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95 Jahre Schutzfrist für Beatles & Co.

16.07.2008|13:04

Die EU-Kommission will die Schutzdauer für Tonaufnahmen von 50 auf 95 Jahre verlängern. Während die Musikindustrie den Vorschlag begrüßt, meinen Kritiker, dass eine Verlängerung der Schutzfrist nur der multinationalen Tonträgerindustrie zugute komme und den Zugang zu historischen Tonaufnahmen erschwere.

Am Mittwoch verabschiedete die Europäische Kommission einen Richtlinienvorschlag, der die Verlängerung der Schutzdauer von Tonaufnahmen und Tonträgern in er EU von 50 auf 95 Jahre vorsieht. Künstler und Industrie würden gleichermaßen von der längeren Schutzfrist profitieren, hieß es in einer Aussendung der EU-Kommission.

Eine 95-jährige Schutzdauer würde verhindern, dass ausübende Künstler, die im Alter von 20 Jahren Platten aufgenommen haben, bei Erreichen ihres 70. Lebensjahres einem plötzlichen Einkommensausfall gegenüberstehen, so die EU-Kommission.

Zusätzliche Einnahmen

Die zusätzlichen Einnahmen aus der erweiterten Schutzdauer sollen auch der Tonträgerindustrie helfen, sich an das Internet-Zeitalter anzupassen und ihre Investitionen in neue Talente aufrechtzuerhalten, begründete die EU-Kommission ihren Vorschlag.

"Ich werde alles daransetzen, um sicherzustellen, dass ausübende Künstler über ein angemessenes Einkommen verfügen und es auch künftig eine europäische Musikindustrie geben wird", sagte EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy, der die Verlängerung der Schutzfristen vorgeschlagen hatte.

Begleitende Maßnahmen

Die EU-Kommission schrieb in dem Vorschlag auch begleitende Maßnahmen fest, die es Musikern ermögichen sollen, ihre Rechte zurückzufordern, wenn ihre Aufnahmen von den Produzenten in der erweiterten Schutzfrist nicht weiter vermarktet werden.

Falls weder Künstler noch Produzent die Aufnahme vermarkten, werde die Aufnahme nicht weiter geschützt", so die EU-Kommission. Kommerziell weniger attraktives Repertoire solle nicht ungenutzt in den Archiven verbleiben.

Fonds für Studiomusiker

Den Plattenfirmen wurde auch die Einrichtung eines Fonds auferlegt, in den 20 Prozent der zusätzlichen Einnahmen fließen sollen. Der Fonds soll an Studiomusiker verteilt werden, deren Aufnahmen in der verlängerten Schutzfrist verkauft werden.

Der Richlinienvorschlag der EU-Kommission bedarf nun noch der Zustimmung von EU-Rat und EU-Parlament.

Das EU-Parlament hatte sich bei einer Abstimmung zum Kulturwirtschaftsbericht bereits einmal gegen eine Verlängerung der Schutzfrist für Tonaufnahmen ausgesprochen. Auch die britische Regierung erteilte im vergangenen Juli einer Forderung der Musikindustrie nach einer längeren Schutzdauer eine Absage.

"Stärkung der Musikwirtschaft"

Der Verband der österreichischen Musikwirtschaft, IFPI Austria, begrüßte am Mittwoch naturgemäß den Vorschlag der EU-Kommission.

Die vorgeschlagene Verlängerung der Schutzfrist stärke die europäische Musikwirtschaft im internationalen Wettbewerb und bedeute mehr Fairness gegenüber Interpreten und Labels, hieß es in einer IFPI-Aussendung.

Die europäische Musikindustrie macht sich seit Jahren für eine Angleichung der Schutzfrist für Tonaufnahmen an das US-Niveau von 95 Jahren stark. Nicht zuletzt auch darum, weil frühe Aufnahmen prominenter Bands und Musiker, darunter die Beatles, Cliff Richard und die Rolling Stones, von der derzeit in der EU geltenden Schutzfrist für Tonaufnahmen von 50 Jahren schon bald nicht mehr erfasst wären.

Scharfe Kritik an Verlängerung

Europäische Rechtsexperten hatten die geplante Erhöhung der Schutzdauer für Tonaufnahmen in der EU zuletzt scharf kritisiert. Eine Verlängerung der Schutzfrist würde nur multinationalen Musikkonzernen mit großen Back-Katalogen zugute kommen, den Zugang zu historischen Tonaufnahmen erschweren und Kreativität und Innovation in Europa Schaden zufügen.

Im Juni warnten europäische Wissenschaftler die EU-Kommission deshalb vor der Verlängerung der Schutzfrist und setzten diese mit einem "Kotau an die Tonträgerindustrie" gleich.

Die Initiative Sound Copyright, die von der britischen Open Rights Group und dem europäischen Arm der Electronic Frontier Foundation [EFF] betrieben wird, machte gegen die Ausweitung der Schutzdauer von Tonaufnahmen mit einer Online-Petition mobil.

