublik vorgezeigt hatte, dass auch für dieses nicht einfach zu vermittelnde Thema inzwischen immer mehr Menschen zu mobilisieren sind.

Großdemonstrationen mit 25.000 Teilnehmern wie zuletzt im September in Berlin sind freilich nicht das vorrangige Ziel der Österreicher, die Bildung einer möglichst breiten Plattform schon.

"Verfassungswidrig"

"Wir haben abgewartet, was die Analyse des Boltzmann-Instituts aus wissenschaftlicher Sicht ergibt", sagte Krisch, "und da wurde eben unmissverständlich festgestellt, dass die Vorratѕdatenspeicherung dem Artikel 8 der europäischen Konvention für Menschenrechte und damit der österreichischen Verfassung widerspricht."

Da man nicht einfach dabei zusehen könne, wie grundrechtswidrige Gesetze beschlossen würden, seien alle interessierten Organisationen und Einzelpersonen zum Mitmachen aufgerufen.

Wer auch immer die Data-Retention ablehne, sei willkommen, darüber hinausgehende, politische Ziele würden nicht verfolgt, sagte Krisch, der Obmann der mithin ältesten Usergroup Verein der Internet-Benutzer (VIBE.at) ist und auch dem Dachverband der europäischen Bürgerrechtsorganisationen European Digital Rights (EDRi) vorsteht.

Unvereinbar, gerichtsanhängig

Man wolle eine möglichst breite Plattform ohne Berührungsängste nach dem Muster des deutschen AK Vorrat, in dem die unterschiedlichsten Organisationen zusammengeschlossen seien, so Initiator Krisch weiter.

Das deutsche Vorbild

Dem deutschen AK Vorrat gehören so unterschiedliche Organisationen und gesellschaftliche Gruppen wie der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, die evangelische Telefonseelsorge, der Chaos Computer Club, Gewerkschafter, Berufsverbände von Richtern, Rechtsanwälten und Handwerkern an.

Mehr zum Thema:

In Deutschland ist eine Massenklage von 30.000 Personen gegen die Vorratsdatenspeicherung beim Verfassungsgerichtshof anhängig. In Rumänien hatte der Verfassungsgerichtshof bereits Anfang Oktober die verdachtsunabhängige Erfassung und Speicherung sämtlicher elektronischer Kommunikationsvorgänge und Handystandortdaten als mit der rumänischen Verfassung unvereinbar erkannt.

Die Beteiligten

"Wir sind bereits mit einer Anzahl von ganz verschiedenen Gruppierungen im Gespräch." Genaueres dazu werde am Dienstag bekanntgegeben, sagte Krisch abschließend.

Zusammen mit dem Wiener Zentrum für Rechtsinformatik, das in diesem Jahr bereits mehrere Informationsveranstaltungen zum Thema Data-Retention abgehalten hatte, dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Menschenrechte und anderen veranstaltet man am kommenden Dienstag im Audimax der Universität Wien einen Roundtable.

Irritiert im Innenministerium

Mangels Einigung mit den Bundesministerien für Inneres und Justiz wurde der Entwurf des Boltzmann-Instituts nun öffentlich als Ministerialentwurf am vergangenen Freitag in Begutachtung geschickt.

Seitens des Innenministeriums zeіgte man sich darüber "äußerst irritiert", zumal der Abstimmungsprozess nicht abgeschlossen und der Entwurf nicht mit dem Koalitionspartner akkordiert sei. Ebenso wurden "schwerste Bedenken" geäußert, ob der Entwurf den Bedürfnissen der Polizei zur Kriminalitätsbekämpfung entspreche.

Dienstag, Audimax, Uni Wien

Vorratsdatenspeicherung: Jetzt wird's ernst! Roundtable am Dienstag, dem 1. Dezember 2009, 18.30 Uhr im Audimax der Universität Wien.

Links:

Überschießend, präventiv

Dass der vom Boltzmann-Institut für Menschenrechte ausgearbeitete Entwurf für eine Novelle des Telekommunikationsgesetzes im Innenministerium nicht eben begeistert aufgenommen wurde, überrascht wenig.

