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Prozess gegen Data-Retention gestartet

01.07.2008|11:24

Knapp zwei Jahre nachdem Irland beim EU-Gerichtshof Klage gegen die EG-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung eingereicht hat, hat die mündliche Verhandlung vor der Großen Kammer des Gerichts begonnen. Eine Aussage des Generalanwalts wird für Herbst erwartet, das Urteil soll Anfang 2009 kommen.

Die Klage Irlands hat sich allerdings nicht gegen den Inhalt der Data-Retention-Richtlinie gerichtet. Die Iren warfen vielmehr dem EU-Ministerrat und dem Parlament vor, die Richtlinie nicht auf der korrekten Rechtsgrundlage erlassen zu haben.

Die Richtlinie wurde auf Grundlage eines Verfahrens verabschiedet, das eigentlich das Funktionieren des EU-Binnenmarkts sichern soll [Artikel 95 EG]. Die Iren hätten den Mechanismus des Rahmenbeschlusses vorgezogen. Dieser hätte allerdings Einstimmigkeit bei allen Mitgliedsstaaten vorausgesetzt.

Die Data-Retention sei zur Bekämpfung des Terrorismus und schwerer Verbrechen verordnet worden - das sei, so die Klageschrift Irlands, "das einzige Ziel" der Richtlinie.

Österreich wartet ab

Im Gegensatz zu Deutschland hat Österreich die Data-Retention-Richtlinie noch nicht umgesetzt. Aus dem Haus des zuständigen Verkehrsministers Werner Faymann [SPÖ] hieß es zuletzt, man wolle die Entscheidung des EU-Gerichtshofs abwarten. Das Innenministerium plädierte für eine Speicherfrist von einem Jahr.

"Kippt das Gericht die Data-Retention-Richtlinie, so wird Österreich ein Vertragsverletzungsverfahren erspart bleiben", sagte der Salzburger Richter und Internet-Rechtsexperte Franz Schmidbauer Anfang Juni auf Anfrage von ORF.at. Die Kommission müsse dann einen neuen Vorschlag erstellen.

In Österreich hätte die Vorratsdatenspeicherung noch einen zusätzlichen Effekt. Sie würde Positions- und Verbindungsdaten aller in Österreich telefonierenden Personen bereitstellen, auf welche die Polizei mittlerweile ohne richterliche Kontrolle über das im Dezember novellierte Sicherheitspolizeigesetz zugreifen kann.

Restriktive Maßnahmen in Irland

Die irische Regierung ist keineswegs gegen die Vorratsdatenspeicherung an sich eingestellt. Bereits seit 2002 gibt es dort eine Verfügung, die Telefonie-Provider dazu zwingt, die Verbindungsdaten ihrer Kunden für drei Jahre zu speichern. Die EG-Richtlinie sieht eine Speicherdauer von mindestens sechs Monaten vor.

Laut einem Bericht der "Irish Times" vom 4. Juni 2008 will die dortige Regierung auch eine zwölfmonatige Speicherfrist für Internet-Verbindungsdaten durchsetzen. Das Justizministerium beabsichtigt demnach, eine entsprechende Verordnung am Parlament vorbei durchzusetzen.

Verbindungs- und Standortdaten

Die am 15. März 2006 erlassene EG-Richtlinie zur Data-Retention verpflichtet alle Mitgliedsstaaten der Union dazu, Gesetze zu erlassen, welche die Telefon- und Internet-Provider dazu verpflichten, verdachtsunabhängig alle Verbindungs- und Standortdaten ihrer Kunden mindestens sechs Monate lang zu speichern.

Damit wollen die EU-Innenminister Kommunikations- und Bewegungsprofile von Terroristen und Mitgliedern von kriminellen Organisationen erstellen.

Das EU-Parlament hatte am 14. Dezember 2005 im Rahmen des Mitentscheidungsverfahrens der Richtlinie mit den Stimmen der Europäischen Volkspartei und der Sozialdemokraten zugestimmt.