Harmonisierung bei mehreren Urhebern

Parallel zur Verlängerung der Schutzfrist für Tonaufnahmen schlug die EU-Kommission die Harmonisierung der Schutzdauer von Musikkompositionen mehrerer Urheber vor. Bei vielen musikalischen Genres wie etwa Jazz, Rock und Pop seien die Stücke oft das Ergebnis gemeinsamen Schaffens.

Dem Vorschlag der Kommission zufolge soll die Schutzdauer für Musikkompositionen 70 Jahre nach dem Tod des letzten beteiligten Urhebers erlöschen, unabhängig davon, ob es sich dabei um den Textautor oder den Komponisten handelt.

Grünbuch zum Urheberrecht

Daneben nahm die EU-Kommission das Grünbuch "Urheberrechte in der wissensbestimmten Wirtschaft" an, mit dem eine Debatte darüber eingeleitet werden soll, welche Strategie beim Urheberrecht in wissensintensiven Bereichen auf lange Sicht verfolgt werden soll, teilte die EU-Kommission mit.

Neue Regeln für Musiklizenzen

Die EU-Kommission hat am Mittwoch auch eine Neuregelung bei Musiklizenzen in die Wege geleitet. Europäischen Verwertungsgesellschaften wurde untersagt, ihr Angebot im Ausland einzuschränken. Damit sollen EU-weite Lizenzen ermöglicht werden. Künstler sollen ihre Verwertungsgesellschaft künftig frei wählen können.

[futurezone | Patrick Dax]

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Forum

 
  • Nein, welch poese poese Welt bisher, die den Stars, ...

    vergesstwahlenkauftaktien, vor 612 Tagen, 7 Stunden, 9 Minuten

    ... deren Erben, deren Witwen und Scheidungswitwen und vorallem deren Maenetschment und dem Maenetschment der Tontraegererzeuger und dem Maenetschment der Verwertungsorganisationen soviel Geld vorenthalten hat.

    Warum nicht auch gleich auf 300 Jahre ausdehen? Dann koennen alle gelben Hefterlhersteller, Mozartvergewaltiger und Co auch noch ein wenig mehr mitverdienen.

    Und warum nicht auch Industrien belohnen, die Ihre Malaesse selbst herbeigefuehrt haben? Warum nicht auch die Nuklearindustrie nach Tschernobyl mit einem PR-Bonus unterstuetzen, die Autohersteller mit einem CO2 Bonus?

    Wie kommt man nur dazu, daran etwas zu bemaengeln, dass man als Kuenstler - oder vielmehr deren Nutzniesser - ewig daraus lukrieren soll, ein normaler Mitarbeiter fuer Diensterfindungen - wenn ueberhaupt - bestenfalls eine einmalige Praemie erhaelt?! Die Lobby heisst Industrie, der kuenftiger Arbeitgeber vieler abgehalfteter Kommissare und der einfache Mitarbeiter ist dort, ausser als Konsumvieh einfach eine zu ignorierende bis zu loeschende Zelle im Spreadsheet.

    Erbaermlich und ebenfalls nicht beeindruckt, Blondie!

  • Leistungsschutz / Urheberrecht

    canubis, vor 612 Tagen, 7 Stunden, 40 Minuten

    Hier geht es allem Anschein nach um das Leistungsschutzrecht das bisher 50 Jahre nach der Aufnahme eines Tonträgers zum Erloschen kam. Ich finde dass das im Artikel nicht genug erläutert wird.
    Beim Urheberrecht ist es bisher schon so dass dieses erst 70 Jahre nach Tod des längstlebenden Interpreten erlischt.

  • wir sollten dringend

    tschäntsche, vor 612 Tagen, 8 Stunden, 41 Minuten

    wir sollten dringend die gehaltszahlungen an politiker und "hohe beamte" aus steuergeldern einstellen!!!

    deren "gehalt" durch die industrie sollte wohl ausreichen!!!

    in der hoffnung das die wenigstens hohe bestechungsgelder bekommen und nicht wirklich nur dämlich sind!!!

  • Hey, McGreedy... eine einfache Frage:

    heliman, vor 612 Tagen, 8 Stunden, 56 Minuten

    Warum sollte jemand mit 20 aufhören, Musik zu machen?

    Hm?

    • Vielleicht erhofft sich der Herr McIndustry ja auch ...

      vergesstwahlenkauftaktien, vor 612 Tagen, 7 Stunden, 6 Minuten

      ... Tantiemen fuer die Sauflieder, die er unter der Dusche getraellert hat?!