Der nunmehrige Ministerialentwurf zur Telekomgesetznovelle sieht eine ganze Reihe von Einschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen gegen eine "überschießende" Verwendung dieser Daten vor.

So soll auf diese Vorratsdaten nur bei schweren Straftaten Zugriff gewährt werden, während das Innenministerium etwa präventiven Zugriff auf die Internet-Verbindungsdaten verlangt hat, also ohne dass eine Straftat vorliegt.

CSV-Datei statt ETSI-Norm

Alle Zugriffe müssen dokumentiert werden, ebenso enthalten sind verschlüsselte Aufbewahrung und Übermittlung der Daten. Die sollen eben nicht über die mittlerweile berüchtigte ETSI-Überwachungsschnittstelle gehen, sondern als einfache CSV-Datei (Comma separated Values) übergeben werden.

Optionale Datenfelder

Während in Österreich noch über den Gesetzestext zur Einführung der Vorratsdatenspeicherung diskutiert wird, arbeiten Polizei und Geheimdienste im Telekomstandardisierungsinstitut (ETSI) bereits eine neue Serie von "optionalen" Datenfeldern in den Überwachungsstandard ein: Einzelabrechnungen, Bankverbindung, Volumen von Up- und Downloads. Sie wollen alle Details über die Bewegungen der Bürger in den Netzen erfassen.

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Das sei völlig technikneutral, zumal "kein Platz besteht für Vorschriften, bestimmte Programme zu verwenden oder gar eine komplexe Schnittstelle wie beispielsweise den ETSI-Standard zur Vorratsdatenspeicherung vollständig zu normieren", heißt es in den Erläuterungen.

Was einer schnellen Umsetzung weiters im Wege steht, ist der Umstand, dass dafür mindestens zwei Eingriffe in die Verfassung Österreichs nötig sind. Dafür bedarf es einer Zweidrittelmehrheit im Nationalrat, die momentan nicht gegeben ist.

Die drei Oppositionsparteien kündigten an, sämtliche Gesetzesvorhaben bis März zu blockieren. Grüne und BZÖ sprachen sich zudem deutlich gegen die Vorratsdatenspeicherung in toto aus, in der FPÖ diskutiert man noch.

(futurezone / Erich Moechel)

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Forum

 
  • Keine Oasen für kriminelle Geister!,...

    neutrino, vor 72 Tagen, 16 Stunden, 11 Minuten

    mit Hilfe der Ethikkommission wird sicherlich das rechte Mass gefunden werden,...;-)

    http://futurezone.orf.at/stories/1632211/
    .:.

  • deutsche übersetzung

    rennesblog, vor 74 Tagen, 7 Stunden, 28 Minuten

    mittlerwiele gibt es auch die deutsche und englische übersetzung des rumänischen urteils.

    http://rennes-blog.blogspot.com/2009/11/rumanien-data-retention.html

  • Es ist interessant, wie viele Menschen nichts zu verbergen haben.

    eudiktator, vor 74 Tagen, 9 Stunden, 48 Minuten

    Aber sich weiter auf dem WC einsperren, beim Sex die Vorhänge zuziehen, beim Anprobieren von Kleidungsstücken eine Umkleidekabine nützen, (Noch) anonym an Diskussionen im Internet teilnehmen, eine Geheimnummer haben oder ihre Rufnummer bei einem Anruf unterdrücken, ein Problem damit hätten wenn jemand ihre Poststücke öffnet oder ihre Handygespräche mithört oder SMS liest, nur anonym an Umfragen teilnehmen, keine Fotos von sich im Internet finden wollen, nicht über ihr Gehalt oder ihre Krankheiten sprechen etc. - oder sind das auch genau die Menschen, die zwischen diesen Themen und der Vorratsdatenspeicherung keine Parallelen ziehen können?

    • kramsel, vor 74 Tagen, 9 Stunden, 14 Minuten

      naja zwischen standortermittlung eines handys und das benutzen einer umkleidekabine is doch ein großer unterschied!

      du fasst es nur unter dem allg. Begriff Privatsphäre zusammen!

