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Der Internet-Überwachungsplan der Polizei

17.07.2008|11:00

Nach Informationen, die ORF.at vorliegen, diskutiert das Innenministerium derzeit mit den Providern über Maßnahmen für eine österreichische "Branchenlösung" zur Internet-Überwachung. Dabei verlangen die Dienste unmittelbaren Zugriff auf die Netzwerke der Anbieter. Auch bei verschlüsselten Skype-Telefonaten kann die Polizei mittlerweile mitlauschen.

Merkwürdig: Seit Tagen bekommt Ihr Rechner immer ein und dieselbe IP-Adresse im ADSL-Netz zugewiesen, obwohl in den Geschäftsbedingungen ihres Providers ausdrücklich von dynamisch vergebenen, also stets wechselnden IP-Adressen die Rede ist.

Wenn dann auch noch Ihr Notebook vom UMTS-Anbieter bei jeder Einwahl ebenso mit stets derselben IP-Adresse versehen wird, dann liegt das nicht an plötzlich geänderten Geschäftsbedingungen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden vielmehr Ihre Internet-Zugänge polizeilich überwacht.

Die "Branchenlösung"

Die Zuweisung von fixen IP-Adressen ist nämlich Teil einer "Branchenlösung", die vor allem vom Innenministerium betrieben wird. Anders als bei der Telefonie, für die es verbindliche Normen des European Telecom Standards Institute [ETSI] gibt, die hierzulande in der Überwachungsverordnung [ÜVO] von 2003 festgeschrieben sind, ist das Abgreifen des Internet-Verkehrs in Österreich nicht normiert.

Die Strafprozessordnung schreibt zwar die Zusammenarbeit von Internet-Providern mit den Behörden vor, allein: Die Vorgangsweise und technische Umsetzung sind nicht geklärt.

Die Überwachungsverordnung

Die Standards zur Integration des Internet-Verkehrs in die Überwachungsschnittstellen sind im ETSI längst im Standard ES 201 671 Version 3.1.1. erstellt worden.

Damit sie auch für die Branche in Österreich verbindlich sind, müsste die Überwachungsverordnung von 2003, die noch die Vorgängerversion ES 201 671 Version 2.1.1. vorschreibt - Telefonie, ohne Internet -, novelliert werden. Doch dazu fehlt momentan ganz offensichtlich der politische Wille.

Sitzung im Arsenal

Da es derzeit keine Terroranschläge gebe, sei die Möglichkeit einer raschen Umsetzung nicht gegeben, erklärte ein Vertreter des Innenministeriums ganz unverblümt Ende Juni bei einer Diskussionsveranstaltung im Wiener Arsenal.

Dort waren Vertreter von Innenministerium [BMI] und Regulierungsbehörde RTR mit Anbietern von Breitbanddiensten aus Festnetz und Mobilfunk zusammengetroffen, um eine "nationale, österreichische Lösung" zur Überwachung des Internet-Verkehrs zu diskutieren.

Aus dem Protokoll

Der Ansatz des BMI gehe davon aus, dass einem Teilnehmeranschluss eine feste IP-Adresse zugewiesen werde, heißt es dazu im Protokoll der Veranstaltung.

Und weiters: "Auf Ebene des IP-Layer werden in weiterer Folge alle relevanten Datagramme eines IP-Stroms dupliziert und die Kopie entweder auf einem Medium zwischengespeichert oder über entsprechende Verbindungen [z. B. IP-VPN] direkt an die überwachende Behörde übertragen. Als Trigger soll allein die fest zugewiesene IP-Adresse dienen."

Geeignete Geräte ["Sniffer"] seien auf dem Markt verfügbar und könnten bei Bedarf auch vom BMI bereitgestellt werden.

Bridges und Sniffer

Der Fahrplan des BMI sieht weiters "kleine Schritte" in Richtung der angestrebten Lösung vor: Im Netz jedes Providers befindet sich an zentraler Stelle eine vom Innenministerium zertifizierte "Network Bridge", die den Datenverkehr dupliziert und an einen BMI-Rechner vor Ort weitergibt, auf dem eine Sniffer-Software läuft.

Die in dieser Verkehrsanalyse "erschnüffelten" Datensätze sollen dann über eine sichere VPN-Verbindung ins Ministerium übermittelt werden.

Die "Frickelkiste"

An dieser Stelle der Diskussion im Arsenal kam es freilich zu Umutsäußerungen. "Wir hängen sicher bei uns kein Kistl ins Netz, das nicht von uns abgenommen ist", war seitens eines der größten Provider zu hören, auch der wenig schmeichelhafte Begriff "Frickelkiste" fiel.

