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Wienux scheiterte an Sprachkenntnissen

13.06.2008|07:00

Eine Verquickung von Missverständnissen und Zeitdruck hat dazu geführt, dass in Wiens Kindergärten neben Wienux nun auch Windows zum Einsatz kommt. Die zuständige MA 10 hatte den Auftrag für eine Software zur Erfassung der Sprachkenntnisse von Kindern schon vergeben, als klarwurde, dass diese nur im Internet Explorer und damit nicht unter Wienux läuft.

"Der Auftrag war schon draußen, als wir erfahren haben, dass die Software 'bi-Cube LC' unter Wienux nicht nutzbar ist", erklärte Christine Spieß, Dienststellenleiterin der für die städtischen Kindergärten zuständigen Magistratsabteilung [MA] 10, den Anfang vom Ende der ausschließlichen Nutzung der stadteigenen Linux-Distribution Wienux in Wiens Kindergärten.

Die eigenen EDV-Beauftragten seien davon ausgegangen, dass "bi-Cube LC", eine Software der Rostocker Firma iSM zur Erfassung der Sprachkenntnisse von Kindern, auch unter Wienux einsetzbar sei. "Gott sei Dank" sei man rechtzeitig draufgekommen, dass diese nur mit dem Internet Explorer und damit nur unter Windows funktioniere, so Spieß gegenüber ORF.at.

Nun sei in den Wiener Kindergärten neben Wienux eben auch Windows XP im Einsatz, und eigentlich sei die MA 10 damit auch gar nicht so unzufrieden: "Wir sind froh, dass jetzt alles funktioniert."

Das "Schlaumäuse-Gerücht"

Spieß wies auch den immer wieder geäußerten Vorwurf von sich, Microsofts Lernsoftware "Die Schlaumäuse" habe dazu geführt, dass in Wiens Kindergärten nun Windows laufe.

"Sie haben es uns vor zwei Jahren einmal angeboten, aber da haben es unsere Pädagoginnen als nicht geeignet klassifiziert, und wir haben abgelehnt. Nun, bei der Verhandlung für die Umstellung, haben sie es wieder mitgebracht, und nun ist es tatsächlich besser." Im Einsatz ist die Software laut Spieß allerdings noch nicht und auch nicht der Grund für die Umstellung.

Spieß beharrte darauf, dass Wienux in den Kindergärten nach wie vor seinen Platz habe: "Wienux wird auch bei uns weiter genutzt, ich habe das extra abgefragt, und es gibt Kolleginnen, die auch weiterhin Wienux nutzen wollen."

Erweiterung der "Schülermatrik"

"Bi-Cube LC" ist eine Erweiterung der seit einigen Jahren im Wiener Stadtschulrat im Einsatz befindlichen "Schülermatrik" ["SM-Online"]. Dieses Programm wird nun auch im Rahmen der seit Anfang Juni laufenden Überprüfungen ["Screenings"] der Wiener Kindergartenkinder auf ihre Sprachfähigkeiten eingesetzt.

Sprachtest im Kindergarten

Diese Screenings sind eine Umsetzung der nach langen Verhandlungen Ende Februar von der Stadt Wien unterzeichneten 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, die unter anderem eine Sprachförderung im letzten Kindergartenjahr vorsieht. Dazu ist es nötig, dass Wiens Kindergärtner feststellen, ob ein Kind Sprachförderung braucht. Die entsprechenden Informationen tragen sie via Browser-Interface in ein Verwaltungssystem ein, das von iSM entwickelt wurde.

Kurze Vorlaufzeit

"Unsere Software ist seit 14 Tagen produktiv im Einsatz", so iSM-Chef Gerd Rossa gegenüber ORF.at. Der Vorlauf dafür sei allerdings äußerst kurz gewesen, "innerhalb eines Monats musste alles fertig sein".

Da die bisherigen iSM-Systeme für den Wiener Stadtschulrat, eben besagte Schülermatrik, alle im Internet Explorer [IE] laufen und auch einige Java-Scripts nutzen würden, die nur im IE funktionieren, habe man es in der kurzen Zeit nicht geschafft, eine Version zu schreiben, die auch unter Wienux funktioniert hätte.