    • Richtig. Es geht um die Privatsphäre die geopfert werden soll.

      eudiktator, vor 74 Tagen, 8 Stunden, 27 Minuten

      Nicht um kriminelle Dinge die man verbergen möchte. Im Regelfall reichen schon die Daten im Browsercache der lokalen Festplatte um von sexuellen Neigungen bis zur Parteizugehörigkeit und Bankverbindungen alles mögliche über einen Menschen herauszufinden. Das was der Provider auf der anderen Seite auf "Vorrat" speichern kann macht den Internetnutzer endgültig zum gläsernen Menschen. Ich weiß nicht wie viele Menschen, die nichts zu verbergen haben, eine Webcam auf ihren Monitor richten und die Bilder live im Internet übertragen würden. Der angedachte Wahnsinn ist ja nichts anderes, als hinter jeden Internetnutzer einen Polizisten zu stellen der permanent über die Schulter schaut um bei eventuellen Rechtsverstößen sofort einschreiten zu können. Ist das für die Leute die nichts zu verbergen haben tatsächlich eine so erstrebenswerte Vorstellung?

  • Man könnte dieses Forum...

    wilf123, vor 74 Tagen, 10 Stunden, 17 Minuten

    auch das Paranoia-Forum nennen. Was manche dabei vergessen ist: "in Freiheit leben" kann man nur bis zu einem gewissen Mass an Kriminalität. Es gibt Staaten auf der Erde, da sind kaum staatliche Strukturen, also keine Unterdrückung aber die Kriminalität ufert so aus, dass alle in Angst leben. Manchen Leuten wäre recht die Polizei würde mit Methoden des 19. Jahrhunderts arbeiten während sich Kriminelle schon im 21 Jahrhundert befinden. Ich sage nicht, dass es unbedingt Data-Retention sein muss, aber die Kriminalität muss wirksam bekämpft werden können. Es gibt jetzt schon zu viel davon.

    • Paranoia ist auch

      c1x111, vor 74 Tagen, 10 Stunden, 9 Minuten

      sich von der in Österreich immer noch sehr geringen Kriminalitätsrate verfolgt zu fühlen!

      Aber klar: Politiker sagen immer die Wahrheit, und jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, dessen Bruder jemanden kennt, bei dessen Schwager schon eingebrochen wurde oder dessen Tante schon mal überfallen wurde.

      Was auch kein Wunder ist: Denn dieses "Kennen" exponentiert sich mit jedem Schritt. Angenommen, jeder kennt 100 Leute, dann sind's im zweiten Schritt 10.000, im dritten 1 Million, im vierten 100 Millionen, im fünften 10 Millarden, also mehr als die Erdbevölkerung!

    • @wilf123

      hotdocdcs, vor 74 Tagen, 10 Stunden,

      "Diejenigen, die ihre Freiheit zugunsten der Sicherheit aufgeben, werden am Ende keines von beiden haben - und verdienen es auch nicht." Benjamin Franklin

    • calypso, vor 74 Tagen, 9 Stunden, 45 Minuten

      "Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist zu Recht ein Sklave" (Aristoteles)

      Leider gibt es immer mehr Leute, die, um nur einen Kriminellen zu fassen gerne in Kauf nehmen, daß 100 Unschuldige über die Klinge springen.

      Wie hat ein hoher deutscher Sicherheitsbeamter stolz mal erklärt: Mit dem Bundestrojaner würde die Aufklärungsrate um 0,0025% pro Jahr steigen. Na dann..

      Hinweis: Im ersten Quartal 2009 gab es in Österreich bereits mehr Handyortungen als Datenschützer im Worst-Case-Szenario für das ganze Jahr 09 angenommen hatten.

  • Wieder eine Ablenkung!

