Standort: futurezone.ORF.at / Meldung: "Die Rückkehr des Mixtapes"

Die Rückkehr des Mixtapes

29.07.2008|06:00

Der US-Musikdienst Muxtape reduziert Playlisten im Internet auf das Wesentliche: zwölf Songs pro Nutzer. Mehr geht nicht. So lebt das klassische Mixtape in virtueller Form wieder auf.

Muxtape empfängt seine Besucher nicht zufällig mit dem Bild einer Audiokassette: Die 1963 von Philips auf den Markt gebrachten Leerkassetten ermöglichten es einer breiten Masse von Leuten erstmals, Musik aufzunehmen, sie an Freunde weiterzugeben oder sich einfach einen Soundtrack für den Alltag zusammenzustellen.

Im Gegensatz zum Brennen auf CD-R und zum Musiktausch im Internet, die das Mixtape sukzessive ablösten, wurden beim Erstellen eines analogen Mixtapes keine Files hin und her geschoben. Platten wurden durchgehört, Songs auf ihre Tauglichkeit überprüft. Das Aufnehmen dauerte einfach seine Zeit und war schon darum Herzenssache.

Zwölf Songs

Muxtape knüpft an den Minimalismus des klassischen Mixtapes an. Lediglich zwölf Songs können pro Nutzer auf den Dienst geladen und im Netz gestreamt werden. Andere Features gibt es nicht.

"Persönliche Kassetten-Mixtapes waren lange vor dem Internet eine großartige Möglichkeit, neue Musik zu entdecken", sagte Muxtape-Gründer Justin Ouellette dem Wired-Blog Listening Post: "Diese Erfahrung wollte ich mit Muxtape wiederaufleben lassen."

Das scheint Oullette gelungen zu sein. Mittlerweile zählt der Ende März dieses Jahres gestartete Playlist-Sharing-Dienst Hunderttausende Nutzer und erlebte wegen des großen Ansturms bereits einen Server-Absturz.

Pro Nutzer ist auf Muxtape das Anlegen einer Playlist erlaubt. Nach Möglichkeit sollte darin nicht mehr als ein Track pro Band/Musiker und Album enthalten sein. Musik-Files können nur im MP3-Format gepostet werden. Das Upload-Limit pro Song beträgt 24 MB. Zur Registrierung ist die Angabe einer E-Mail-Adresse erforderlich.

Interface für Musik

"Die Playlist stellt ein einfaches Interface für die Unmenge von Musik dar, die heute im Netz erhältlich ist", sagt David Jennings, Autor des Buches "Net, Blogs & Rock 'n' Roll" und Experte für Musikempfehlungssysteme im Netz, zu ORF.at. Sie habe auch eine soziale Dimension, so Jennings: "Die Leute wollen mit anderen teilen, was ihnen gefällt."

Natürlich würden Playlisten von Leuten auch dazu genutzt, um sich interessant zu machen: "Stereotyp gesprochen wollen etwa Buben Mädchen mit ihren Playlisten signalisieren, wie einfühlsam sie sind." Das Anhören von Playlists biete neben dem Entdecken neuer Musik auch Einblick in die Persönlichkeit der Playlist-Gestalter.

"Google des Playlist-Sharing"

Zahllose Online-Musikdienste, von Last.fm über Grooveshark, Jamendo und seeqpod bis hin zum iTunes Store setzen in der einen oder anderen Form auf automatisierte oder nutzergenerierte Playlists. Aber keiner tut das so konsequent wie Muxtape.

"Muxtape hat für das Playlist-Sharing im Netz bewirkt, was Google vor Jahren für die Internet-Suche getan hat", sagt Jennings, "es hat die Komplexität verringert und betont so das Wesentliche." Bei Muxtape könnten die Songs in den Playlisten der Nutzer in voller Länge angehört werden: "Darauf kommt es an."

Rechtliche Grauzone

Rechtlich befindet sich der Dienst damit allerdings in einer Grauzone. Denn Lizenzen für die zahlreichen urheberrechtlich geschützten Titel, die auf der Seite landen, gibt es vorerst nicht. Beanstandungen durch Rechteinhaber habe es schon gegeben, räumte Muxtape-Gründer Oullette gegenüber Listening Post ein. Andererseits bekomme er auch viele Anfragen von Plattenfirmen und Musikern, die ihre Musik auf Muxtape streamen wollen. Generell sei das Echo der Labels positiv, so Oullette.

Über ein Partnerprogramm mit dem Amazon MP3 Shop können die geposteten Songs gekauft werden und verschaffen Muxtape so erste Einnahmen.

Musik-Promotion

Unabhängige Labels nutzen Muxtape mittlerweile zur Promotion ihrer Acts, so etwa das legendäre US-Underground-Label Alternative Tentacles [Dead Kennedys] und das US-Indie-Label Asthmatic Kitty Records [Sufjan Stevens]. Auch das österreichische Label Konkord [unter anderem duo505 und hpstonji] stellt Neuveröffentlichungen auf Muxtape vor.

