Standort: futurezone.ORF.at / Meldung: "EU: Innenausschuss gegen SWIFT-Abkommen"

Hauptquartier der internationalen Finanztransaktionszentrale SWIFT in Brüssel.

EU: Innenausschuss gegen SWIFT-Abkommen

EUROPA
04.02.2010|15:39

Der Innenausschuss des EU-Parlaments hat mehrheitlich einem Bericht zugestimmt, der dem Plenum empfiehlt, die Ratifizierung des Finanzdatenabkommens mit den USA (SWIFT-Abkommen) abzulehnen. Die Kritiker des Abkommens sehen das Abkommen als unverhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte der EU-Bürger an.

Der Innenausschuss (JURI) des EU-Parlaments nahm in seiner Sitzung vom Donnerstag mit 29 gegen 23 Stimmen bei einer Enthaltung den Bericht der niederländischen Abgeordneten Jeanine Hennis-Plasschaert (ALDE; Liberale) an. In dem Bericht wird dem Parlament empfohlen, auf seiner Sitzung in der kommenden Woche in Straßburg gegen die Ratifizierung des Finanzdatentransferabkommens mit den USA (SWIFT-Abkommen) zu stimmen.

Hennis-Plasschaert begründete die Ablehnung des Abkommens im Bericht unter anderem damit, dass der Rat dem Parlament nicht alle Fakten zu dem Abkommen rechtzeitig vorgelegt habe und das Abkommen unverhältnismäßig sei und in die Grundrechte der EU-Bürger eingreife. Das EU-Parlament wird voraussichtlich am 11. Februar über das Abkommen abstimmen. Es ist dabei nicht an das Votum des Innenausschusses gebunden. Die Abstimmungen in den Fachausschüssen gelten aber als wichtige Wegweiser für das Votum im Plenum.

Die Berichterstatterin sagte, dass die Abgeordneten stark unter Druck gesetzt worden seien, für das Abkommen zu stimmen.

Positionskampf in der EVP-Fraktion

"Es ist 29 zu 23 für die europäischen Bürgerrechte ausgegangen", sagte Ernst Strasser, der als einziger Österreicher dem Sicherheitsausschuss angehört, am Donnerstag zu ORF.at.

Zusammen mit Abgeordneten von CDU/CSU und anderen konservativen Parteien lehnt die österreichische EVP-Delegation das Interimsabkommen mit den USA in seiner derzeitigen Form ab. Das ist allerdings eine Minderheitsposition, denn die Mehrheit der EVP-Abgeordneten sprach sich bis jetzt für das Abkommen aus.

Das Abstimmungsergebnis zeige, so Strasser zu ORF.at, dass das Parlament dem Abkommen "außerordentlich kritisch" gegenüberstehe und dass die Einhaltung der Bürgerrechte ebenso hoch anzusetzen sei wie der Kampf gegen den Terrorismus.

Jedenfalls sei das Ergebnis ein "klares Signal an den Rat und die spanische Präsidentschaft, zu handeln. Hier muss es Nachbesserungen geben, die den vom Parlament vorgegebenen Grundlinien entsprechen."

SPE begrüßt Entscheidung

Für die Sozialdemokraten begrüßte SPÖ-Delegationsleiter Jörg Leichtfried am Donnerstag in einer Aussendung die Entscheidung des Innenausschusses. Diese sei "ein wichtiger Gradmesser für die Abstimmung im Plenum in der kommenden Woche" und "ein klares Zeichen für das neue Selbstbewusstsein des Europäischen Parlaments".

Es sei zu erwarten, dass sich in der kommenden Woche auch eine Mehrheit der EVP-Abgeordneten gegen das Abkommen aussprechen werde.

Streit über Interimsabkommen

Die USA zapfen seit 2002 Daten aus der internationalen Finanztransaktionszentrale SWIFT ab. Da SWIFT seit Jänner dieses Jahres die innereuropäischen Transaktionen in seinen Rechenzentren in den Niederlanden und in der Schweiz abwickelt, sollte der Zugriff durch US-Fahnder auf diese Daten im Rahmen des Terrorfinanzierungsanalyseprogramms TFTP durch ein neues Abkommen geregelt werden.

Das aktuell umstrittene Abkommen soll bis Ende Oktober 2010 gelten. Bis dahin wollen Rat, Kommission und Parlament mit den USA eine länger gültige Vereinbarung ausgehandelt haben. Rat und Kommission hatten das Interimsabkommen am 30. November verabschiedet - einen Tag vor Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon, der dem Parlament auch in Sicherheitsfragen ein Mitspracherecht gibt.

Obwohl das Abkommen zum 1. Februar vorläufig in Kraft getreten ist, sieht SWIFT selbst darin ohne die Zustimmung des Europaparlaments keine ausreichende rechtliche Grundlage zur Übermittlung innereuropäischer Finanztransaktionsdaten in die USA. Das Unternehmen könne entsprechenden Forderungen daher einstweilen nicht nachkommen, teilte es am Montag mit.