    derspotter, vor 74 Tagen, 11 Stunden, 58 Minuten

    Das ist schon wieder eine der üblichen ASblenkungen von den ungleich größeren Ungeheuerlichkeiten, die sich auf EU-Ebene als Vasallentuim gegenüber den USA - und deren Interessen - abspielen. Etwas dass den USA ein ungehionderter Zugang zu allen Bankdaten in der EU eingeräumt wird, wenn die nur "Kampf gegen denb Terror" schreien! Mit diesen Bankdaten - nicht nur jene, die im Verkehr mit den USA anfallen, sondern auch solche innerhalb jeden EU-Landes! - können die USA allen Wirtschaftsverkehr ausspionieren. "Verschwörungstheorien"? Nein, Schon drohen sie, die noch immer in den USA stehenden Server und Datenbanken von SWIFT einfach zu beschlagn ahmen, wenn in der EDU nicht auf Zuruf gespujrt wird. Warum stehten denn die (europäischen) SWIFT-Server überhaupt in den USA? Aha, genau so wie auch die Goldbestände - mit Ausnahme der französischen, die De Gaulloe schon 1967 zurück holte - der EU-Notenbanken noch immer in den USA ("Fort Knox") liegen müssen. Damit die US-Regierung jederzeit mit der Ausrufung eines "Kampf gegen den Terror" oder Proklamation eines "Schurkenstaates" darauf Zugriff hat und sie ganz offiziell beschlagnahmt.

    • Ich frage mich auch, warum die Erhöhung der Bezüge...

      eudiktator, vor 74 Tagen, 11 Stunden, 26 Minuten

      ...für EU-Abgeordnete medial regelrecht untergegangen ist während man von der Schweinegrippe und der Vorratsdatenspeicherung praktisch jeden Tag lesen kann.

  • Dynamit sollte eigentlich nur den Bergarbeitern die Arbeit erleichtern.

    eudiktator, vor 74 Tagen, 12 Stunden, 11 Minuten

    Atomspaltung sollte eigentlich nur der Energiegewinnung dienen. Und die Vorratsdatenspeicherung soll nur bei der Verbrechensbekämpfung helfen. Träumt weiter!

  • fenris79, vor 74 Tagen, 12 Stunden, 14 Minuten

    Es geht nicht mal um Manipulation der Daten.

    Es genügt wenn sich die Interpretation ändert.

    Die persönliche Freiheit KANN dadurch Massiv eingeschränkt werden. Es muss nicht passieren aber schon alleine die Möglichkeit dazu darf nicht gegeben sein, vor allem bei so einem fadenscheinigen Hintergrund wie der Terrorbekämpfung.

  • @ berggott

    chilliking, vor 74 Tagen, 12 Stunden, 30 Minuten

    Ich empfehle Ihnen - für besseres Verständnis der Thematik - diesen Link:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23625/1.html

    • Glauben Sie das wirklich?

      bernhard1701, vor 74 Tagen, 12 Stunden, 10 Minuten

      Nämlich dass jemand, der Postings wie der von Ihnen Adressierte schreibt, versteht, was der Autor der von Ihnen verlinkten Seite meint? ;-)

    • Nein, das glaube ich nicht.

      chilliking, vor 74 Tagen, 10 Stunden, 10 Minuten

      Aber ich will es zumindest versucht haben ;)

  • der begriff "Data-Retention"

    xy13, vor 74 Tagen, 12 Stunden, 33 Minuten

    ist denkbar ungünstig gewählt (wahrscheinlich absichtlich). unter retention versteht man üblicherweise zurückhalten.
    unter zurückhalten von daten würde ich z.b. verstehen, dass die betreiber diese nicht weitergeben und nicht dass daten gespeichert werden...

  • Ich hoffe @berggott ...

    walkoffame, vor 74 Tagen, 12 Stunden, 33 Minuten

    ... ist nur ein Troll der provozieren möchte. Soviel Naivität gepaart mit Arroganz wäre sehr bedenklich.

    • Mission erfüllt!

      berggott, vor 74 Tagen, 12 Stunden, 19 Minuten

      Ganz genau erkannt,@walkoffame ! Ich wollte nur,dass die Sache differenziert betrachtet wird.Niemand will, dass seine privat ausgetauschten Liebeleien oder auch Gehässigkeiten irgendwie an die Öffentlichkeit gelangen,seis im Original oder bewußt manipuliert. Genausowenig ist aber niemand daran interessiert,dass eben Kriminelle ungestört mittels moderner Einrichtungen mitteinander kommunizieren können und dann die Polizeiarbeit nicht auf diese Daten zurückgreifen darf.Also muß der Gesetzgeber eine vernünftige Lösung suchen. Und dass ein paar Heißläufer gleich von Stasimethoden sprechen,finde ich schon etwas übertrieben!