"Für uns als Label bringt es vor allem die Möglichkeit, unsere Musik international zu präsentieren", sagt Roman Mesicek, der bei Konkord für Kommunikation und Web verantwortlich ist.

Er hofft, durch die Label-Playlist auf dem Dienst die Musik der Konkord-Acts weiter verbreiten zu können. Muxtape sei nicht wie viele andere Angebote mit Features überladen, so Mesicek: "Die Nutzer konzentrieren sich auf das Wesentliche, nämlich die Musik, und hören deshalb vielleicht etwas genauer hin."

Zum Thema:

[futurezone | Patrick Dax]

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

 
  • finde muxtape auch gut

    clp08, vor 556 Tagen, 4 Stunden, 30 Minuten

    nutze als (umfangreichere) alternative zusätzlich noch simfy.de, weil es einfach mehr möglichkeiten bietet, wirklich dauerhaft musik zu hören.

  • C45 C60 C90 C120 GO!

    yaketiyak, vor 559 Tagen, 19 Stunden, 39 Minuten

    Nette Idee, stringente Umsetzung. Ich hab' gleich eine Cassette befüllt: http://monkeymusic2008.muxtape.com

  • können sich andere Websites was abschauen:

    gelsenknecht, vor 560 Tagen, 6 Minuten

    minimalistisch und aufs Wesentliche beschränkt. So solls sein.

    • martinol, vor 559 Tagen, 23 Stunden, 24 Minuten

      stimmt, taugt sich, das layout

    • ich find

      bröselmaschine, vor 559 Tagen, 22 Stunden, 48 Minuten

      das kleschbunte _echt_ haesslich. aber geschmaecker sind ja bekanntlich verschieden :)

  • Also alles ist möglich.

    hexenpower, vor 560 Tagen, 28 Minuten

    Und eine Kassette ist immer noch die beste Variante. Ich habe es satt dieses blöden Laser für Musik einzusetzen. Die Wahrheit ist doch dass diese blöden Laser schuld sind warum es auf der Erde so heiß wird. Das ist einfach widernatürlich. Einfach Mist. Der digitale Klang ist defakto keine Musik auch kein Klang es ist eine Illussion. Das ist einfach unrichtig was da an Informationen reinkommt. Das Gehirn durchschaut es leider nicht das trotz des Klangs es eine falsche Information ist. Das ist das Geheimnis der Digitaltechnologie.
    Analog ist komplex nicht auszutricksen. Dgitale Technologie ist das Paradies für die Lüge. Jeder kann so richtig loslügen und wird nicht erkannt werden. Denn das Digitale gibt es in der Natur nicht.
    Das hat der Mensch erfunden. Und es ist eine Technologie die Revolutionen hervorrufen wird. Aber die Menschheit erhält die Rechnung für diese Lügentechnologie schneller zurück als ihr Recht sein kann. Gott durchschaut alles. Und er ist sehr böse wegen der Digitaltechnologie. Sie soll verschwinden vom Planeten oder der Planet verschwindet. Es gibt für die Menschen sonst keinen Platz im Universum. Es ist alles eine Illusion. Es gibt nichts was die Menschen...

    • ja wer Musik hören soll zu einem Konzert

      stilgar, vor 559 Tagen, 22 Stunden, 51 Minuten

      bis zum vorvorigen Jahrhundert hat das auch funktioniert. Wer tanzen wollte ist in den Prater gekommen und hat dem Strauß oder Lahner zugehört. War einfach gut. Es gab keine Urheberrechtsprobleme und alle waren glücklich. Was brauchen wir den neumodischen Unfug. Ein Livekonzert wie im 19Jhdt spart außerdem Strom und die Menschen sind an der frischen Luft, was will man mehr.

    • blumenau, vor 559 Tagen, 9 Stunden, 46 Minuten

      stilgar, wenn du glaubst, dass es damals keine urheberrechtsprobleme gab, bist du schiefgewickelt; das gegenteil war der fall: der kampf um die notenblätter...

  • Was soll das bringen?

    paramedic, vor 560 Tagen, 8 Stunden, 59 Minuten

    Ich kann mich noch sehr gut an die Zeiten von Kassetten erinnern. Immerhin hatte ich in meiner Jugend eine Sammlung von etwa 250 Stück. Viele - eigentlich die meisten davon - hatte ich selber bespielt. Nach zwanzig mal abspielen waren die alle so im Arsch, dass man die Musik nimmer mehr hören konnte, weil die verdammten Kassetten geleiert haben. *aufdenkopfgreif*

    • Tja die Kassetten können nix dafür wennst ein defektes/billiges Abspielgerät verwendest

      cybermonk, vor 560 Tagen, 8 Stunden, 46 Minuten

      Ich habe auch noch ein paar hochwertige Tapes (Maxell/TDK Metallbänder) die ich mit einem damaligen HighEnd Dolby-S-Tapedeck von Pioneer (mit EinmessComputer etc...) aufgenommen habe und die klingen bis auf die nachlassende Höhenbrillianz noch immer gut.

    • so ein Blödsin

      gelsenknecht, vor 560 Tagen, 8 Stunden, 26 Minuten

      ... nach 20 mal Abspielen geleiert, als ob sich die Länge des Bandes ändern würde...