Mehr zum Thema:

(futurezone)

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

 
  • obama wird seine daten bekommen

    bärnd, vor 44 Tagen, 23 Stunden, 6 Minuten

    danach werden viele staatskonten geschlossen,und diverse finanzielle vorderungen am bürger eingestellt.
    antike gesetze werden überholt,und das volk,sowie der volksbestand erholt sich wieder ;)e

  • Europa soll sofort die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

    stromhexe, vor 44 Tagen, 23 Stunden, 19 Minuten

    der EU ausrufen. Russland und Europa könnten ein unglaublich mächtiger Faktor werden. Die Russische Wut und die Europäische Intelligenz könnten ein guter Mix werden. Die Deutschen sollen endlich umdenken und nach Moskau schauen. Eine Euro Sowjetische Allianz mit dem Iran könnte Europa nach vorne bringen.

    • kramsel, vor 44 Tagen, 23 Stunden, 18 Minuten

      stimmt als äquivalent zu den usa und china

  • Gründe

    rob86, vor 44 Tagen, 23 Stunden, 24 Minuten

    Mich würde vor allem interessieren, warum einzelne EU-Staaten überhaupt FÜR besagte Weitergabe der Daten ist.
    Was erhoffen sie sich daraus? Ich kann mir nicht vorstellen, dass so eine Entscheidung in einer Bevölkerung mehrheitsfähig ist. Also muss es doch um andere Interssen gehen. Welche?

    • rob86, vor 44 Tagen, 23 Stunden, 23 Minuten

      Ups, natürlich meinte ich "...FÜR besagte Weitergabe der Daten sind."

    • sunwalker2006, vor 44 Tagen, 14 Stunden, 57 Minuten

      Weil einige EU Staaten zutiefst Ami-hörig sind?

  • obama wird seine daten bekommen

    bärnd, vor 44 Tagen, 23 Stunden, 29 Minuten

    danach werden viele staatskonten geschlossen,und dieverse finanzielle vorderungen am bürger eingestellt.
    antike gesetze werden überholt,und das volk,sowie der volksbestand wird sich erholen.

  • Genauso!

    kramsel, vor 44 Tagen, 23 Stunden, 36 Minuten

    Zeigts den überheblichen Amiä.... dass sie nicht alles haben können was sie wollen!

  • Wir dürfen uns nicht vera****en lassen!

    cocktailbar, vor 44 Tagen, 23 Stunden, 46 Minuten

    ... wenn jemand nach Amerika einreist, muss er Sachen über sich ergehen lassen wie ein Schwerverbrecher. Umgekehrt? Fehlanzeige!

    ... die Amis wollen Daten von Flug-passagieren, unseren Banken und weiß Gott was sonst noch alles. Umgekehrt? Fehlanzeige!

    ... "Obama verliert die Geduld mit Europa" Das ich nicht lache. Sorry, Mr. President, wir haben andere Wertevorstellungen. Wie wär's mit umgekehrt? Fehlanzeige?

    Ich bin kein genereller Amerika-Hasser, aber Europa sollte sich nicht alles gefallen lassen und der USA auch die Grenzen zeigen. Dafür haben wir die EU! Österreich könnte alleine nichts bewirken, aber die EU kann sicherlich selbstbewuster auftreten...

  • Die USA probiert einfach aus wie weit sie gehen kann

    poli2, vor 45 Tagen, 17 Minuten

    und damit war sie ja auch ziemlich erfolgreich.

    siehe z.b. auch datenlieferung ALLER (also auch inner-europäischer) flug-passagiere. da braucht man sich über den wunsch über die inner-europäischen bank-transaktionen nicht wundern.

    all das beruht aber natürlich nicht auf gegenseitigkeit.

    schuld sind/waren (leider) schon unsere politiker.

  • die amis sollen .... gehen!

    duke, vor 45 Tagen, 17 Minuten

    glauben die wirklich sie können eine "moderne diktatur" ausrufen. "ich sagen du machen" funktioniert schon im normalen leben nicht.
    dazu: nein, meine daten gehen die ami´s nichts an und tschüss!

  • verständlich

    weha48, vor 45 Tagen, 1 Stunde, 34 Minuten

    wenn die USA nach starken Partnern suchen,welche dazu im Stande sind den Untergang der einstigen Wirtschaftsmacht etwas hinauszuzögern !

  • Wen bitte gehen die Amis

    neuermond, vor 45 Tagen, 6 Stunden, 7 Minuten

    die blos alles und jeden kontrollieren wollen nicht am Kecks.
    Ich bin absolut dagegen das unsere Daten denen gegeben werden, die sollen sich selbst kontrollieren damit ihr Kontrollwahn befriedigt wird.
    Eine Frechheit andere Länder mit der eigenen Paranoia zu belästigen.
    Deren Absichten kennt ja inzwischen jedes Kind und die wähnen sich noch für klug.
    Viele Politiker haben keine Gesichter mehr sondern Fratzen.