Wie der Diskussion weiter zu entnehmen war, setzen ein führender UMTS-Anbieter bzw. ein großer Breitband-Provider schon jetzt ganz ähnliche Lösungen mit "Network Bridges" ein. Abgegriffen werden die Verkehrsdaten der Kunden am Konzentrator-Network-Switch bzw. am UMTS-Konzentrator.

Provider ausgeschaltet

Zurzeit werden die Verkehrsdaten in der Regel noch per Anfrage ermittelt, das heißt, der Provider liefert auf Anordnung eines Richters die Logfiles des betreffenden Kunden an die Polizei.

Bis die Installation der österreichischen Lösung" an den Konzentrator-Switches erfolgt ist, rücken die Beamten, mit "Bridges" und "Frickelkisten" ausgerüstet, zum Provider aus.

Bei beiden Lösungen wird der Provider ausgeschaltet, da die Filterung der Daten hinter der "Bridge" durch einen Rechner des BMI passiert. Für den Netzbetreiber ist so nicht nachvollziehbar, nach welchen Daten der innenministerielle Sniffer sonst noch snifft.

Das NSA-Prinzip

Das Prinzip "Kopiere den gesamten Datenverkehr an zentraler Stelle und filtere dann das Gesuchte aus" ist natürlich keine österreichische Erfindung.

Der US-Supergeheimdienst NSA arbeitet nach demselben Muster, allerdings nicht mit vergleichsweise primitiven Bridges und schon gar nicht mit "Frickelkisten".

An den Glasfaserverbindungen zwischen den Core-Routern des Netzbetreibers AT&T wird der gesamte Datenverkehr vermittels eines - zugegebenermaßen noch primitiveren - "Splitters" kopiert und an einen monströsen 10-Gigabit-Switch weitergeleitet.

"Tiefe Paketinspektion"

Der funktioniert wie eine superschnelle Mülltrennungsanlage, mittels "Deep Packet Inspection" werden obsolete Verkehrsdaten aussortiert, die übrigen werden nach den verwendeten Protokollen [HTTP, POP3, SMTP, Tauschbörsen etc.] sortiert und auf eine Kaskade von Analyseservern verteilt.

Skype kein Problem mehr

Interessanterweise war in der Auskunftsveranstaltung zu erfahren, dass die Überwachung von verschlüsselten Telefonaten via Skype zwar nicht ganz trivial sei, aber kein wirkliches Problem mehr darstelle.

Noch vor wenigen Monaten war die angeblich nicht knackbare Skype-Verschlüsselung eines der hauptsächlichen Argumente des Innenministeriums für den Einsatz des "Bundestrojaners" gewesen.

Mehr zum Thema:

Robbenfreunde, aufgepasst!

Was die Situation hierzulande betrifft, so sollen im Laufe des Sommers Arbeitsgruppen gebildet werden, in denen die "österreiche Lösung" einer technischen Umsetzung zugeführt werden soll.

Was dynamische IP-Adressen angeht, die plötzlich statisch werden, so ist diesbezügliche Wachsamkeit durchaus angebracht, vor allem wenn man einen überzeugten Veganer oder eine Aktivistin gegen Robbenjagd in seinem Bekanntenkreis hat.

Im Rahmen der Operation "Pelztier" wurden nach § 278a StGB ["kriminelle Organisation"] über 70 Überwachungsmaßnahmen gegen "Tierrechtsaktivisten" durchgeführt, bei denen neben Standort- und Verkehrsdaten von Handys auch IP-Adressen und E-Mails eine Rolle spielten.

[futurezone | Erich Moechel]

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Forum

 
  • danke liebe mitzi

    tsgarp, vor 571 Tagen, 12 Stunden, 52 Minuten

    jetzt fühl ich mich schon viel sicherer!

  • Bedenklich ist

    xphönix, vor 571 Tagen, 14 Stunden, 53 Minuten

    wenn private Internet-Provider vertrauliche Internetdaten mitlesen, dass Provider nun daher auch (entlarvt) mitentscheiden wollen ob einer ihrer Kunden nun ungesetzliches praktiziert oder nicht ist unerhört, das überlasse ich lieber Beamteten Österreicher.

    Daher das Netz gehört in die Hand einer Behörde, ein mögliches ausgliedern des bisherigen TA Netzes in eine staatliche Institution ist daher nur zu begrüßen.
    Vertrauenswürdige da beamtete Mitarbeiter stehen bereit.