200 Manntage für unabhängige Version

"Ich bin völlig technologieneutral, ich habe meinen Kunden auch schon Linux-basierte Systeme angeboten, aber die wollten das nicht haben", so Rossa gegenüber ORF.at. "80 Prozent von dem, was wir für die Erweiterung gebraucht haben, war zudem schon fertig. Etwas gänzlich Neues aufzubauen hätte deutlich länger gedauert."

Laut Rossa würde sein Unternehmen "über den Daumen" 200 Manntage dazu benötigen, eine plattformunabhängige Version herzustellen. Diese neue Version zu schreiben wäre die Stadt deutlich teurer gekommen als die nun erfolgte Umstellung auf Dual Boot in den Wiener Kindergärten, für die 107.000 Euro budgetiert waren. Zudem hätte Wien mit der Frühförderung ein Jahr warten müssen.

Kein Auftrag bisher

Allerdings wurde eine solche Version laut Rossa auch nicht insistierend nachgefragt. Laut Spieß wird bei der MA 10 derzeit nicht daran gedacht, das System eventuell für den Betrieb auf Wienux umzustellen.

Die bisherigen Kunden von iSM sind unter anderen die AUVA, die OMV und Versicherungen wie die Generali.

Umstellung teilweise bereits erfolgt

In Wiens Kindergärten laufen nun 360 Rechner wahlweise unter Windows XP und Wienux, und zwar die Rechner für die Verwaltung, so Erwin Gillich, Leiter der für Wiens EDV zuständigen MA 14. Die restlichen 360 PCs für die Gruppenarbeit sollen im Herbst umgestellt werden. Zwar wurden für die Umstellung Vista-Lizenzen gekauft, diese ermächtigen aber auch zum Einsatz von Windows XP, und das eigne sich für die aktuelle Hardware besser als Vista, so Gillich.

Damit sinke nun der Anteil der Rechner, die rein unter Wienux laufen, erneut, stellt Gillich mit Bedauern fest: "Mir persönlich tut die Entscheidung sehr leid, aber wir sind nur Dienstleister und setzen um, womit wir beauftragt wurden." Open Source sei aber weiterhin fixer Bestandteil in Wiens EDV, alleine 400 Server würden im Magistrat unter Open-Source-Software laufen.

Entscheidung im Herbst?

In Summe ist die MA 14 für 32.000 Rechner in Wien zuständig, davon 12.000 in Wiens Schulen, die ausschließlich unter Windows laufen - auf Wunsch der Kunden, wie Gillich betont. Bis auf die Kindergarten-Rechner werde auch keiner dieser Rechner aktualisiert oder etwas darin investiert, bis die von der Stadt Wien in Auftrag gegebene Studie STOSS 2 über den Einsatz von Open Source in der Wiener Stadtverwaltung erscheint.

Sie soll spätestens im Herbst fertig sein und als Grundlage für eine Entscheidung dienen, wie nun in Wien mit Open Source und Wienux weiter vorgegangen werden soll.

Strategische Entscheidung

Ohne diese Grundsatzeintscheidung sieht Gillich den Einsatz von Wienux in Wien auf sehr dünnen Beinen, auch wirtschaftlich: "Die Lizenzen für Windows und Office kosten pro Arbeitsrechner 93 Euro - inklusive aller anderen Lizenzen wie SAP belaufen sich die Kosten allerdings auf um die 1.500 Euro, da fallen die 93 Euro nicht mehr ins Gewicht."

Angesichts der Probleme mit SAP unter Linux würden die Dienststellenleiter, denen der Einsatz von Wienux oder Windows freigestellt wurde, sich eher für Windows entscheiden als für das grundsätzlich kostenlose Wienux. "Ohne strategische Entscheidung wird das nie was", so Gillich.

Für eine etwaige Um- und Aufrüstung auf Windows und Microsoft Office sei bereits eine Rücklage von 2,7 Millionen Euro genehmigt worden, so Gillich. In der Maximalvariante [mit Windows Vista und Office 2007] würden sich die Kosten auf acht Millionen Euro belaufen, wovon rund ein Achtel für die Aufrüstung der Hardware ausgegeben werden müsste.