  • Logik?

    grahamchapman, vor 612 Tagen, 18 Stunden, 17 Minuten

    "Eine 95-jährige Schutzdauer würde verhindern, dass ausübende Künstler, die im Alter von 20 Jahren Platten aufgenommen haben, bei Erreichen ihres 70. Lebensjahres einem plötzlichen Einkommensausfall gegenüberstehen, so die EU-Kommission." Entschuldigung, aber geht's noch??? Jeder selbständige, zu denen ich auch zähle, muss Pensionsversicherung einzahlen, um ab 65 eine Pension zu bekommen. Wieso sollten da Musiker eine Extrawurst bekommen. IMHO ist es offensichtlich dass da 1. vornehm ausgedrückt "Lobbyarbeit geleistet wird" bzw. 2. realistisch ausgedrückt "geschmiert wird". Und wahrscheinlich nicht zu knapp....

    • Umkehrschluss

      grahamchapman, vor 612 Tagen, 18 Stunden, 2 Minuten

      Ich könnte natürlich auch zu dem Arbeitgeber gehen, bei dem ich vor 20 Jahren gearbeitet habe und von denen Kohle verlangen: weil, das ist ja auch für die nächsten 30 Jahre nicht verjährt, so oder so.....

  • dermitdemohrlaeppchennuesseknackt, vor 612 Tagen, 21 Stunden, 59 Minuten

    ...und dann fragt irgendwer warum wir die EU nicht wollen. Ein Haufen von Korrupten Politikern die sich solche Gesetzt abkaufen lassen, ja klar alles für die Bürger.

    • ameiseindererde, vor 612 Tagen, 8 Stunden, 21 Minuten

      der "Haufen von Korrupten Politikern" wurde unter anderem von uns gewählt.
      leiter schieben die politiker wieder alles auf die EU ab, und dann ist die EU schuld...

      man sollte eventuell vorher nachdenken und dann leute wählen die was gscheites umsetzen - und nicht leute *huststrachehust* die die EU Politik ignorieren/ablehnen (wollen).

    • Mach keine Späßchen mit ...

      walkoffame, vor 612 Tagen, 3 Stunden, 8 Minuten

      ... uns AmeiseinderErde. Wer von den zur Verfügung stehenden Kasperln fällt Dir denn ein, den man wählen könnte.

      Und diese offensichtlichen Günstlingsgesetze kommen sehr wohl von gekauften Lobbylieblingen aus Brüssel. Unsere gewählten Pfeifen schauen nur weg, oder noch schlimmer tauschen ihre Zustimmung gegen andere Gefälligkeiten.
      So funktioniert die EU.

  • An lameth (von weiter unten):

    tomtiger, vor 612 Tagen, 23 Stunden, 32 Minuten

    Die maximale Schutzdauer von Patenten beträgt 20 Jahre.

  • In den USA werden doch auch immer die Urheberrechtsgesetze

    lydia89, vor 612 Tagen, 23 Stunden, 39 Minuten

    geändert, wenn die von Disney auszulaufen drohen, damit sich die Firma solche Gesetze aufgrund der Tantiemen auch weiterhin kaufen kann.

  • Die EU ist eine Gemeinschaft von Wirtschaftslobbyismus und sonst nichts.

    derunbestechliche, vor 612 Tagen, 23 Stunden, 45 Minuten

    Wie sonst ist das erklärbar: "Die Europäische Kommission will die Schutzrechte für Tonaufnahmen und Tonträger in der EU von 50 auf 95 Jahre verlängern."

  • facere, vor 613 Tagen, 7 Minuten

    i mein, was gehtn in der eu so ab?! sind da alles eigentlich nur irgendwelche bwl studenten tätig?
    wo isn da die logik in folgender aussage:" dass ausübende Künstler, die im Alter von 20 Jahren Platten aufgenommen haben, bei Erreichen ihres 70. Lebensjahres einem plötzlichen Einkommensausfall gegenüberstehen, so die EU-Kommission"

    wenn musik, die nach 50 jahren noch so populär ist, dass man da von einem einkommensausfall sprechen kann, dann haben die doch innerhalb der 50 jahre soviel geld verdient dass bis zum abkratzen ja das gar nicht mehr ausgeben können?

    • klingt schrecklich

      max7c, vor 612 Tagen, 23 Stunden, 37 Minuten

      leute die mit 20 mal gearbeitet haben bekommen mit 70 plötzlich kein Geld mehr dafür.

      Ganz Klar im Kopf kann man jedenfalls nicht sein wenn man soetwas von sich gibt. Und solche Leute machen unsere Gesetze - erschreckend.

    • Na dann schau mal was Monsanto jetzt vorhat.

      kernelpanic, vor 612 Tagen, 21 Stunden, 45 Minuten

      Die wollen Schweinegene für guten Fleischansatz patentieren lassen - nicht weil sie sie gentechnisch verändert haben sondern nur weil sie sie sequenziert und bestimmt haben. Wenn das durchkommt, dann muss jeder Züchter in dessen Zuchtlinien diese Gene natürlich vorkommen (no na - ist ja der Sinn einer Zucht), dann für jedes Schwein das er erzeugt Lizenzgebühren an Monsanto zahlen. KRANKE WELT!