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Evolution der "intelligenten" Kleidung

22.06.2008|06:00

Schon seit den 1960er Jahren experimentieren Wissenschaftler mit Computern, die in Kleidungsstücke eingebaut sind. "Wearables" werden auch heute gerne belächelt, doch sinnvolle Anwendungen wie Wanderkleidung mit eingebauten GPS-Geräten stehen kurz vor der Markteinführung.

Die Geschichte von Wearables, also am Körper tragbarer Technologie, beginnt in den 1960er Jahren. Ed Thorpe und Claude Shannon entwickelten damals am Massachusetts Institut of Technology einen analogen Computer, etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel, mit dem sie die Geschwindigkeit eines Rouletterades berechnen und damit das Ergebnis vorhersehen konnten. Das errechnete Resultat wurde dann per Radiowellen an ein Hörgerät übertragen.

In den 1980er Jahren prägte der amerikanische Forscher Steve Mann das Bild vom Menschen als Cyborg. Er schnallte sich einen Computer auf den Rücken und experimentierte mit tragbaren drahtlosen Webcams.

Die nicht unbedingt kleidsamen tragbaren Interfaces der Pionierzeit landeten inzwischen im Museum. Heute machen sich Forschungsinstitute wie das MIT und die ETH in Zürich sowie auch Künstler und Modedesigner über eine neue Generation von Wearables Gedanken, die funktionelle Technologie und Kleidung verbinden und obendrein auch gut aussehen. Eine von diesen Pionieren ist die österreichische Designerin Sabine Seymour.

Mehr über Claude Shannon:

Jacke mit GPS

Seymor gründete vor zehn Jahren in New York die Firma Moondial, die sich auf Smart Clothes spezialisierte. Für Nike entwickelte sie beispielsweise einen Turnschuh mit integriertem Chip, der Zeit und Distanz misst. Um das Jahr 2000 prägte sie den Begriff Fashionable Technology, der die mittlerweile sehr unterschiedlichen Entwicklungen, die beim Zusammenspiel von Design, Mode und tragbarer drahtloser Technologie entstehen, zusammenfasst.
Im Buch "Fashionable Technology. The Intersection of Design, Fashion, Science and Technology", das vor kurzem im Springer Verlag erschien, gibt sie einen Überblick über die neuesten Trends und Entwicklungen auf diesem Gebiet.

Eine dieser Entwicklungen ist beispielsweise die intelligente Snowboardjacke "Nav-Jacket", die der kalifornische Sportbekleidungshersteller O'Neill in der nächsten Saison herausbringen wird. Dank eingebautem GPS-System kann sich der Träger in den Bergen orientieren. Die Route wird auf einem Display am Ärmel angezeigt. Ein integrierter Wetterdienst sagt ihm auch gleich, ob in den nächsten Stunden ein Schneesturm aufzieht.
Ein anderes Beispiel sind smarte Arbeits- und Rettungsbekleidungen. Sie können dem Träger in Extremsituationen wichtige Informationen über seinen Körper und die Umwelt vermitteln, zum Beispiel über die Qualität der Atemluft. Die Informationen können entweder visuell, akustisch oder über ein taktiles Feedback übertragen werden, indem sich die Jacke beispielsweise zusammenzieht.

Doch nicht alles, was unter das recht weitläufige Label "Fashionable Technology" passt, ist so funktionell wie die erwähnten Rettungsanzüge. Viele Projekte, die Sabine Seymour in ihrem Buch vorstellt, sind künstlerische Prototypen, die etwa für Performances und auf der Bühne eingesetzt werden, aber wohl kaum den Sprung in die alltägliche Anwendung schaffen. Dennoch lebt die Technologie gerade vom kreativen Potenzial solcher Entwicklungen. Zum Beispiel Kleidung aus der Dose, die der englische Designer Manuel Torres auf Schauspieler sprayt. Oder eine Brosche aus blütenförmig angeordneten zypriotischen Briefmarken, die wie von Geisterhand die Blätter öffnet, wenn es in Zypern regnet.

Den Radiobeitrag zu diesem Text hören Sie am Sonntag, dem 22. Juni 2008, um 22.30 Uhr im Ö1-Netzkulturmagazin "Matrix".

Umarmungssimulatoren

Ein weiteres Kleidungsstück, das Sabine Seymour vorstellt, ist das weiß-rote Hugshirt [von engl. hug = Umarmen] des britischen Labels CuteCircuit, das über eine Java-Applikation am Handy Berührungen am Körper über Vibration auf den Körper eines anderen Hugshirtträgers überträgt.
Klingt angenehm. So ein Pullover könnte in Zukunft Fernbeziehungen einfacher machen. Dennoch bergen solche intelligenten Kleidungstücke auch die Gefahr, dass Bewegungen und Positionen von Menschen überwacht werden. Um so einen Missbrauch zu vermeiden, ist es wichtig, den kommunizierenden Kleidungsstücken auch einen Ausschaltknopf einzubauen, meint deshalb Sabine Seymour.

In den nächsten Jahren erwartet sich Sabine Seymour keinen massenhaften Boom der Fashionable-Technology-Branche. Ganz einfach, weil solche Produkte in der Herstellung noch relativ teuer sind. Potenziale gibt es aber im Bereich der Altersversorgung, der Sicherheitsbekleidung, der Freizeitbekleidung und der Werbung, die gerne Menschen als wandelnde digitale Litfasssäulen sähe. Ob die Träger ihre Display-Kleider dann auch lieber ausschalten, ist eine andere Geschichte.