[futurezone | Nadja Igler]

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Forum

 
  • "Java-Scripts" oder "Javascript"?

    cyberman, vor 606 Tagen, 7 Stunden, 46 Minuten

    Ich bin nicht sicher was lächerlicher wäre.

    Wenn es sich wirklich um JAVA-Scripts handelt, würde ich empfehlen ZUERST zu prüfen ob auf den neuen Systemen auch die richtige Java-Version installiert werden kann.
    Nicht erst einmal hat eine Java-Applikation eine ältere Java-Version benötigt um zu funktionieren...

    • suit, vor 606 Tagen, 6 Stunden, 13 Minuten

      jetzt wo dus sagst - es werden schon JavaScript-Scripte gemeint sein, JAVA-Scripte selbst wären plattformunabhängig, ob die laufen oder nicht ist vom JRE abhängig, da kann der IE noch so wild werken ;)

  • auch so kann man ...

    critcom, vor 606 Tagen, 9 Stunden, 9 Minuten

    ... "strategische Entscheidungen" herbeiführen.
    Aber die Rückstellungen zeigen ja schon, dass der flächendeckende Einzug von M$-Produkten von langer Hand geplant ist.

    Aber warum wird jetzt die MA10 vorgeschoben? In Wien darf doch kein Mausklick getan werden, ohne dass die MA14 ihren Sanktus dazu gibt ...

  • "Gott sei Dank"

    poli2, vor 606 Tagen, 9 Stunden, 47 Minuten

    wer für seinen IT-job den "lieben gott" braucht, der/die sollte wohl besser den beruf wechseln.

    • des hab ich mir auch gedacht..!!

      nerdman, vor 606 Tagen, 9 Stunden, 7 Minuten

      Wofür zahlen wir die hirten eigentlich da oben ??? Ich mein mir wird vorgeschrieben wie ich autofahren, bauen und atmen soll. Fehler passieren überall keine frage, aber dafür sind ja extra Kontrollinstanzen geschaffen worden. Schildbürger !

  • Nur wegen der WIENUX-Umstellung

    wirtschaftsflüchtling, vor 606 Tagen, 10 Stunden, 20 Minuten

    werden eine Handvoll Birkenstockträger jahrelang überbezahlt beschäftigt.
    Da sind doch XP- und Office-Corporatelizenzen um einiges billiger.
    Der Aufwand für die Birkenstockfraktion rechnet sich nie und nimmer!

    • @wirtschaft....

      learner, vor 606 Tagen, 9 Stunden, 37 Minuten

      ... gibts eigentlich einen Grund fuer dein sinnloses, beleidigendes Posting?

    • Ach was,

      max7c, vor 606 Tagen, 8 Stunden, 15 Minuten

      für XP und Office fallen Lizenzkosten an, bei Linux gibts die nicht.
      Techniker die die Kisten am laufen halten braucht man bei beidem.
      Dass sie eine eigene Distribution pflegen halte ich allerdings auch für unnötig.
      Debian, Ubuntu oder was auch immer hätte bestimmt auch gereicht.

    • asdf111, vor 606 Tagen, 6 Stunden, 45 Minuten

      Verdammt! Ich verwende Linux und trage keine Birkenstock. Irgendwas mach ich falsch...

    • @learner

      mamsi, vor 606 Tagen, 6 Stunden, 18 Minuten

      unabhängig von MS oder sonst noch was.......aber auch du musst mal verstehen das OpenSource ungleich Free ist, nochdazu in einem operativen Umfeld wo es um so banale Dinge wie Support und Updates geht, und die gibts nirgends umsonst!!!

    • @mamsi

      learner, vor 606 Tagen, 4 Stunden, 48 Minuten

      wo und wann haette ich etwas in der Art geschrieben?

      Abgesehen davon: Es gibt sehr wohl kostenlosen Support (ist nur eine Definitionsfrage). z. B.: viele Debian Entwickler haben mir schon kostenlos Support geliefert.

      Ergo gibt es Support auch 'umsonst' :-)

      Was den professionellen Bereich betrifft, stellt sich auch die Frage nach Kosten/Nutzung. In manchen Bereichen ist vertraglich vereinbarter Support unumgaenglich. In manchen Bereichen kann man durchaus darauf verzichten.