    • du bist aber ein ganz liebes fake

      linkerpharisäer, vor 571 Tagen, 10 Stunden, 36 Minuten

      aus dem BMI, richtig knuddelig süß

      *knuddel*

  • oidi55, vor 571 Tagen, 15 Stunden, 49 Minuten

    Falls ich draufkommen dass ich ne fixe IP hab..Dann icht das ein Fristloser KÜNDIGUNGSGRUND!!
    Da der Vertrag NICHT eingehalten wird.

  • peter12588, vor 571 Tagen, 21 Stunden, 55 Minuten

    ÜBERWACHUNG macht frei, das ist die neue Parole der Regierungen

  • Polizisten die mit

    fritz29, vor 571 Tagen, 23 Stunden, 7 Minuten

    Polizistinnen (und umgekehrt) verheiratet oder anderweitig liiert sind machen die meisten Abfragen bezüglich Handy-Ortung. Manchmal auch von dem(r) Kollegen/Kollegin von dem/der angenommen wird am Beischlaf beteiligt zu sein.
    Gut, jetzt wird ein neues Spielzeug, nämlich die der Vorverurteilung in den Schoß unserer besten Beamtinnen und Beamten gelegt. Dann können's wenigstens gleich gegenseitig auch die Mails lesen. hey, wir leben im 21. Jhdt. Also, wozu sich aufregen.

  • Innenminister

    xyz7, vor 572 Tagen, 37 Minuten

    Das Innenministerium sagt zum Bericht von ORF.at zu den Netzüberwachungsplänen, es habe sich um ein inoffizielles Expertentreffen gehandelt. Die Techniker seien nicht autorisiert gewesen, "Absichten des Innenministeriums zu kommunizieren". Dafür seien alleine die "politischen Entscheidungsträger" zuständig. Zu diesem Beitrag möchte ich sagen, dass die ansage vom innenminister eine unerhörte Frechheit ist. Wenn man böse Absichten aufdeckt, sei man dann dazu nicht berechtig gewesen. Das kann ja wohl nicht wahr sein. leben wir bereits in einer Diktatur????

    • Die Präpotenz

      ldir, vor 571 Tagen, 23 Stunden, 39 Minuten

      der Innenministerin ist überdeutlich. Nun, Sie ist Blond und weiblich, genauso wie Susanne Winter. Beendet endlich das Experiment "ÖVP in der Regierung" bevor es zu spät ist.

  • Überwachungsplan und mehr

    xyz7, vor 572 Tagen, 40 Minuten

    Hallo Leute,
    von wegen Chip unter der Haut ist noch nicht soweit, es gibt schon viele leute die sich unbegreiflicherweise freiwillig den chip implantieren liesen und auch die Haustiere haben den Chip ja bereits - außerdem was DNA etc. anbelangt - seht Euch die Website von Greepeace an da geht es bereits um Menschenzucht - was soll man sich sonst unter der patentierung menschlicher Gene vorstellen??? http://www.greenpeace.de/themen/patente/patente_auf_leben/artikel/erteilte_patente_auf_leben_in_europa_1980_2004/

  • Folgestory ist schon raus

    tantejutta, vor 572 Tagen, 1 Stunde, 30 Minuten

    "Internetüberwachung auf Layer 2"

    Das Innenministerium sagt zum Bericht von ORF.at zu den Netzüberwachungsplänen, es habe sich um ein inoffizielles Expertentreffen gehandelt. Die Techniker seien nicht autorisiert gewesen, "Absichten des Innenministeriums zu kommunizieren". Dafür seien alleine die "politischen Entscheidungsträger" zuständig.

    • bootleg, vor 571 Tagen, 23 Stunden, 59 Minuten

      Ihr solltet mal mit Adamovich, Korinek, Funk, Öhlinger und Mayer reden. Feuer mit Feuer bekämpfen. Wenn die Regierung solche "Regelungen" beschließen will, dann bekommt sie einen Breitseite von der Verfassung!

    • Ist ja klar!

      ldir, vor 571 Tagen, 23 Stunden, 41 Minuten

      Dass die ihre Geheimpläne nicht preisgeben wollten und nun sauer sind. Denen passt es nicht dass es nun in der Bevölterung brodelt, vor allem zwei Monate vor den Wahlen.

    • wo kommen wir denn da hin...

      euerpräsident, vor 571 Tagen, 23 Stunden, 19 Minuten

      wenn gleich ein jeder schreibt was er will, ohne vorher beim BMI rapport zu machen.nach der nächsten wahl ist wieder schluss mit der kerzerlmarschierermentalität. für solchen journalismus muss man sich wirklich schämen!pfui!