    • Leiern?

      demos, vor 560 Tagen, 8 Stunden, 2 Minuten

      Das Leiern ist ja kein Zeichen für eine schlechtere Aufnahmequalität, wie es ein Rauschen, Pfeifen oder gar Tonaussetzer wären, sondern ein Hinweis auf eine unregelmäßige Bandgeschwindigkeit, also auf einen defekten Motor. Da kann die gute alte Musikkassette nichts dafür. Außer sie ist total verschmutzt und das Band nur gegen einen erhöhten Widerstand zu drehen, aber dann geht eher gar nix mehr, als daß sie leiert.

    • CompactCassetten sind besser als ihr Ruf!

      szeky, vor 560 Tagen, 7 Stunden, 34 Minuten

      Habe selbst noch hunderte Cassetten zu Hause und alle laufen einwandfrei, teilweise sind die Tapes schon 30 Jahre alt! Wenn das Abspielgerät nicht defekt wäre und es jemand _wirklich gut_ reparieren könnte würde ich die heute noch hören wie am ersten Tag!

      Klar geht das mit einem kleinen tragbaren Cassettenrecorder nicht, das muss schon ein Gerät der HiFi-Klasse sein, aber die waren ja früher genauso üblich wie heute CD-Player!

  • Sinn?

    aehr, vor 560 Tagen, 9 Stunden, 38 Minuten

    Was sollte ein 12-Song-Mixtape irgendjemand bringen?

    • machst du liest du oda so..

      anex1, vor 560 Tagen, 9 Stunden, 11 Minuten

      "Persönliche Kassetten-Mixtapes waren lange vor dem Internet eine großartige Möglichkeit, neue Musik zu entdecken", sagte Muxtape-Gründer Justin Ouellette dem Wired-Blog Listening Post: "Diese Erfahrung wollte ich mit Muxtape wiederaufleben lassen."

    • Sinn!

      wuggsi, vor 560 Tagen, 8 Stunden, 51 Minuten

      Es bringt mir persönlich auf jeden Fall mehr, als wenn jeder bei anderen Playlist-Publizierungsdiensten einfach sein komplettes MP3-Archiv mit über 1000 Songs rein stellt und ich mich genauso gut mit einem Weitwinkelobjektiv in einen Plattenladen stellen könnte.

    • die Reduktion auf das Wesentliche

      wunschboxer, vor 560 Tagen, 8 Stunden, 47 Minuten

      mit 12 Lieblings-Songs kann man seine persönliche Hitlist erstellen ,und so mitteilen das es irgendwen auch noch interessiert. In Zeiten der Medialen Überschwemmung ist es doch schön wenn überschaubarer Individualismus wieder möglich ist.
      ...wenn du etwas willst was dir was bringt , schau auf wunschbox.at

  • pavao, vor 560 Tagen, 9 Stunden, 46 Minuten

    meiner meinung noch etwas besser umgesetzt wird das ganze hier: www.mixwit.com

    • pavao, vor 560 Tagen, 9 Stunden, 45 Minuten

      meiner meinung nach etwas besser umgesetzt wird das ganze unter http://www.mixwit.com

    • Thx..

      beijesus, vor 560 Tagen, 9 Stunden, 41 Minuten

      Muss sagen,dass mir die Mixwit-Seite auch besser gefällt. ;-)

    • glüxritter, vor 560 Tagen, 8 Stunden, 54 Minuten

      Gefällt mir auch ganz gut und wirklt irgendwie.... professioneller.
      Man kanns mit dem Minimalismus auch übertreiben.

  • find ich gut.

    gelsenknecht, vor 560 Tagen, 10 Stunden, 14 Minuten

    • hey - voll gut!

      gelsenknecht, vor 560 Tagen, 10 Stunden, 10 Minuten

      bitte diesen Artikel auf die Front von orf.at!

    • schön minimalistisch, die Site

      gelsenknecht, vor 560 Tagen, 10 Stunden, 9 Minuten

      - nach dem K I S S Prinzip!

  • Die Compact Cassette

    ldir, vor 560 Tagen, 10 Stunden, 45 Minuten

    kann man auch für Musik nutzen? :-) Also ich habe darauf immer Computerprogramme (Spiele, Anwendungen und Szene-Demos) für den ZX Spectrum drauf gespeichert bevor ich mir das Disciple Disketteninterface gekauft habe...

    • Jööö,

      schellack, vor 560 Tagen, 10 Stunden, 2 Minuten

      ein echter, floppiger 5œzöller!

    • ldir, vor 560 Tagen, 4 Stunden, 39 Minuten

      Eigentlich nur 3 und ein halber Inch...

  • Schwachfug. Die "Rückkehr des Mixtapes" ?

    borger, vor 560 Tagen, 11 Stunden, 2 Minuten

    nur weil eine Knofelhütt'n ihre Playlist auf 12 Titel beschränkt ? Ich lach mir 'nen Ast

    • bots, vor 560 Tagen, 10 Stunden, 30 Minuten

      wieso "Knofel"?