Buchtipp:

Sabine Seymour, Fashionable Technology: The Intersection of Design, Fashion, Science and Technology, Springer 2008

[matrix | Anna Masoner]

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Forum

 
  • noch mehr

    fenris79, vor 596 Tagen, 12 Stunden, 37 Minuten

    was Strom frisst und die Müllberge wachsen lässt.

  • so ein völlig unpraktischer schwachsinn!

    frizzdog, vor 597 Tagen, 1 Stunde, 15 Minuten

    wenn der zipp kaputt ist und du eine andere jack anziehst, hast keine orientierung mehr??

    und die landkarte mußt sowieso mitzahn für notfälle.

    absoluter nonsense.

    • Die Jacke kostet 500 €

      mindmachine, vor 597 Tagen, 8 Minuten

      350 das GPS. 150 die Jacke. Ist die Jacke kaputt kannst du das GPS auch kübeln? Glaube das gewisse "Plugins" sinnvoller sind. Außerdem gibt es noch nicht wirklich die absolut sinnvollen Anwendungen. Für ein GPS brauch ich keine Extra-Jacke. Hat auch so in der Tasche platz :DDD

  • A Computerchip muss heut

    derskalarvonperl, vor 597 Tagen, 6 Stunden, 58 Minuten

    nimmer größer sein, als a Hosenknopf. Is daher a alter Hut das Ganze.

  • und wann erfindens endlich eine elektroschock-kleidung,

    animalfarmer2005, vor 597 Tagen, 8 Stunden, 34 Minuten

    die sich aktiviert, wenn der besitzer schei**e redet?

    • saforge, vor 597 Tagen, 6 Stunden, 6 Minuten

      da würden ja 80% der Menschheit flach am Boden liegen...

    • pc104, vor 597 Tagen, 3 Stunden, 46 Minuten

      Dann wär Hohes Haus aber 'ne echt geile Schüttlersendung!

    • hitcher, vor 597 Tagen, 1 Stunde, 42 Minuten

      Es gibt auch schon intelligente Kleidung die vor feindlichen Elektroschocks schützt und selbst Elektroschocks über Kontaktfelder am Hals und an den Armen austeilen kann.

    • für die sandkiste eine antikanzlerwindelhose-

      frizzdog, vor 597 Tagen, 1 Stunde, 14 Minuten

      bei entsprechender vorstellung: elektroschock!

    • Für unseren Kanzler tut's a Reißnagel unterm Hintern

      pc104, vor 596 Tagen, 21 Stunden, 5 Minuten

      Jedesmal, wenn er dabei ist umzufallen kriegt er sofortiges Feedback und steht wieder wie 'ne Eins!

  • ideal

    saforge, vor 597 Tagen, 11 Stunden, 21 Minuten

    ...wenn ich dann eine Freund/in umarme, können wir gleich über die Jacken MP3's und sonstiges tauschen.

    Und wer dann unterm Tisch heimlich mit einem Mädl mit den Füßen spielt, tauscht über die Socken gleich E-Mail-, Myspace- und sonstige Konaktadressen aus.

    Und meine Dokumente für die Arbeit nehme ich mir dann im Winter mit dem Schal mit und im Sommer in der Schirmkappe.

    Ein eingebautes Wikipedia im Hemdsärmel und eine Online-Übersetzung im Uhrarmband für die Touristen-Reise...

    Passt ;)

    • Eher eingebaute Überwachung:

      omen, vor 597 Tagen, 8 Stunden, 46 Minuten

      wenn Du zu schnell Unterwegs bist, oder während der Fahrt telefonierst, bekommst Du gleich une Europaweit per e-Mail, oder SMS die Strafe, die vom deinen Konto auch in real Time abgebucht wird. Und wenn du diene MP3 abspielen wirst bekommst Du per e-Mail oder SMS von der RIAA auch gleich den Haftbefehl und Gerichtsurteil, welchen Deine smarte Kleidung auch gleich ausführt (Hausarest mit GPS Überwachung und Elektroshocks, wenn Du nicht gehorchst). Und wenn du älter wirst und Dein Alter die Erwartung des Pensionssystem überschreitet, wird Dein Elektroanzug automatisch auch das erledigen ...

    • Die smarte Kleidung wird dann Pflicht,

      omen, vor 597 Tagen, 8 Stunden, 40 Minuten

      so wie Gurten und Helme. Aber Du mußt sie of course bezahlen. Und es wirden neue Straftaten definiert: - Abschalten des Internets, Ablegen der smart Kleidung, Beuntzen einer smart Kleidung ohne TÜV, etz.

    • ausschalttaste...

      appetiteforconstruction, vor 596 Tagen, 21 Stunden, 19 Minuten

      wird sowieso abgeschafft. besitz eines geräts/kleidungsstücks mit ausschalttaste wird mit gefängnisstrafe geahndet. max headroom lässt grüßen...

  • "Ob die Träger...

    bots, vor 597 Tagen, 12 Stunden, 34 Minuten

    ... ihre Kleidung dann auch wieder ausschalten?" Anfangs ja, dann nennt das irgendwer "Web 3.0", u dann schalten sies nie wieder aus :( u wenns hoch her kommt, demonstrieren sie online gegen die Überwachung - u in irgendwelchen Netzwerken können sie sich gegenseitig dabei beobachten :)

    • pc104, vor 597 Tagen, 3 Stunden, 45 Minuten

      Die eine Hälfte der Menschheit ist dann auf Demos, die andere ist online auf Wearbook. :)