  • Wieso denn nicht

    ldir, vor 572 Tagen, 1 Stunde, 51 Minuten

    gleich alle bei der Geburt in ein Gefängnis sperren? Sozusagen General- und Spezialpräventive Maßnahme. Ich hoffe dass die Faschisten die Wahlen verlieren, und zwar eine Erdrutschniederlage, von der sie sich nie wieder erholen werden. Leider gibt es immer wieder Trolle hier, welche sich so eine faschistoide Regierung wünschen.
    1984 ist wahr geworden, die Dystopie tritt ein. Ein Präventionsstaat mit dem Innenministerium als Big Brother. Winston Smith, der Protagonist aus 1984 würde sich bei uns wohl heimisch fühlen. Die Inoffiziellen Mitarbeiter welche diese Maßnahmen befürworten, haben sich hier schon zu Wort gemeldet. Sie wären wohl in der DDR oder China viel glücklicher.
    Wo endet die Überwachung? Wann wird man "geholt" nur weil man in einem Forum seine Meinung kundtut.
    Mit den Keulen Terrorismus und Kinderpornos kann man vieles zu rechtfertigen versuchen, aber kluge Menschen wissen bereits dass es nur unbedarfte Schutzbehauptungen sind. Das Verbrechen einen Totalitären Präventivstaat zu etablieren wirkt wesentlich schlimmer als jeder noch so große Fall vom Terrorismus (den es in Österreich eigentlich gar nicht gibt, außer von staatlichen seite) oder Kinderpornographie. Tatsache ist dass Der Fall mit dem Drohvideo eigentlich nur aufgebauscht wurde um zu kaschieren dass bereits Online-Durchsuchungen Rechtswidrig und...

    • ldir, vor 572 Tagen, 1 Stunde, 51 Minuten

      daher verbrecherisch durchgeführt wurden.

    • Genau!

      gundel, vor 572 Tagen, 1 Stunde, 3 Minuten

      Da hilft nur eines- Regierung abwählen und Grün wählen!
      Ansonsten ADIEU Meinungsfreiheit und Demokratie.

    • Besser wäre es die Politiker

      cumulusl7, vor 572 Tagen, 24 Minuten

      sofort nach der Wahl in ein Gefängnis umzuquartieren. Da sind sie unter ihresgleichen und brauchen nach etwaiger Aufdeckung ihrer streng legalen, uneigennützigen, überhaupt nicht machtvermehrenden "Staatsgeschäfte" nicht extra "umziehen". Man könnte sich damit auch die kostspieligen diversen U-Ausschüsse, Aufhebungsverfahren der politischen Immunität mit nachfolgenden Gerichtsverfahren etc. sparen.

    • sehr traurig

      wrongplayer, vor 571 Tagen, 23 Stunden, 59 Minuten

      ist die immer wieder angeführte Überwachung von TierschutzaktivistInnen. Mögen Einzeltäter ja verbotene Sachen machen - aber generell alle, die sich um die Tierrechte kümmern als Täter zu erklären und auf allen Ebenen zu bejagen, ist einfach nur faschistisch.

    • @gundel

      ldir, vor 571 Tagen, 23 Stunden, 43 Minuten

      Genau das habe ich auch vor. Und wer die Grüne nicht wählen will, dann bitte zumindest um Schadensminimierung und die Wahl der KPÖ. Obwohl, die Grünen sind mir die sympatischten Politiker.

  • Es gibt Möglichkeiten die weder Polizei noch die

    hexenpower, vor 572 Tagen, 1 Stunde, 58 Minuten

    Geheimdienste wissen.
    Also soll man aufhören so zu tun als wisse man alles.
    Ja man weis so manches aber das wichtigste Geheimnis wird Microsoft niemals preisgeben.

    • Gut,

      cumulusl7, vor 572 Tagen, 21 Minuten

      dass ausser Microsoft und so ziemlich allen Unix-Veteranen und den C++Programmierern unter den Linux-Fetischisten nur WIR ZWEI dieses wichtigste Geheimnis kennen. Gott sei gedankt und gelobt!

    • Komisch

      wrongplayer, vor 571 Tagen, 23 Stunden, 54 Minuten

      ist, dass in den Aussagen von Innenministerium immer angedeutet wird, dass "keine Art der Datenübertragung vor ihnen sicher sei".
      SO EIN SCHWACHSINN!
      WIRKLICHE VERBRECHER (und die vielen terroristen in österreich) FINDEN DA IMMER WAS.

      Nur "Otto und Hermine Normalverbraucher" werden mit voller Breitseite erfolgreich überwacht.