    • @asdf111

      learner, vor 606 Tagen, 4 Stunden, 44 Minuten

      detto. Glaube aber, dass der wirtschaftsfluechtling einfach nur frustriert ist, weil er Linux nicht bedienen kann.

      @wirtschaftsfluechtling:
      das ist selbstverstaendlich auch nur eine Behauptung meinerseits und durch keinerlei Fakten untermauert. Aber naja - wie du mir, so ich dir.

  • fuer die kohle,

    bröselmaschine, vor 606 Tagen, 10 Stunden, 23 Minuten

    die sie fuer die vista lizenzen ausgeben, kann man sich sprachsoftware programmieren lassen, die sprechen, malen, kinder betreuen, bier brauen und das auto waschen kann. was fuer ein laecherliches verlogenes argument.

    • Jaja!

      wirtschaftsflüchtling, vor 606 Tagen, 10 Stunden, 19 Minuten

      Wie es sich der kleine Maxi so vorstellt!

    • der kleine maxi

      bröselmaschine, vor 605 Tagen, 21 Stunden, 30 Minuten

      ist selbst programmierer und weiss wovon er spricht. der wirtschaftsfluechtling hat offenbar keine argumente und will sich nur wichtig machen.

  • Arg...

    mordheim, vor 606 Tagen, 10 Stunden, 30 Minuten

    [...]"Der Auftrag war schon draußen, als wir erfahren haben, dass die Software 'bi-Cube LC' unter Wienux nicht nutzbar ist"[...]

    Tolle Aussage - wennst dir sowas in der Privatwirtschaft erlaubst, hast den Job gehabt. Solche Nullen können nur im roten Wien angestellt werden. Freundschaft!

    • Naja!

      wirtschaftsflüchtling, vor 606 Tagen, 10 Stunden, 16 Minuten

      Wenn der beamtete IT-Leiter (der vorher bei der MA48 war) von IT soviel Ahnung hat wie der Papst vom Kinderkriegen, dann ist im roten Wien alles möglich.

  • reflection, vor 606 Tagen, 10 Stunden, 45 Minuten

    Der wohl wahre Grund ist, dass die "Betroffenen" unter Winux nicht auf Anhieb "Solitär" und "Minesweeper" gefunden haben.

  • schiener, vor 606 Tagen, 11 Stunden, 1 Minute

    was bitte ist "Wienux"????

    • Google ist oft garnicht sooo schlecht

      romout, vor 606 Tagen, 11 Stunden,

      Da werden Sie geholfen: http://www.wien.gv.at/ma14/wienux.html

    • @romout

      schiener, vor 606 Tagen, 9 Stunden, 22 Minuten

      Danke!

  • bi-cube

    romout, vor 606 Tagen, 11 Stunden, 4 Minuten

    Versteh nicht ganz was bi-cube mit einer Sprach-Erfassungs-Software für Kinder gemein hat. Auf der iSM Seite ist dazu nichts zu finden. Beschrieben wird ein modulares, erweiterbares und zentral organisiertes User- und Rollenmanagement System. In einem der letzten Beiträge wurde noch erwähnt, dass das iSM System das Beste seiner Art sein solle - Woher kommt diese These und welche Alternativen gibt es?

    • gute Frage..

      ssssch, vor 606 Tagen, 4 Stunden, 2 Minuten

      Das genannte "bi-Cube LC" kommt laut Google im WWW nur ein einziges mal vor, und zwar in diesem fuzo-Artikel. Ich hasse Geheimniskrämerei im öffentlichen Bereich!

      Die erwähnte "Schulmatik" (SM-Online) kann meinem Verständniss nach nur ein System zum Verwalten Schülerstammdaten sein. Die Software wird also nicht wirklich Sprachfähigkeiten testen, sonder lediglich die Testergebnisse speichern.
      Nun stellt sich die Frage warum sowas im Browser läuft. Vor allem wenn es dann nur mit einem Browser funktioniert.

      Ich verstehe Wien nicht. Und außerdem finde ich den Artikel schlecht recherchiert.

  • Hmmm ....

    tomtiger, vor 606 Tagen, 11 Stunden, 13 Minuten

    Schülermatrik "SM Online", erinnert mich an Sado Maso Online .... ;) Ist es wohl auch. ;)