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[futurezone | APA]

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Forum

 
  • dŽIren sind eh nicht irr

    derskalarvonperl, vor 620 Tagen, 16 Stunden, 7 Minuten

    die scheißen aufn EU-Vertrag und dŽVorratsdatenspeicherung. Fest sollens den Brüsseler-Koffern Feuer unterm Hintern machen.

    • Leider ..

      thejoe, vor 620 Tagen, 15 Stunden, 36 Minuten

      .. _wollen_ sie die Vorratsdatenspeicherung!

  • klax1, vor 620 Tagen, 17 Stunden, 19 Minuten

    Bitte, heben wir jeden (Papier)Abfall auf. Denn, was ist, wenn die Terroristen gar auf die Idee kommen, wieder Papier für die Anschlagsplanung zu verwenden (weil sie ja jetzt wissen, dass das Internet überwacht wird). Daher forder ich im Kampf gegen den Terror: hebt nach Haushalt sortiert allen Papierabfall für 2 Jahre auf!

  • sobald die data retention kommt,

    agentbluescreen, vor 620 Tagen, 17 Stunden, 40 Minuten

    macht 3-lagiges klopapier endlich sinn ... einen durchschlag für die datensicherung mindestens 2 jahre aufheben und einen durchschlag für den terrorschutz ;-)

  • sedaleare, vor 620 Tagen, 19 Stunden, 25 Minuten

    Der wirtschaftliche Schaden, der durch diverse "anti-Terror"-Maßnahmen bereits entstanden ist, übertrifft den tatsächlichen Schaden durch Terrorismus um ein Vielfaches.

    Dieser Wahnsinn rentiert sich lediglich für Biometrie- und Waffenfabrikanten. Diese stehen der Politik sehr nahe, oder gehören wie im Falle der USA zur Familie des Staatschefs.

    Die Frage die sich mir stellt: wie kann man derartige Systeme *gewaltfrei* stürzen?

    • klax1, vor 620 Tagen, 17 Stunden, 22 Minuten

      Und für die Festplattenhersteller rentiert es sich auch. Denn da werden die Provider wie wild ordern. Und bezahlt wird natürlich vom Endkunden. Echt lässig. Da können die Provider die Festplattenkosten endlich auf die Endkunden abwälzen. Immer natürlich weil sie so arm und verpflichtet sind, dies im kampf gegen den terror zu tun. Echt krank, das ganze.

    • man muß nur schauen

      observer, vor 620 Tagen, 17 Stunden, 16 Minuten

      in welchen Aufsichtsräten die Politiker nach ihrer Amtszeit sitzen, so wie Schily in D .

  • Ich kanns nicht mehr hören

    todo, vor 620 Tagen, 20 Stunden, 53 Minuten

    immer und überall wird mit dem Terrorismus und mit der Bekämpfung des organisierten Verbrechens argumentiert, wenn es um die Beschneidung der Bürgerrechte geht.

    Ab nächstem Jahr wirst schon wie ein Verbrecher erkennungsdienstlich erfasst, wennst einen Reisepass brauchst.

    Und warum das alles?

    Wieviele Terrortote hatten wir letztes Jahr in Österreich oder in Europa?

    Das sthet doch alles in keinem Verhältnis zum Nutzen.

    Übrigens glaube ich, daß die ständige Verarsche der Bevölkerung in Form von abstrusen Gesetzen ihrerseits den Terror erst hervorbringt.

    • zumindest

      the23, vor 620 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten

      massiv fördert

    • Terror

      fenris79, vor 620 Tagen, 20 Stunden, 42 Minuten

      funktioniert so, die Toden bei Anschlägen ist nicht die Hauptwirkung, sondern Angst und Unsicherheit.

      Die Angst und Unsicherheit kommt ein paar Lobbyisten zugute und die nützen das wieder schamlos aus.

    • calypso, vor 620 Tagen, 14 Stunden, 37 Minuten

      nach dem prinzip funktioniert auch krieg, oder warum waren und sind die größten kriegshetzer immer auch die größten nutznießer davon.. leider sind die meisten leute lernbefreit und wir werden wohl noch in 200 jahren auf die propaganda reinfallen.